Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Errichten eines Schutzraums
Die Statistik für Todesfälle [1] durch Blitzschlag in Deutschland zeigt einen stark abnehmenden Trend, während die Zahl der Verletzten mit Krankenhausaufenthalt konstant bei etwa 100/Jahr bleibt.
Das Risiko RA für den Tod und die Verletzung von Lebewesen durch elektrischen Schlag als Folge von Berührungs- und Schrittspannungen, die von einem Blitzeinschlag verursacht werden, kann nach dieser Norm abgeschätzt werden. Für den beispielhaften Schutzraum ergibt sich das Risiko RA wie folgt, wobei schon die schlechtesten Bedingungen angenommen wurden.
Für folgende Faktoren
ND Häufigkeit von gefährlichen Ereignissen für eine bauliche Anlage
PA Schadenswahrscheinlichkeit für eine bauliche Anlage
LA sich ergebender Verlust
folgt:
RA = ND· PA · LA
Im Mittel ereignet sich alle 9,6 Mio. Jahre eine Verletzung von Lebewesen. Dieses Ergebnis steht nicht im Einklang mit der gefühlten Realität. Es würde bedeuten, dass erst in 9,6 Mio. Jahren ein ähnlicher Fall auftreten würde. Das abgeschätzte Risiko RA = 1,035 · 10-7/Jahr ist kleiner als das tolerierbare Risiko, RT = 10-5/Jahr. Deshalb sind formal nach DIN EN 62305-2 keine Schutzmaßnahmen erforderlich. Im Schadensfall von Waldeck 2012 ist der Schutzraum wegen nebenstehender Bäume statt mit 3 m mit 9 m zu berücksichtigen und ergibt dann einen Wert von 6,84 · 10-7 bzw. 1,46 Mio. Jahre. Auch in diesem Fall wären keine Schutzmaßnahmen erforderlich gewesen.
Selbst für einen größeren Schutzraum von 20 m x 20 m x 3 m mit einer Zahl von 40 Personen erhält man einen Wert RA < RT.
Autoren:J. Meppelink/M. Mauermann
Literatur:
[1] Statistisches Bundesamt Gesundheitsrisiken. www.gbe-bund.de
[2] DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3):2011-10: Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen.
[3] Andres, N. et al.: Todesfälle durch Naturgefahrenprozesse in der Schweiz von 1946 bis 2015. Wasser Energie Luft, 109. Jahrgang (2017) Heft 2, S. 105, S. 109 ff.
[4] DIN EN 50522 (VDE 0101-2):2011-11:Erdung von Starkstromanlagen mit Nennwechselspannungen über 1 kV.

