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Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen | Maschinen- und Anlagentechnik

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Schutzleiter bei Schutzklasse-II-Betriebsmitteln

27.09.2022

Wie ist mit dem Schutzleiter des Kabels bei Schutzklasse-II-Betriebsmitteln zu verfahren?

Frage:
Als Sondermaschinenbauer verbauen wir die verschiedensten Elektrokomponenten, so z. B. Befehls- und Meldegeräte in schutzisolierten Gehäusen. Um unser Kabellager überschaubar zu halten, haben wir uns entschlossen, nur noch Kabel mit Schutzleiter einzusetzen. Jetzt stellt sich die Frage, wie ist der Schutzleiter des Kabels im schutzisolierten Gehäuse zu behandeln? Ich bin zwischenzeitlich dazu übergegangen, den Schutzleiter mit einer vollisolierten Klemme im Gehäuse zu verstauen. Was mache ich jedoch mit dem anderen Ende im Schaltschrank? Muss ich den Schutzleiter auf eine grün-gelbe Schutzleiterklemme mit Fußkontaktverbindung zur Montageplatte auflegen? Oder muss er ebenfalls wie im vollisolierten Gehäuse an eine isolierte Reihenklemme angeschlossen werden? Antwort:
Für das Ausrüsten von Sondermaschinen, einschließlich der Errichtung der elektrischen Komponenten an/in der Maschine (ab Netzanschluss) ist in erster Linie DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [1] zutreffend. Dagegen fällt die Errichtung bis zur Netzanschlussstelle (betrifft die Gebäudeinstallation) unter die Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100). Bezüglich der Verwendung von Geräten/Betriebsmitteln der Schutzklasse II oder von Geräten/Betriebsmitteln mit gleichwertiger Isolierung gibt es im Abschnitt 6.3.2.2 von DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [1] nur wenige Aussagen, insbesondere fehlen Aussagen zur Verwendung von Schutzleitern. Somit sind die Festlegungen aus Abschnitt 412 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] „Doppelte oder verstärkte Isolierung“ – auf diese Norm wird in DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) auch verwiesen – anwendbar. Im Abschnitt 412.2.3.2 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] ist hierzu Folgendes festgelegt: „Für einen Stromkreis, der Betriebsmittel der Schutzklasse II versorgt, muss ein Schutzleiter in der gesamten Leitungsanlage durchgehend leitend mitgeführt und in jedem Installationsgerät an eine Klemme angeschlossen werden, es sei denn, die Anforderungen nach 412.1.2 sind erfüllt. Anmerkung. Mit dieser Anforderung ist beabsichtigt, das Ersetzen von Schutzklasse-II-Betriebsmitteln durch Schutzklasse-I-Betriebsmittel durch den Benutzer zu berücksichtigen.“ Hinweis. In DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) [1] wird auf IEC 60364-4-41 [3] verwiesen, welche in Deutschland der DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] entspricht. Hinweis. Abschnitt 412.1.2 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] bezieht sich auf die Möglichkeit, den Schutz durch doppelte oder verstärkte Isolierung als alleinige Schutzmaßnahme anzuwenden, was nur zulässig ist, wenn durch wirksame Überwachung ein Ersatz von Betriebsmitteln der Schutzklasse II durch solche der Schutzklasse I verhindert wird. Diese wirksame Überwachung dürfte nur selten gegeben sein. Außerdem dürfen in so geschützten Stromkreisen keine Steckdosen vorhanden sein. Hinweis. Als Schutzleiter gilt nach Abschnitt 826-13-22 von DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200) [4], dass es sich um einen Leiter zum Zwecke der Sicherheit, zum Beispiel zum Schutz gegen elektrischen Schlag, handelt. Zu den konkreten Fragen. Das vom Anfragenden praktizierte „Auflegen“ des, im Kabel/in der Leitung, mitgeführten Schutzleiters entspricht der derzeitigen Vorgehensweise, da die meisten elektrischen Betriebsmittel der Schutzklasse II noch keine isoliert aufgebaute Klemme für einen Schutzleiter aufweisen. Das besagt nicht, dass er beidseitig angeschlossen sein muss. Allerdings muss die Forderung berücksichtigt werden, dass der Schutzleiter in der gesamten elektrischen Leitungsanlage durchgehend leitfähig mitgeführt werden muss. Daraus ergibt sich, dass dieser Leiter (Schutzleiter) am „Ausgangspunkt“ (Ursprung) mit einer Erdungsanlage verbunden sein muss. Üblicherweise wird das mit einer grün-gelb gekennzeichneten Schutzleiterklemme erreicht, welche bei Verteilern der Schutzklasse I üblicherweise über die Hutschiene mit der leitfähigen Montageplatte – die mit einem wirksamen Schutzleiter verbunden ist – Verbindung hat. Entsprechendes ist auch im Abschnitt 411.3.1.1 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [3] festgelegt: „Für jeden Stromkreis muss ein Schutzleiter vorhanden sein, der durch Anschluss an die diesem Stromkreis zugeordnete Erdungsklemme oder Erdungsschiene geerdet ist.“ Somit muss dieser Leiter (Schutzleiter) am Ausgangspunkt mit einer wirksamen Schutzleiteranschlussstelle verbunden werden, um – so wie es in der Anmerkung von Abschnitt 412.2.3.2 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [2] angeführt ist – das Auswechseln von Betriebsmitteln der Schutzklasse II durch ein solches der Schutzklasse I zu ermöglichen. Das bedeutet aber auch, dass mit diesem Schutzleiter die Abschaltbedingung bei einem Körperschluss erfüllt werden kann/muss, so wie im Abschnitt 411.3.2.1 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [3] gefordert: „Eine Schutzvorrichtung muss die Versorgung zu den Außenleitern eines Stromkreises oder eines Betriebsmittels im Falle eines Fehlers vernachlässigbarer Impedanz zwischen dem Außenleiter und einem Körper oder einem Schutzleiter des Stromkreises oder des Betriebsmittels innerhalb der in 411.3.2.2, 411.3.2.3 oder 411.3.2.4 geforderten Abschaltzeit automatisch abschalten.“ Um das Ganze noch abzurunden, sei auch noch die Variante angeführt, dass ein Verteiler der Schutzklasse II dazwischengeschaltet ist. In solchen Fällen müssen, um die durchgängige Leitfähigkeit zu gewährleisten, die Schutzleiter über isoliert aufgebaute Schutzleiterklemmen durch das vorgeschaltete Gehäuse der Schutzklasse II durchgeschleift werden. Fazit. Um die Abschnitte 411.3.2.1 und 412.2.3.2 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [3] zu erfüllen, müssen die Schutzleiter vom Anfang bis zum Ende durchgängig leitfähig und damit auch wirksam für den Fehlerschutz sein. Notfalls über eine isoliert aufgebaute Schutzleiteranschlussstelle in Gehäusen der Schutzklasse II. Autor: W. Hörmann Literatur: [1] DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06 Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen. [2] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag. [3] IEC 60364-4-41:2005 Low-voltage electrical 
installations – Part 4-41: Protection for safety – Protection against electric shock. [4] DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200):2006-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 200: Begriffe. Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.