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Fehlerstromkreis im TN-System (Beispiel),Quelle: M. Schauer/ep
Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Umstellung von TN-Systemen in TT-Systeme

20.02.2024

Kann ein sicherer und normgerechter Betrieb einer Anlage, die aus einem TN-C-System, einem TN-S-System und einem TT-System besteht, erfolgen? Welche Maßnahmen zur Umrüstung sind ggf. erforderlich?

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Frage:
In einer öffentlichen Einrichtung (Thüringen), die vorher nicht unserer elektrotechnischen Betreuung unterlag, wurden wir mit der Wiederholungsprüfung der ortsfesten elektrischen Anlage beauftragt. Wir mussten feststellen, dass im Objekt sowohl bestehende Stromkreise im TN-C-System („klassische Nullung“, Aluminiumleitungen) als auch nachträglich errichtete bzw. sanierte Stromkreise im TN-S-System betrieben werden. Der VNB, in Verbindung mit dem Anlagenerder, betreibt ein TT-System. Die PEN-Leiter der TN-C-Stromkreise sind mit der Sammelschiene des Neutralleiters (N) verbunden. a) Ist dieser Betrieb so normativ zulässig? Die nächste Erdung des „PEN-Leiters“ findet dann erst im Sternpunkt des Transformators statt. b) Wie ist mit der Kennzeichnung und Verbindung von N- und PE-Schiene zu verfahren? Dürfen diese überhaupt miteinander verbunden werden?

Antwort:
Vorweg. Die Umstellung von TN-Systemen in TT-Systeme, z. B in einigen der „neuen“ Bundesländer, wie bei dem Anfragenden in Thüringen, hat sicher schon mancher Elektrofachkraft Probleme bereitet, die scheinbar aber bis heute noch nicht vollständig beseitigt wurden.

Fakt ist, dass ein vorhandener TN-C-Abgang, d. h. mit klassischer Nullung, also mit PEN-Leiter, nicht aus einem TT-System versorgt werden kann und darf.

Auch ein TN-S-Abgang kann als solches nicht in einem TT-System vorgesehen werden. Ich gehe davon aus, dass der Anfragende die neueren Abgänge als TN-S-Abgang bezeichnet hat, weil vermutlich eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) nicht vorhanden ist, zumindest ist das aus einer Skizze, die mir vorliegt, nicht zu ersehen. Aus der fehlenden Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) muss aber vermutet werden, dass für diese Abgänge der Fehlerschutz nicht gewährleistet ist, da mit Überstrom-Schutzeinrichtungen im TT-System nur sehr bedingt der Fehlerschutz mit Sicherungen (maximal bis 10 A, in ganz wenigen Fällen bis 16 A) realisiert werden kann.

Bestandsschutz. Im Falle des Anfragenden kann auch nicht der sogenannte Bestandsschutz herangezogen werden, da es sich nicht nur um das Auswechseln von elektrischen Betriebsmitteln handelt, sondern um eine Umstellung des Netzsystems. In solchen Fällen muss die elektrische Anlage an das neue Netzsystem angepasst werden.


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Fehlerstromkreis im TT-System (Beispiel), Quelle: M. Schauer/ep