Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Ressourcen sparen beim Einsatz von Kabeln - Ein Beispiel zum sinnvollen Einsatz mehradriger Leitungen
Um ein hohes Schutzziel zu erreichen, sollten Leitungsanlagen als Ganzes betrachtet werden, schließlich hängen die Brandlast und die Risiken Flamm- ausbreitung und Wärmeentwicklung nicht nur vom Typ, sondern auch von der Anzahl der verlegten Leitungen ab. Darüber hinaus führt der gezielte Einsatz mehradriger Leitungen zu einer geringeren Umweltbelastung.
Eine Verringerung der Risiken Flammausbreitung und Wärmeentwicklung kann auch durch eine Reduzierung der verlegten Leitungen erreicht werden. Zusätzlich kann durch den verringerten Materialeinsatz (nicht nur der Kupferanteil, auch die Isolierung muss berücksichtigt werden) die Umweltbelastung verringert werden, indem der Ressourcen- und Energieverbrauch bei der Herstellung und damit der CO2-Ausstoß gesenkt wird.
Oft werden mehrere verschiedene Wechselstromkreise an gleichen Orten benötigt, wie beispielsweise in Brüstungskanälen oder Steckdosencontainern bei der Büroinstallation. Wenn man diese Stromkreise sinnvoll zusammenfasst, wird für die Übertragung mehrerer Stromkreise nur eine Leitung benötigt und durch Einsparung von Mantel- und Aderisolationsmaterial zugleich die Brandlast verringert.
Wichtig für das Zusammenfassen von Stromkreisen sind das Vorhandensein von Phasenleitern und Neutralleitern mit eindeutiger Kennzeichnung und Zuordnung zueinander je Wechselstromkreis und ein Schutzleiter, welcher unter Beachtung der DIN VDE 0100-540 [1] gemeinsam genutzt werden kann.
Die Verwendungsmöglichkeiten und Einsparungspotentiale werden folgend am Beispiel eines aktuellen Projektes erläutert.
Universitätsklinikum Jena
Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) errichtete eine zentrale Biobank im Laborzentrum am Standort Jena Lobeda. Die kompletten haustechnischen Planungsleistungen wurden von GESA aus Dresden übernommen.
Die Lagerung der Proben erfolgt sowohl in Stickstofftanks als auch in Tiefkühlschränken mit einer Stromaufnahme von jeweils etwa 12 A. Für die Kühlschränke und die anderen technischen Anschlüsse wurden im ersten und zweiten Bauabschnitt je 42 Stück zusätzliche 230-V-Wechselstromkreise benötigt. Dafür musste die elektrische Leitungs- und auch die Verteileranlage umfangreich erweitert werden.
Den Zuschlag für die Ausführung erhielt die regionale Elektrofirma Electronic Stadtroda. Sie hat für das Uniklinikum Jena schon zahlreiche Ertüchtigungen und Erweiterungen der elektrischen Anlagen erfolgreich vorgenommen und ist mit den Örtlichkeiten bestens vertraut.
Schwierige Leitungsverlegung
Die Zuleitungen sollten oberhalb der Brandschutzdecken auf vorhandene Kabeltrassen verlegt werden. Da in den Flurdecken aber auch alle anderen Medien, wie z. B. Stickstoff, Druckluft, Heizung, Sanitär sowie Kälte verlegt und auch die Lüftungsanlage untergebracht werden mussten, herrschten enge Platzverhältnisse vor. Ausgelastete Kabeltrassen, die keine Erweiterung zuließen, verschärften das Problem. Trotz Entflechtung der Kabeltrassenbelegung und der Entfernung nicht benötigter Leitungen konnten die neu zu verlegenden Zuleitungen zu den Kühlschränken nicht untergebracht werden.
Lösungsansatz
Gemeinsam wurde seitens des Auftraggebers, des Planungsbüros und der ausführenden Firma entschieden, die schon länger auf dem Markt befindliche siebenadrige Kunststoffmantelleitung NYM-J 7x2,5 mm2 (Neupha/Z) mit den drei blauen Neutralleitern und drei braunen Phasenleitern (jeweils mit Ziffern 1 bis 3 ausgezeichnet) sowie dem grün/gelben Schutzleiter einzusetzen.

