Zum Hauptinhalt springen 
Inf.- und Kommunikationstechnik

Sommerloch, Teil 2

Schüsselsurfen

17.07.2016

Eine Meinungsumfrage sollte klären, was Frauen und Männer auf der Toilette treiben, abgesehen vom Stuhlgang. Die Antwort könnte Google, Facebook und WhatsApp gefallen.

Das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov fragte zwischen dem 8. und 12. Juli 2016 1.035 Personen, womit sie sich auf der Toilette beschäftigen. Die befragte Altersgruppe zwischen 18 bis 29 Jahren antwortete: Surfen (61 Prozent) und SMS oder Nachrichten schreiben (44 Prozent). Menschen ab 30 wurden auch gefragt. Bezieht man ihre Antworten ein, sinkt die Zahl der Schüsselsurfer auf 28 Prozent, der Nachrichten- und SMS-Schreiber auf 19 Prozent. YouGov arbeitet überwiegend mit Online-Umfragen. Die Meinungsforscher befragten also eine internetaffine Zielgruppe und erhielten internetaffine Antworten. Sehr kluge Strategie. Institut für falsche Prognosen Richtig ulkig wird es, wenn man sich an die jüngste Pleite von YouGov erinnert. Als in der Nacht des 23. Juni die Auszählung des Brexit-Referendums auf Hochtouren lief, schickte YouGov ein exklusives Umfrageergebnis in die Welt: 52 Prozent der Briten hätten für den Verbleib in der EU und nur 48 Prozent für den Austritt votiert. Nachrichtenagenturen vieler Länder übernahmen diese Meldung. Nach der offiziellen Bekanntgabe des richtigen Ergebnisses – 52 Prozent für Brexit, 48 Prozent für Remain – war YouGov bis auf die Knochen blamiert. Nicht zum ersten Mal. Beim Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands 2014 sagte YouGov eine Trennung Schottlands und Großbritanniens voraus. Ein Jahr später erklärte YouGov, nach ihren Umfragen würde David Cameron bei der Parlamentswahl scheitern. Cameron gewann die Wahl mit absoluter Mehrheit. Insofern spricht die Qualität der YouGov-Umfragen eher für das Gegenteil dessen, was die Firma behauptet. Es ist durchaus möglich, dass die Mehrheit der Menschen auf der Toilettenschüssel weder surft noch mailt, sondern schlicht und einfach ihr Geschäft erledigt. In Verbindung stehende Artikel:
Sommerloch, Teil 1: Die Stromflatrate

Autor
Name: Jürgen Winkler