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Bild: Erick/stock.adobe.com
Arbeits- und Gesundheitsschutz

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Pflicht zur Ausstattung mit einem Feuerlöscher

22.02.2022

Sollte in Hochspannungsanlagen auf Feuerlöscher verzichtet werden?

Frage:
Gibt es eine Pflicht, in einer MS-Übergabestation Feuerlöscher zur Verfügung zu stellen? Mit einem Feuerlöscher gegen Entstehungsbrände muss man sehr nahe an den Brandherd herantreten, um den Brand löschen zu können, was in Hochspannungsanlagen zu einer Gefährdung für den Menschen führt. Warum sieht man in Umspannstationen überhaupt Feuerlöscher vor? Sollte man nicht besser darauf verzichten?

Antwort:
Zunächst muss geklärt werden, welche Rechtsgrundlage für „Übergabestationen“ gilt, um notwendige Ableitungen hinsichtlich der zur Verfügung zu stellenden Löscheinrichtungen zu treffen. So definiert die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) [1] Arbeitsstätten als
  1. Orte in Gebäuden oder im Freien, die sich auf dem Gelände eines Betriebes oder einer Baustelle befinden und die zur Nutzung für Arbeitsplätze vorgesehen sind,
  2. andere Orte in Gebäuden oder im Freien, die sich auf dem Gelände eines Betriebes oder einer Baustelle befinden und zu denen Beschäftigte im Rahmen ihrer Arbeit Zugang haben.
Zu dem „Gelände eines Betriebes“ gehört jeder Betriebsteil, auf den der Arbeitgeber ein Verfügungs- und/oder Nutzungsrecht ausübt (LASI-Veröffentlichung LV 40, Abschnitt C) [2]. Erstes Fazit. Insofern wäre für Übergabestationen die Arbeitsstättenverordnung § 3a [1] in Verbindung mit den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ [3] anzuwenden und die Übergabestationen wären mit der berechneten Zahl geeigneter Feuerlöscheinrichtungen auszustatten. Zusätzliche Anforderungen. Zusätzlich sind die Anforderungen des Sachversicherers (siehe Prüfrichtlinie nach Klausel SK 3602 „Elektrische Anlagen“) und auch die Technischen Anschlussbedingungen maßgeblich, aus denen weitere Forderungen hinsichtlich des Brandschutzes hervorgehen. Hochspannungsanlagen. Im Bereich von Hochspannungsanlagen haben nur Personen Zutritt, die über die elektrischen Gefährdungen mindestens elektrotechnisch unterwiesen worden sind. Wird durch Arbeiten in der Station ein Brand ausgelöst, z. B. durch Heißarbeiten, so kann dieser in der Entstehung mit der zur Verfügung stehenden Feuerlöscheinrichtung zu bekämpfen versucht werden. Dies wird von Personen durchgeführt, die in der Lage sind, den Abstand zu unter Spannung stehenden Teilen zu beurteilen und entsprechend zu wahren! Der Schutzabstand ist gemäß der Spannungsebene der Tabelle 3, DGUV Vorschrift 3 [4] zu entnehmen. Bei der Brandbekämpfung steht in jedem Fall der Eigenschutz und die Einleitung der Rettungskette im Vordergrund, wenn die Feuerlöscheinrichtung zur Bekämpfung eines Entstehungsbrandes nicht ausreicht. Der Verzicht auf Feuerlöscher ist aus den oben genannten gesetzlichen Gründen nicht zu empfehlen. Er soll die Brandbekämpfung bei Entstehungsbränden ermöglichen, die sehr oft in Verbindung mit Montagearbeiten (Heißarbeiten) auftreten. Autor: S. Boesen Literatur: [1] Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV) vom 12. August 2004 (BGBl. I S. 2179), zuletzt geändert durch Art. 5 Abs. 1 V v. 18.10.2017 I 3584. [2] LASI–Veröffentlichung – LV 40Leitlinien zur Arbeitsstättenverordnung; Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI), März 2009. [3] ASR A2.2, Maßnahmen gegen Brände, Technische Regeln für Arbeitsstätten, Mai 2018. [4] DGUV Vorschrift 3 DA Durchführungsanweisungen Elektrische Anlagen und Betriebsmittel vom April 1997, aktualisierte Nachdruckfassung Januar 2005. Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.