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Arbeits- und Gesundheitsschutz

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Einsatz automatisierter externer Defibrillatoren

05.04.2022

Wird der Einsatz bzw. das Vorhandensein von automatisierten externen Defibrillatoren (AED) normativ vorgeschrieben?

Frage:
Gibt es eine Vorschrift, die festlegt, in welchen Bereichen ein automatisierter externer Defibrillator (AED) vorhanden sein muss? Antwort:
Hinsichtlich der Anschaffung von AED gibt es keine Bereiche, in denen diese rechtlich verpflichtend einzusetzen sind. Um den ansteigenden Fällen des „plötzlichen Herztodes“ von Personen frühzeitig begegnen zu können, gibt es auch im Rahmen der betrieblichen Ersten Hilfe Empfehlungen zu den Einsatzbereichen von AED und organisatorische Rahmenbedingungen bei betrieblicher Nutzung. Zunächst hat der Arbeitgeber auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung zu entscheiden, ob ein AED im Betrieb als Mittel zur Ersten Hilfe erforderlich ist (rechtlicher Hintergrund: Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) § 4(5) [1] und ASR A 4.3 [2]). Dabei hat er sich von der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Arbeitsmediziner beraten zu lassen. Folgende Parameter werden dieser Entscheidung zugrunde gelegt:
  • Betriebsgröße;
  • Zahl der Beschäftigten;
  • Altersstruktur der Beschäftigten;
  • Umfang von Kunden- oder Publikumsverkehr;
  • betriebsspezifische Gefahren (z. B. elektrischer Strom);
  • voraussichtliche Eintreffzeit des Rettungsdienstes.
Mit der Anschaffung eines AED unterliegt das Unternehmen der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) [3] und hat als Betreiber eines Medizinprodukts für die sichere und ordnungsgemäße Anwendung zu sorgen. Werden AED im Betrieb eingesetzt, ist die notwendige Qualifizierung der betrieblichen Ersthelfer neben der Gerätewartung und der Unterweisung aller Mitarbeiter ein zentraler Bestandteil der zu beachtenden Rahmenbedingungen. Eine Entscheidungshilfe sowie erforderliche Qualifizierungs- und Organisationsmaßnahmen werden in der DGUV Information 204-010 [4] „Automatische Defibrillatoren im Rahmen der betrieblichen Ersten Hilfe“ ausführlich erläutert. Da es sich bei dem Medizinprodukt zunächst um ein Arbeitsmittel handelt, das im Unternehmen zum Einsatz kommen soll, ist eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen auf deren Basis die notwendigen arbeitsschutzrechtlichen Regelungen wie Unterweisung der Mitarbeiter durchzuführen sind. Autor: S. Boesen Literatur: [1] Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV) vom 12. August 2004 (BGBl. I S. 2179), zuletzt geändert durch Art. 5 Abs. 1 V v. 18.10.2017 I 3584. [2] ASR A4.3 Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe, Technische Regel für Arbeitsstätten, Ausgabe: Dezember 2010, (GMBl 2010, S. 1764, zuletzt geändert GMBl 2019, S. 71). [3] Verordnung über das Errichten, Betreiben und Anwenden von Medizinprodukten (Medizinprodukte-Betreiberverordnung – MPBetreibV) vom 21. August 2002 (BGBl. I S.3396), zuletzt geändert durch Art. 9 V v. 29.11.2018 I 2034. [4] DGUV Information 204-010 Automatisierte Defibrillation im Rahmen der betrieblichen Ersten Hilfe, Ausgabe: Januar 2018. Dieser Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.