Jubiläum
Interview zum runden Jahrestag
Seit 40 Jahren begleitet Janitza die Entwicklung moderner Energieversorgung. Heute verändern Digitalisierung, Elektrifizierung und volatile Stromnetze die Anforderungen an Transparenz, Verfügbarkeit und Power Quality grundlegend. Alexander Veidt (CEO bei Janitza) erklärt im Interview, welche Herausforderungen daraus entstehen und wie sich Janitza für die Energieinfrastruktur der Zukunft aufstellt.
Herr Veidt, die globale elektrische Infrastruktur wird zunehmend komplexer, dynamischer und datengetriebener. Welche Entwicklungen treiben diesen Wandel am stärksten an?
Alexander Veidt: Ich sehe drei Entwicklungen. Da ist zum einen die massive Elektrifizierung in Industrie, Gebäude, Mobilität und Wärmeversorgung. Zweitens die zunehmende Dezentralität und Volatilität durch die erneuerbaren Energien mit Speichern und flexiblen Verbrauchern. Drittens der steigende Bedarf an Transparenz, weil Energie heute nicht nur eine Kostenposition ist, sondern ein strategischer Produktionsfaktor. Das alles führt zu einem grundsätzlichen Shift: Früher haben wir Energie verbraucht, heute managen wir sie. Wir müssen wissen, woher Energie kommt, wann sie verfügbar ist und wie wir sie steuern, speichern oder zurückführen. Das ist ein großer Unterschied, das komplette Energie-Ökosystem hat sich verändert.
Sehen Sie diese Herausforderungen vor allem in Deutschland und Europa, wo die Energiewende derzeit tiefgreifende Veränderungen der Energieinfrastruktur auslöst?
Alexander Veidt: Natürlich lassen sich die Herausforderungen in Europa klar erkennen, weil die Veränderungen hier öffentlich stark diskutiert werden, etwa durch Gesetzgebung, regulatorische Vorgaben und die gesellschaftliche Debatte rund um die Energiewende. Wir treiben aber die Internationalisierung für Janitza weltweit voran und sehen: Die Treiber für diese Veränderungen unterscheiden sich je nach Region und die Herausforderungen sind unterschiedlich. Es gibt aber keine Region, die davon ausgenommen ist.
Die Elektrifizierung bringt die Stromnetze vielerorts an ihre Grenzen. Geht es am Ende vor allem um die Frage, ob genug Energie vorhanden ist?
Alexander Veidt: Das ist auf jeden Fall eine zentrale Frage. Zum Beispiel kommt es nicht von ungefähr, dass ein großer OEM (Original Equipment Manufacturer) kürzlich ein stillgelegtes Atomkraftwerk gekauft hat. Das spricht Bände. Oder dass Sam Altman in Oklo investiert hat, ein Startup für kompakte Mikroreaktoren. Genauso entscheidend ist jedoch auch die Frage nach der Qualität der Energie. Das weiß nicht nur Janitza. Aber wir beschäftigen uns seit 40 Jahren mit dem Thema Power Quality und stellen fest, dass die Spannungsqualität schlechter wird.
Von welchen Phänomenen sprechen wir in diesem Zusammenhang?
Alexander Veidt: Da ist zum einen die Netzfrequenz. Klassische Kraftwerke erzeugen durch rotierende Massen ein physikalisch träges und stabiles Netz. Viele erneuerbare Energiequellen speisen ihre Leistung heute über Leistungselektronik und Umrichter ins Netz ein. Dadurch verändert sich das Verhalten der Netze im Vergleich zu klassischen rotierenden Großkraftwerken. Außerdem gerät die Stabilität der Wirkleistung zunehmend unter Druck. Das ist selbst in Volkswirtschaften wie den USA ein großes Problem. Auch sehen wir vielerorts Engpässe bei der Netzinfrastruktur, etwa durch unzureichend dimensionierte Leitungen und Betriebsmittel, was die Verfügbarkeit zusätzlich beeinflussen kann.
Wie verschärfen in diesem Zusammenhang KI-Rechenzentren die Lage?
Alexander Veidt: Letztlich sind Rechenzentren große Verbraucher. Sie wachsen seit Jahren massiv. Gerade hier geht es zunächst um die Frage, ob genügend Energie vorhanden ist. Die neue Frage lautet aber bei KI-Rechenzentren vor allem: Haben wir die richtige Qualität der Energie zur richtigen Zeit am richtigen Ort und können wir sie zuverlässig steuern? Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass Rechenzentren auch auf die Energienetze zurückwirken. Wenn beispielsweise KI-Modelle trainiert werden oder kurzfristig hohe Leistungsanforderungen entstehen, kann die Leistungsaufnahme innerhalb kürzester Zeit stark ansteigen oder wieder abfallen. Diese Lastsprünge wirken sich unmittelbar auf das Stromnetz aus.
Janitza entwickelt jetzt seit 40 Jahren Lösungen für seine Kunden. Wie entwickelt Janitza seine Produkte für diese neuen Anforderungen weiter?
Alexander Veidt: Wir haben mit dem Spannungsqualitätsanalysator UMG 512-PRO eine umfassende Lösung, die auf dem Markt stark positioniert ist. Außerdem steht die nächste Generation unserer Messgeräte in den Startlöchern, die genau den Phänomenen begegnet, über die wir gerade gesprochen haben. Unser Portfolio deckt dabei alle Netzebenen ab. Wir haben für jede dieser Ebenen eine Gerätefamilie, die in der Lage ist, diese Phänomene zu erfassen, zu verarbeiten und die mit den spezifischen Charakteristika dieser Netzebenen klarkommt.
Wir haben viel über KI im Rechenzentrum gesprochen. Welche Bedeutung wird KI im Portfolio von Janitza in den nächsten Jahren bekommen?
Alexander Veidt: KI wird eine große Rolle spielen. Unser Vorteil ist ja: Die Janitza Lösungen generieren Daten, und Daten sind die Voraussetzung für das Training von KI-Modellen. KI kann in der Folge die großen Datenmengen fürs Steuern, Regeln und Automatisieren nutzen. Wir arbeiten bereits an konkreten KI-Anwendungen – etwa in GridVis oder bei Planungswerkzeugen für elektrische Infrastruktur. Das alles ist schon recht konkret.
Können Unternehmen heute noch ihre Energie managen und regeln ohne den Einsatz von KI und entsprechend granularen Daten?



