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Installationstechnik | Schränke und Verteiler

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Normen für Installationsverteiler

08.11.2022

Muss der Installateur bei der Erneuerung einer Zähleranlage und kleineren Installationsverteilern bezüglich der DIN EN 61439 die darin aufgeführten Leistungen verpflichtend erbringen?

Frage:
In einer Liegenschaft (Büros, kleinere Werkstatt, Lager) wurden eine Zähleranlage, Verteiler und kleinere Installationsverteiler erneuert. Es handelt sich um Stromverteiler, die für Laien bedienbar sein sollen. Bezüglich der DIN EN 61439 wurden im Auftrag keine schriftlichen Details festgelegt. Folgende zu erbringende Leistungen würden wir aus der entsprechenden Norm herauslesen: Schaltungsunterlagen mit Bemessungswerten; Dokumentation für Stückprüfnachweis; Angabe des RDF; Erwärmungsnachweis; Herstellerkennzeichnung; CE-Kennzeichen; Konformitätserklärung und Checkliste zum Konformitätsbewertungsverfahren. Ist der Installateur trotzdem verpflichtet, diese Leistung zu erbringen? Oder ist diese Norm nur optional und vor Auftragsvergabe ausdrücklich zu benennen? Lassen sich die genannten Unterlagen einfordern? Wie verhält es sich bei kleineren dreireihigen Elektroverteilern (Wohnungsverteiler)? Antwort:
Vorweg. Bei der Frage nach der zutreffenden Norm handelt es sich um eine „Gretchenfrage“, die sich nicht so eindeutig beantworten lässt, weil in den Normen nicht definitiv festgelegt ist, nach welcher Norm Installationsverteiler herzustellen sind. Daher muss ich vorweg das Thema etwas ausführlicher betrachten. Es ist richtig, dass entsprechend Anwendungsbereich von DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3) [1], bei Verteilern nach dieser Norm eine Bedienung durch Laien vorgesehen (z. B. Schalthandlungen und Auswechseln von Sicherungseinsätzen) ist, und zwar auch zur Anwendung im Wohnbereich und an anderen Orten, an denen eine Bedienung durch Laien erfolgt. Dabei gilt:
  • die Bemessungsspannung gegen Erde beträgt höchstens 300 V Wechselspannung;
  • der Bemessungsstrom (Inc) der Abgangsstromkreise beträgt höchstens 125 A, und der Bemessungsstrom (InA) des DBO (distribution board to be operated by ordinary persons) beträgt höchstens 250 A;
  • sie sind für die Verteilung der elektrischen Energie vorgesehen, geschlossen, ortsfest und für Innenraum- oder Freiluftaufstellung.
DBO dürfen auch Steuer- und/oder Meldegeräte in Verbindung mit der Verteilung der elektrischen Energie enthalten. Daneben gibt es aber noch die DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) [2]. Im Anwendungsbereich ist hierzu folgendes festgelegt: „Dieser Teil von IEC 60670 gilt für Gehäuse und Teile davon zur Aufnahme von Schutzgeräten und anderen energieabgebenden elektrischen Geräten, die zur Verwendung mit einer Bemessungsspannung nicht über 400 V und einem Einspeisestrom bis einschließlich 125 A für Haushalt und ähnliche ortsfeste elektrische Installationen vorgesehen sind. Diese Gehäuse sind dafür vorgesehen, so installiert zu werden, dass sie für Laien zugänglich sind. Sie sind dafür vorgesehen, dass sie vor Ort durch Fachleute (Installateure) mit elektrischen Geräten bestückt werden können. Die Gehäuse sind vorgesehen für Elektroinstallationen, bei denen der prospektive Kurzschlussstrom 10 kA nicht übersteigt oder durch strombegrenzende Schutzeinrichtungen mit einem Abschaltstrom von maximal 17 kA geschützt sind.“ In dieser Norm unterscheidet man in: Universal-Gehäuse „GP-Gehäuse“ (Leergehäuse oder Basisgehäuse, bei dem der Einbau mechanischer oder elektrischer Geräte durch Prüfungen durch den Hersteller in Übereinstimmung mit dieser Norm nachgewiesen wurden und bei dem der Installateur entsprechend den in Anhang AA angegebenen Informationen den Nachweis für die eingebauten Geräte erbringen muss) und Gehäuse für vorbestimmte Geräteausrüstung „PD-Gehäuse“ (Leergehäuse oder Basisgehäuse, bei dem das Aufnahmevermögen vorbestimmter mechanischer oder elektrischer Geräte nach Konstruktionsregeln und Prüfungen nach dieser Norm durch den Hersteller nachgewiesen wurden. Der Installateur muss den Einbau der installierten Geräte entsprechend den Konstruktionsregeln nach Angaben des Herstellers in Übereinstimmung mit Anhang BB nachweisen). Die PD-Gehäuse sind nun – nachdem sie nicht mehr in DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [3] enthalten sind – diesbezüglich die typischen Verteiler für den Wohnungsbereich und auch andere kleinere Liegenschaften, aber nur einsetzbar bis 63 A. Einen Bezug auf Herstellernormen gibt es in der VDE-AR-N 4100 [4]. Im Abschnitt 8 wird auf folgende Normen verwiesen: „Außerhalb von Zählerschränken verwendete Stromkreisverteiler müssen DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) oder DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3) entsprechen. In Anschlussnutzeranlagen mit einem Strombedarf von mehr als 125 A sind die Anforderungen der DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3) einzuhalten.“ Hinweis. DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [3] wurde bezüglich Verteiler durch DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) [2] ersetzt. Autor:  W. Hörmann Literatur: [1] DIN EN 61439-3 (VDE 0660-600-3):2013-02 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – 
Teil 3: Installationsverteiler für die Bedienung durch Laien (DBO). [2] DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24):2014-03 Dosen und Gehäuse für Installationsgeräte für Haushalt und ähnliche ortsfeste elektrische Installationen – Teil 24: Besondere Anforderungen für Gehäuse zur Aufnahme von Schutzgeräten und ähnlichen energieverbrauchenden Geräten. [3] DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):2017-06 Zählerplätze – Teil 1: Allgemeine Anforderungen. [4] VDE-AR-N 4100 Anwendungsregel:2019-04 Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Niederspannung). Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.