Skip to main content 
Von Volterion entwickelter 4-kW-Flow-Batterie-Stack mit integrierter Messelektronik (Quelle: Energie Agentur NRW (Frank Wiedemeier))
Energietechnik/-Anwendungen | Regenerative/Alternative Energien | Energiespeicher, Batterieanlagen

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis

Redox-Flow-Batterien

09.03.2022

Im Schatten des Booms der Lithium-Ionen-Batteriespeicher entwickeln sich auch alternative Technologien weiter, unter anderem wird die Energiedichte 
gesteigert und die Produktionskosten werden gesenkt. Dazu gehört auch die 
Redox-Flow-Technologie.

Seiten

Einem Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik ist es gelungen, die Herstellungskosten deutlich zu reduzieren. Der Beitrag geht auf technologische Grundlagen sowie die Vor- und Nachteile ein und stellt den aktuellen Stand der Entwicklung vor.

Durch die fortschreitende Transformation des Energiesystems zu mehr erneuerbarer Stromerzeugung und steigender Elektrifizierung wächst der Bedarf an dezentralen wie auch netzgekoppelten stationären elektrischen Energiespeichern stetig. Steigende Stromkosten und neue Möglichkeiten zur Mehrfachnutzung von Speichern führen dabei zu mehr und mehr Anwendungsfällen, die den Einsatz auch ökonomisch sinnvoll machen.

Getrieben durch Weiterentwicklungen im Bereich der Mobilitätsanwendungen haben sich Lithium-Ionen-Batterien zur wichtigsten kommerziellen Batterietechnologie für stationäre Energiespeicher entwickelt. Die Hauptnachteile sind jedoch die nach wie vor hohen Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde, die mangelnde Feuersicherheit und eine nur begrenzte Zyklenfestigkeit.

Redox-Flow-Technologie

Eine mögliche alternative Speichertechnologie in immer mehr Anwendungsbereichen sind Redox-Flow-Batterien. Diese ermöglichen die Speicherung elektrischer Energie in chemischer Form in Flüssigkeiten.

Eine Flow-Batterie besteht aus einem Stack, dem elektrochemischen Energiewandler, welcher von zwei voneinander getrennten Flüssigkeiten (Elektrolyten) durchströmt wird. Durch Anlegen einer Spannung können die Flüssigkeiten geladen werden. Die geladenen Flüssigkeiten werden durch Pumpen aus dem Stack heraus gefördert und in Tanks gelagert. Beim Laden steigt das elektrochemische Potential zwischen positivem und negativem Elektrolyten. Durch Anlegen einer Last an den Stack können die so geladenen Elektrolyten ebenso wieder entladen werden.

Elektrolyte und Entwicklung

Als Elektrolyte können unterschiedliche Materialien von verschiedenen gelösten Metallionen bis hin zu organischen Molekülen verwendet werden. Am verbreitetsten ist Vanadium als aktive Komponente. Vielversprechende Neuentwicklungen von organischen Elektrolyten versprechen für die Zukunft weitere Anwendungen und größere Auswahl bei der Auslegung von Flow-Batterien.

Der größte Vorteil von Vanadium ist, dass dieses sowohl als positiver als auch als negativer Elektrolyt verwendet werden und somit selbst beim Vermischen der beiden Flüssigkeiten kein Schaden an der Batterie entstehen kann. Vanadium-Elektrolyten gelten daher als langlebigste Variante von Flow-Batterien.

Flow-Batterien eignen sich im Allgemeinen hervorragend für unterschiedlichste Speicherkapazitäten – von einigen kWh für kurze Zeiten bis mehreren MWh mit langer Entladungsdauer. Sie haben geringe zusätzliche Kosten für größere Kapazitäten, da nur größere Tanks und mehr Elektrolyt benötigt werden.

Die Kapazitätsabnahme ist mit weniger als 1 % pro 1 000 Zyklen extrem gering.

Schließlich sind die verwendeten wässrigen Elektrolyte nicht entflammbar, wodurch Befürchtungen wie bei Li-Ionen zur Benutzung in feuerkritischen Umgebungen wie Wohnungen, Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen nicht auftreten. Flow-Batterien können in einem weiten Temperaturbereich von 0 bis 40 °C eingesetzt werden. Dies führt zu erheblichen Vorteilen für Vanadium-Redox-Flow-Batterien (VRFBs) in den meisten Energiespeichermärkten.

Die Nichtentflammbarkeit folgt aus der Zusammensetzung des Elektrolyten mit 
ca. 5 – 10 % aktiver Komponente, 10 – 20 % Leitfähigkeitszusatz wie beispielweise Schwefelsäure und einem hohen Gehalt von einfachem Wasser von 70 – 80 %. Dies bedingt jedoch eine im Vergleich mit anderen Batterietechnologien geringere Energiedichte des Vanadium-Elektrolyten von etwa 20 kWh/m3 und damit eine Beschränkung der Einsatzfähigkeit der Technologie auf stationäre Anwendungen, in denen hohe Energiedichten nicht im Vordergrund stehen.


Seiten