Fraunhofer-Studie zur Finanzierung der Energiewende
In der neu veröffentlichten Studie "Geschäftsmodell Energiewende" des Fraunhofer IWES in Kassel zeigen die Wissenschaftler, dass Investitionen in die Energiewende durchaus rentabel sind und wie sie bis 2050 finanziert werden könnten.
In der neu veröffentlichten Studie "Geschäftsmodell Energiewende" des Fraunhofer IWES in Kassel zeigen die Wissenschaftler, dass Investitionen in die Energiewende durchaus rentabel sind und wie sie bis 2050 finanziert werden könnten.
Grundidee ist es, den kapitalkostenintensiven Investitionen in die notwendigen neuen Technologien die Einsparungen gegenüber zu stellen, die durch den Rückbau der betriebskostenintensiven Technologien im Bereich der fossilen Brennstoffe erzielt werden. Denn damit sind sinkende Ausgaben für Primärenergie und deren Importe verbunden.
Die Experten gehen davon aus, dass die Investitionen in die Infrastruktur der erneuerbaren Energien so gesteuert werden können, dass die Kosten für die fossile Primärenergie von derzeit 83 Milliarden Euro pro Jahr über einen Zeitraum von 40 Jahren praktisch auf Null abgesenkt werden können. Nach ihren Berechnungen wird auf diesem Weg in 15-20 Jahren der Punkt erreicht, an dem die Ausbaukosten für die erneuerbaren Energien und die Beschaffungskosten für die fossile Energie zusammen genommen die heutigen Primärenergiekosten unterschreiten.
"Nach Erreichung dieses Break-Even werden die Energiekosten kontinuierlich absinken und in rund 30 Jahren, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien weitgehend beendet ist, sind Investitionen hauptsächlich für den Erhalt der neu aufgebauten Infrastruktur (Repowering) notwendig. Diese fallen damit pro Jahr deutlich geringer aus als während der Transformationsphase", prognostiziert der Leiter der Studie, Norman Gerhardt.
Rund 300-380 Milliarden Euro müssten nach seinen Angaben vorfinanziert und in den folgenden Jahrzehnten getilgt werden. Selbst bei einem gleichbleibenden Preisniveau für fossile Energieträger rechnen die IWES-Experten bis 2050 mit einer inflationsbereinigten Verzinsung der Darlehen von 2,3 %. Dieser Betrag könne sogar 4 - 7 % betragen, wenn die Preise für Öl und Erdgas steigen. Dabei sind die Kosten für Treibhausgasemissionen noch nicht berücksichtigt.
Ausgangspunkt der Studie ist ein Vollversorgungsszenario für Strom, Wärme und Verkehr für das Jahr 2050.
Um dieses Szenario umsetzen und die prognostizierten wirtschaftlichen Vorteile erschließen zu können, müssen nach Überzeugung der IWES-Wissenschaftler alle Energiesektoren in den Blick genommen werden: "Im Moment fokussiert sich die Kosten-Nutzen-Diskussion zu stark auf den Stromsektor", erklärt Gerhardt. Hier seien wegen des nach wie vor hohen Einsatzes von Braunkohle und Kernenergie durch den Ausbau erneuerbarer Energien aber kaum Kosteneinsparungen möglich.
Nach seiner Ansicht ist es für die Gegenfinanzierung jetzt wichtig, neue Anwendungen für erneuerbaren Strom in den Sektoren Wärme und Verkehr sowie die Energieeffizienz intensiv voranzutreiben.
Zum einen müssten die Potenziale in der Elektromobilität sowohl im Personenverkehr, als auch im Schwerlastverkehr, wie z.B. durch Oberleitungs-LKWs, ausgeschöpft werden. Wärmepumpen sollten den Niedertemperaturbedarf zu ca. 75 % abdecken und im Industriebereich sollte die Power-to-Heat-Technologie vermehrt zum Einsatz kommen.
Zum anderen müsste durch Effizienzmaßnahmen der herkömmliche Stromverbrauch um 25 % gesenkt werden sowie im Wärmebereich die Gebäudedämmung und die Installation besserer Heizungsanlagen forciert werden.
Um grobe Fehlinvestitionen zu vermeiden hält Hoffmann einen Masterplan für unerlässlich, der verbindliche Ziele benennt, auf Basis der Energiebilanzen die benötigte Infrastruktur festlegt und eine Finanzierungsstrategie festschreibt.

