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Tabelle 1: Gegenüberstellung der Anforderungen an die Notwendigkeit einer Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung (AFDD) der DIN VDE 0100-420 Ausgabe 02-2016 und 10-2019
Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis

Klarheit für den Einsatz 
von AFDDs

24.02.2022

In der Ausgabe vom Februar 2016 wurden erstmals zusätzliche Anforderungen zur automatischen Abschaltung bei gefährlichen Lichtbögen mit Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs), auch umgangssprachlich „Brandschutzschalter“ genannt, aufgenommen. „Des einen Freud, des anderen Last“. Geschäftstüchtige Vertriebler sprachen von einer Nachrüstpflicht, während das Thema bei Planern und Errichtern heftig diskutiert wurde und bei Kunden aufgrund der höheren Kosten auf Ablehnung stieß. Die neue DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) 
soll nun alle Unklarheiten beseitigen.

Kaum ein anderes Thema polarisierte die elektrotechnische Fachwelt in den vergangenen Monaten mehr als diese Norm. Im Ergebnis waren viele verunsichert, während sich die Diskussionen um die Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen oft jeglicher sachlichen und fachlichen Grundlage entledigten. Im Fachbeitrag „AFDDs sollen Brandschutzlücke schließen – Neuer Normenentwurf könnte Klarheit bringen“ in ep 03/19 [1] wurden die Grundlagen des Normenentwurfs erläutert. Im Rahmen dieses Fachbeitrags wird nun auf die normativen Anforderungen der im Oktober veröffentlichten neuen DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2019-10 [2] eingegangen.

Gültigkeit und Grundnorm

Die neue DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2019-10 [2] ist am 01. Oktober 2019 verbindlich in Kraft getreten. Sie löst die bisher gültigen Normen DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2016-02 [3] sowie der DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) Berichtigung 1:2018-02 [4] mit einer Übergangsfrist bis zum 30.09.2021 ab. Als Grundnorm der 0100er-Gruppe sind in Teil 420 die Anforderungen an den Schutz gegen thermische Auswirkungen in elektrischen Anlagen bis AC 1 kV und DC 1,5 kV festgelegt. Sie enthält Maßnahmen zum Schutz von Personen, Nutztieren und Sachwerten
  • gegen thermische Einflüsse, Verbrennung oder Zersetzung von Materialien sowie Brandgefahr, ausgehend von elektrischen Betriebsmitteln;
  • im Brandfall gegen die Verbreitung von Flammen und Rauch von elektrischen 
Anlagen in benachbarte Brandabschnitte;
  • sowie gegen die Beeinträchtigung der sicheren Funktion elektrischer Einrichtungen einschließlich der für Sicherheitszwecke.

Kür oder Pflicht

Tabelle 1 stellt die Anforderungen an die Verwendung von Störlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD, Arc Fault Detection Device) hinsichtlich der Raumnutzungen gemäß Abschnitt 421.7 von DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2] dar. Gegenüber der Vorgängerausgabe [3] wurde in DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2] neben den üblichen Aktualisierungen von relevanten Verweisen der Abschnitt 421.7 zum Schutz vor den Auswirkungen von Fehlerlichtbögen überarbeitet. Im Abschnitt 421.7 von DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) [2] sind besondere Maßnahmen zum Schutz gegen die Auswirkungen von Fehlerlichtbögen in Endstromkreisen nun als präventive Maßnahme empfohlen für:
  • Räume mit Schlafgelegenheiten;
  • Räume oder Orte mit besonderem Brandrisiko – feuergefährdete Betriebsstätten;
  • bauliche Anlagen, deren Nutzung durch Umgang mit oder Lagerung von Stoffen mit Explosions- oder erhöhter Brandgefahr verbunden ist;
  • Räume oder Orte mit Gefährdungen für unersetzbare Güter.
Die Anforderungen an
  • „Schlaf- oder Aufenthaltsräumen von Heimen oder Tageseinrichtungen für Kinder, behinderte oder alte Menschen [...]“ sowie
  • „Schlaf- oder Aufenthaltsräumen von barrierefreien Wohnungen nach DIN 18040-2“
sind komplett gestrichen worden. Im Vergleich. Im Vergleich hierzu waren entsprechend der früheren Ausgabe der DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2016-02 [3] Abschnitt 421.7 „Besondere Maßnahmen zum Schutz gegen die Auswirkungen von Lichtbögen in Endstromkreisen“ Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs) verbindlich. Lediglich für Räume mit Schlafgelegenheiten und Räume oder Orte mit Feuer verbreitenden Strukturen sprach die alte Norm eine Empfehlung für einphasige Wechselstromkreise mit einem Bemessungsstrom bis 16 A aus.

Vorkehrungen zum Schutz 
vor Entzündung

Die Maßnahme zur Risikoreduzierung durch eine Entzündung von Materialien erfolgt nach dem Prinzip der Einhausung oder des Abstandes. Können nach DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2019-10 [2] Abschnitt 421.3 im bestimmungsgemäßen Betrieb Lichtbögen oder Funken aus fest angebrachten Betriebsmitteln austreten, sind diese entweder durch lichtbogenbeständige Werk- und Baustoffe einzuschließen oder gegenüber einem entzündbaren Material abzutrennen oder so zu errichten, dass eine sichere Löschung von Lichtbögen und Funken in einem ausreichenden Abstand vom Material möglich ist, ohne das schädigende Einwirkungen entstehen. Damit stellen diese Prinzipien normativ geforderte reaktive Maßnahme zur Verhinderung einer Entzündung und einer Brandfortleitung durch Materialien und Teile der elektrischen Anlagen dar. Autor: M. FengelLiteratur: [1] Fengel, M.: AFDDs sollen Brandschutzlücke schließen – Neuer Normenentwurf könnte Klarheit bringen; Elektropraktiker 73 (2019) 3; 
S. 194–198. [2] DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2019-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-42: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen. [3] DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2016-02 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-42: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen. [4] DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420) Berichtigung 1:2018-02 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-42: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen. Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Bilder

AFDD/MCB 5SV6 in einer Teilungseinheit (Bild: Siemens)