Beschriftung in Schaltschränken

ep/2020/06/ep-2020-06-438-439-00.jpg
ep/2020/06/ep-2020-06-438-439-01.jpg

Diese Leseranfrage und 783 weitere finden Sie in der Elektromeister-App.

pdf Artikel als PDF-Datei herunterladen

?

?Gibt es eine Norm, in der beschrieben wird, wie und wie oft Bauteile in einem Schaltschrank beschriftet werden müssen? Genügt eine Beschriftung direkt am Gerät oder muss zwingend eine weitere Kennzeichnung auf der Grundplatte des Schaltschrankes vorgenommen werden? Muss an den Einzeladern der ankommenden externen Kabel und Leitungen gekennzeichnet sein, welcher Klemme sie zugehören? Im Schaltplan ist ja dokumentiert, welche Ader auf welche Klemme aufgelegt wird.

!Vorweg. Für die Herstellung von „Schaltschränken“ und der damit verbundenen Betriebsmittelkennzeichnung gibt es im Wesentlichen drei Normen, z. T. mit etwas abweichenden Festlegungen. Für Wohnungsverteiler, gilt DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) [1]

Hinweis.Durch DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24):2014-03 [1] wurde die DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):1991-10 [2] bezüglich „Wohnungsverteiler“ ersetzt. Die Übergangsfrist für DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):1991-10 [2] endete 2018-03-04.

Die Anwendung der DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) [1] ergibt sich aus der VDE-AR-N 4100 [3].

Für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen die Normen der Reihe DIN EN 61439 (VDE 0660-600) und für Schaltschränke, die der Ausrüstung elektrischer Maschinen dienen, gilt DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [4].

Kennzeichnung bei Installationskleinverteilern. (Betriebsmittelkennzeichnung bzw. Referenzkennzeichnen bei Installationskleinverteilern (Wohnungsverteilern) nach DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) [1]) In DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24) [1] gibt es bezüglich der Anbringung von Betriebsmittelkennzeichnungen keinerlei Festlegungen. Somit gelten die allgemeinen Anforderungen der Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100).

Allerdings sind die, in dieser Norm enthaltenen Forderungen sehr unbestimmt. So ist im Abschnitt 514.5.1 von DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) [5] nur folgendes festgelegt: „Soweit zweckdienlich, müssen Schaltpläne, Diagramme oder Tabellen nach DIN EN 61346-1 […] und den Normen der Reihe DIN EN 61082 (VDE 0040) mitgeliefert werden, aus denen insbesondere ersichtlich sind:

  • die Art und der Aufbau der Stromkreise (versorgte Verbraucher, Anzahl und Querschnitt der Leiter, Art der Kabel und Leitungen)

  • die Merkmale, die notwendig sind für die Identifizierung der Einrichtungen für Schutz-, Trenn- und Schaltfunktionen sowie deren Einbauorte.

Bei einfachen Anlagen dürfen diese Angaben in Form einer Liste gemacht werden.“

Auch der Abschnitt 514.1 von DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) [5] ist nicht zweckdienlich: „Schilder oder andere geeignete Kennzeichen müssen vorgesehen werden, um den Zweck eines Schalt- oder Steuergeräts zu erkennen, es sei denn, dass es eine Möglichkeit zur Verwechslung nicht gibt.“

Ausführung in der Praxis. Bei Installationsverteilern wird heute üblicherweise wie folgt vorgegangen: Die auf der Vorderseite der inneren Abdeckung (Zwischenabdeckung) des Verteilers meist schon vorhandenen Beschriftungsstreifen sind dafür geeignet und den Betriebsmitteln, zugeordnet, entweder als Betriebsmittelkennzeichnung (z. B. ein Referenzkennzeichen mit Art, Zählnummer) oder bei einfachen elektrischen Anlagen, meist als fortlaufende Zahl. Wo solche Beschriftungsstreifen nicht vorhanden sind, können sie aber bei den jeweiligen Herstellern bezogen werden. Ob diese Beschriftungsstreifen oberhalb der Betriebsmittelausschnitte oder unterhalb angeordnet werden, ist ebenfalls nicht festgelegt.

Zur Interpretation wird diese Betriebsmittelkennzeichnung dann auf einer Liste, die üblicherweise auf der Innenseite der Verteilertür angebracht wird, den einzelnen Räumen/Verbrauchern/Endstromkreisen zugeordnet.

Sicher wird es, bei solchen Verteilern, keine zusätzliche Kennzeichnung der Betriebsmittel unter, neben oder auf den Betriebsmitteln selbst geben, was auch bei solchen Verteilern nicht notwendig und sinnvoll wäre. Verboten wäre eine zusätzliche Kennzeichnung auf den Betriebsmitteln aber nicht.

Kennzeichnung nach Reihe DIN EN 61439 (VDE 0660-600). (Betriebsmittelkennzeichnung bzw. Referenzkennzeichen bei Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen nach den Normen der Reihe DIN EN 61439 (VDE 0660-600)) Im Abschnitt 6.3 (Identifizierung von Geräten und/oder Bauteilen) von DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) [6] ist hierzu folgendes festgelegt: „Innerhalb der Schaltgerätekombination muss es möglich sein, bestimmte Stromkreise und ihre Schutzeinrichtungen zu identifizieren. Kennzeichnungen müssen lesbar, dauerhaft und für die physikalische Umgebung geeignet sein. Alle verwendeten Kennzeichnungen müssen mit IEC 81346-1 und mit IEC 81346-2 übereinstimmen und mit denen im Schaltplan identisch sein, der in Übereinstimmung mit IEC 61082-1 sein muss.“

Auch hieraus ergeben sich keine weiteren Details für die Anbringung der Betriebsmittelkennzeichnung.

Da bei solchen Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen üblicherweise keine zusätzlichen Zwischenabdeckungen an den Betriebsmitteln vorgesehen werden, erfolgt meist die Kennzeichnung direkt mit „Klebeschildern“ auf den Geräten/Betriebsmitteln. In vielen Fällen wird hierfür, von den Herstellern der Betriebsmittel, ein entsprechendes Beschriftungsfeld auf den Geräten vorgesehen.

Um den eventuellen Austausch von defekten Betriebsmitteln zu erleichtern, wird meist neben (sofern ausreichend Platz vorhanden ist) oder unter den Betriebsmitteln ein zusätzliches Kennzeichnungsschild angebracht. Eine normative Vorgabe hierfür gibt es aber nicht. Eine zusätzliche Betriebsmittelkennzeichnung neben den Betriebsmitteln wird sich wegen der sehr beengten Anordnung der Betriebsmittel in den meisten Fällen aber ausschließen.

Bei Betriebsmitteln, die auf Türen befestigt sind, wird in den meisten Fällen eine Kennzeichnung neben den eingebauten Betriebsmitteln auf der Türinnenseite vorgesehen.

Kennzeichnung bei Schaltschränken für Maschinen. (Betriebsmittelkennzeichnung bzw. Referenzkennzeichen bei Schaltschränken für die elektrische Ausrüstung von elektrischen Maschinen nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [4]) Im Abschnitt 16.5 von DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [4] ist hierzu folgendes festgelegt: „Alle Gehäuse, Baugruppen, Steuergeräte und Komponenten müssen eindeutig mit demselben Referenzkennzeichen, wie in der technischen Dokumentation dargestellt, identifizierbar sein.“

Auch hier gilt die oben beschriebene Vorgehensweise, z. B., dass, für einen eventuellen Austausch von defekten Betriebsmitteln, meist unter den Betriebsmitteln, ein zusätzliches Kennzeichnungsschild angebracht wird. Eine normative Vorgabe hierfür gibt es aber auch in dieser Norm nicht. Eine zusätzliche Betriebsmittelkennzeichnung neben den Betriebsmitteln wird sich auch hier aus Platzgründen in den meisten Fällen ausschließen.

Zu den konkreten Fragen. In keiner der oben angeführten Normen gibt es eine Festlegung, wie oft oder an welcher Stelle jedes einzelne Betriebsmittel gekennzeichnet werden muss.

Im Normalfall reicht eine einzige Betriebsmittelkennzeichnung, vorzugsweise auf den Betriebsmitteln aus, siehe auch oben. Bei umfangreichen Betriebsmittelkennzeichnungen, d. h. mit vielen Datenstellen, wird sich das nicht immer realisieren lassen, sodass häufig auch Beschriftungsschilder, auf einem der, an den Betriebsmitteln angeschlossenen Leiter, aufgeschoben werden.


Literatur:

[1] DIN EN 60670-24 (VDE 0606-24):2014-03 Dosen und Gehäuse für Installationsgeräte für Haushalt und ähnliche ortsfeste elektrische Installationen – Teil 24: Besondere Anforderungen für Gehäuse zur Aufnahme von Schutzgeräten und ähnlichen energieverbrauchenden Geräten.
[2] DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):1991-10 (zurückgezogen) Installationskleinverteiler und Zählerplätze AC 400 V – Installationskleinverteiler und Zählerplätze.
[3] VDE-AR-N 4100 Anwendungsregel:2019-04 Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Niederspannung).
[4] DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06 Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.
[5] DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510):2014-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Allgemeine Bestimmungen.
[6] DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Teil 1: Allgemeine Festlegungen.
[7] DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):2017-06 Zählerplätze – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

Anzeige

Fachartikel zum Thema

  1. Erzeugungsanlagen und Netzanschluss 1

    DIN EN 50549-1 2020-10 (VDE 0124-549-1)

    Anforderungen für zum Parallelbetrieb mit einem Verteilnetz vorgesehene Erzeugungsanlagen – Teil 1: Anschluss an das Niederspannungsverteilnetz für Erzeugungsanlagen bis einschließlich Typ B

    10/2020 | Elektrosicherheit, Fachplanung, Installationstechnik, Energietechnik/-anwendung, Regenerative/Alternative Energien, Normen und Vorschriften, Elektroplanung, Hausanschluss und Zählerplatz, Energieerzeugung

  2. Informationstechnik 1

    DIN EN 50174-1 2020-10 (VDE 0800-174-1)

    Informationstechnik – Installation von Kommunikationsverkabelung – Teil 1: Installationsspezifikation und Qualitätssicherung

    10/2020 | Elektrosicherheit, Informations-/Kommunikationstechnik, Installationstechnik, Fachplanung, Normen und Vorschriften, Kabel und Leitungen, Elektroplanung

  3. Informationstechnik 2

    DIN CLC/TR 50174-99-2 2020-10 (VDE 0800-174-99-2)

    Informationstechnik – Installation von Kommunikationsverkabelung – Teil 99-2: Abschwächung von und Schutz vor elektrischer Störung

    10/2020 | Elektrosicherheit, Fachplanung, Installationstechnik, Informations-/Kommunikationstechnik, Normen und Vorschriften, Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), Elektroplanung, Kabel und Leitungen, Elektroplanung

  4. Elektrische Verbindung von Flanschen

    ?Im Bereich von Kalt- und Kühlwasserleitungen (z. B. Prozesskühlung) werden oft schwarze Stahlrohre verlegt, die zum Korrosionsschutz geprimert werden, d. h. mit einem Farbanstrich grundiert werden. Einbauten wie Ventile und Pumpen, die oft mit Flanschverbindungen versehen sind, werden durch...

    ep 10/2020 | Installationstechnik, Erdung und Potentialausgleich

  5. Bedeutung von Skin-Effekt und Oberschwingungen

    Ein Ansatz zur Beurteilung der Relevanz in der Praxis

    Im Zusammenhang mit den zusätzlichen Wärmeverlusten, die durch Oberschwingungen verursacht werden, wird oft auch der Skin-Effekt genannt – oder nach dessen Auswirkungen gefragt [1]. Doch hier sollte man getrost die Kirche im Dorf lassen – insbesondere in der normalen Elektroinstallationspraxis. ...

    10/2020 | Elektrosicherheit, Installationstechnik, Fachplanung, Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), Kabel und Leitungen, Elektroplanung

  6. Kabelnetzfehler sicher lokalisieren

    Mit dem Zeitbereichsreflektometer praktisch und zuverlässig

    Die Ausbreitung einer Welle vollzieht sich nur solange ungestört, bis im Transportmedium eine Inhomogenität auftritt. An dieser Änderung der Leitungsbedingungen tritt regelmäßig eine Erscheinung auf, die durch die Reflexion eines Teils oder der gesamten Wellenenergie gekennzeichnet ist. Der...

    10/2020 | Elektrosicherheit, Installationstechnik, Messen und Prüfen, Kabel und Leitungen

  7. Installationstechnik

    DIN EN 61386-1 2020-08 (VDE 0605-1)

    Elektroinstallationsrohrsysteme für elektrische Energie und für Informationen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen

    09/2020 | Elektrosicherheit, Installationstechnik, Normen und Vorschriften, Installationskanäle und -rohre, Kabel und Leitungen

  8. Abstände beim Errichten einer Leerrohranlage

    ?Wir planen eine Leerrohranlage, die zwei Gebäude miteinander verbinden sollen, wodurch die Versorgung von Strom, Telefon und Wasser erfolgen soll. Welcher Abstand muss zwischen Leistungs- und Datenkabeln eingehalten werden? Ist es überhaupt zulässig, eine Wasserleitung in die Leerrohranlage mit...

    ep 09/2020 | Installationstechnik, Installationskanäle und -rohre

  9. Schluss mit dem Kabelsalat

    Unterflursysteme als Mediatoren zwischen den Gewerken

    Bei fachgerechter und vorausschauender Planung erhöhen Unterflursysteme die Qualität aller Bauleistungen und integrieren sich perfekt in das Raumkonzept. Sie können damit zu Mediatoren zwischen den Gewerken werden. Und wenn alle Kabel im Boden geführt werden, ist auch Schluss mit dem Kabelsalat....

    09/2020 | Installationstechnik, Installationskanäle und -rohre

  10. Kabel und Leitungen

    VDE-AR-N 4222 2020-07

    Ausführungsvorgaben für das Legen von Schutzrohren und Kabeln im Erdreich für die allgemeine Versorgung mit elektrischer Energie, Nachrichtentechnik, Straßenbeleuchtung

    08/2020 | Elektrosicherheit, Installationstechnik, Normen und Vorschriften, Kabel und Leitungen, Installationskanäle und -rohre

Anzeige

Nachrichten zum Thema

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Unter-Putz-Installationen in Ex-Bereichen

Ist die Unter-Putz-Verlegung von Kabeln und Leitungen in explosionsgefährdeten Bereichen erlaubt?

Weiter lesen

Kabelverschraubungen des Herstellers sind nun in einer bleifreien Variante erhältlich.

Weiter lesen

Der chemische Dübel EasyMix eignet sich sowohl für Voll- als auch Hohlbaustoffe.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Kabel für eine Flächenheizung

Welcher Kabeltyp kommt bei einer Infrarot-Folienheizung in abgehängter Decke zum Einsatz?

Weiter lesen

Immer mehr Hausbesitzer, Mieter und Wohnungseigentümer wünschen sich 
automatisierte Lösungen für ihr Zuhause. Die Anforderungen sind dabei hoch. funk- und appbasierte Lösungen, wie das nachfolgend vorgestellte Wiser Taster-Modul, ermöglichen den...

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Verlängern eines E30-Brandmeldekabels

Dürfen Brandmeldekabel nur von qualifizierten und zertifizierten Firmen getrennt, verlängert bzw. mit einer Abzweigdose versehen werden?

Weiter lesen

Neue Produkte Leerrohr mit Kabel

Bei der Hausinstallation werden bisher Leerrohre ohne Inhalt verwendet. Das Leerrohr mit bereits integriertem Kabel spart einen Arbeitsgang und damit Zeit ein.

Weiter lesen

Die ECON-Iso+-Dose verfügt über vier, für Wärmedämm- und Putzträgerplatten ab 60 mm entwickelte, Schwenkschneiden, die sich in Holzfasern einschneiden und dort fest verankern.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Leiterquerschnitte in Schaltschränken

Wie genau haben sich die Normen für Querschnitten in Schaltschränken geändert? Sind die Unterschiede sehr groß?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Stellung von Reserve-Leitungsschutzschaltern

Ist es bei Arbeiten am Verteiler notwendig, den Reserve-Leitungsschutzschalter zu deaktivieren?

Weiter lesen