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Symbolbild: Induktionskochfeld – Wirbelströme erhitzen den Boden des Kochgeschirrs, Quelle: Bosch
Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Messen und Prüfen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Wiederholungsprüfung an Erwärmungsanlagen

10.02.2026

Wie erfolgt die Wiederholungsprüfung einer induktiven Erwärmungsanlage? Welche Ausnahmeregelungen gelten diesbezüglich?

Frage:
Nach der Installation einer induktiven Erwärmungsanlage soll ich an dieser die „Wiederholungsprüfung“ nach Installation einer Neuanlage durchführen. Die Isolationsmessung der Anlage beläuft sich auf 250 kΩ. Das Prüfprotokoll der Erstprüfung weist 5 MOhm aus. Hier ist allerdings auch nicht der Messpunkt beschrieben. Der Anlagenhersteller bezieht sich nun auf die VDE 0113-1 Teil 18.3., in der es eine Ausnahme gibt: „Für bestimmte Teile der elektrischen Ausrüstung wie z. B. Sammelschienen, Schleifleitungssysteme oder Schleifringkörper ist ein niedrigerer Wert erlaubt, jedoch darf der Wert nicht kleiner als 50 kΩ sein.“ Handelt es sich bei einer wassergekühlten Induktionsanlage um diese Ausnahme (Stromschienensystem)? Wie bewerte ich, ob es sich bei einer Anlagenprüfung um so eine Ausnahme handelt? Der Hersteller erklärt jetzt den geringeren Isolationswiderstand damit, dass die Anlage vor der Inbetriebnahme ohne Kühlwasser gemessen worden ist. Wie verfahre ich nun bei der Wiederholungsprüfung in vier Jahren? Arbeite ich mit meinem Referenzwert der Inbetriebnahmeprüfung und wie gewährleiste ich bei solch einer Anlage, ob nicht ein Teil der Leistung über das Wasser abgeleitet wird? Macht eine Isolationsüberwachung Sinn? Ersatzableitstrommessung? Schutzleiterstrommessung? Strommessung im Wasserstromkreis? Oder alles unbedenklich?

Antwort:
Bei der Formulierung der Ausnahme in der DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) Abschnitt 18.3 [1] für die Isolationswiderstandsmessung an Hauptstromkreisen von Maschinen hatte man vermutlich nicht den beschriebenen Anwendungsfall im Sinn – im Normtext sind nur Beispiele genannt, das schließt eine induktive Erwärmungsanlage nicht unbedingt aus. Der Hersteller kann diese Ausnahme für sich in Anspruch nehmen, wenn er dies so beschreibt. Die Formulierung der Ausnahmeregel lässt dies an der Stelle offen.

Allerdings ist die wiederkehrende Prüfung bei einer Maschine nicht die Wiederholung der Erstprüfung!

Die wiederkehrende Prüfung soll Mängel aufdecken, die während des Betriebs aufgetreten sind – seit der Erstprüfung. Entsprechend wäre für hier die DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1) [2] maßgeblich und (sofern vorhanden) die Hinweise zur wiederkehrenden Prüfung vom Hersteller. Die DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1) [2] kennt eine andere Größenordnung von Grenzwerten bei der Isolationsmessung: grundsätzlich zunächst 1000 Ohm je Volt Nennspannung. Man kann jedoch auch hier unter dem Stichwort der „feuchten Umgebung“ und dadurch, dass die Verbrauchsmittel angeschlossen sind, den Grenzwert noch weiter absenken bis auf 150 Ohm je Volt Nennspannung.

Zusätzliche Schutzmaßnahmen. Bei einem Isolationswert von 250 kΩ ergibt sich etwa ein Ableitstrom von 1 mA. Leider sagt der Anfragende nichts zur Systemleistung der Erwärmungsanlage. Zu bedenken geben muss ich allerdings, dass selbst haushaltsübliche Wärmegeräte Ableitströme von 3,5 mA aufweisen dürfen, oder bei größere Leistungen 1 mA/kW.

Ein Einsatz von einer Isolations-Überwachungseinrichtung würde ein IT-Netz voraussetzen, oder zumindest eine Schutztrennung der Anlage. Dann muss geprüft werden, ob ein Isolationswächter überhaupt funktioniert oder durch die induktive Erwärmungsanlage soweit beeinträchtigt wird, dass er keine zufriedenstellende Überwachung bieten kann.

Die Ersatzableitstrommessung ist ein Verfahren aus der Geräteprüfungs-Welt. Eine Interpretation der Messwerte dürfte allgemein sehr schwerfallen, da dies Verfahren selbst bei der Geräteprüfung schon einige Tücken hat.

Eine Schutzleiterstrommessung innerhalb der Anlage kann sicherlich sehr aufschlussreich sein. Zu benutzen wäre dann auf jeden Fall eine Stromzange, die eine besonders gute Schirmung gegenüber externen Magnetfeldern aufweist. Es wäre mindestens die Klasse 100 A/m anzuwenden. Zusätzlich muss die Zange ausreichend gut auch hochfrequente Ableitströme messen können.

Autor: M. Lochthofen

Literatur

[1] DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06 Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

[2] DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1):2017-06 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen; Änderung A1: Wiederkehrende Prüfungen.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.