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Ende des 3D-Fernsehens

Ein totes Pferd kann man nicht reiten – auch nicht in 3D

25.01.2017

Gemunkelt wurde es schon lange, jetzt ist es offiziell: 3D-Fernsehen wird eingestellt. Kein großer Hersteller ist mehr bereit, 3D-fähige TV-Geräte zu produzieren. Auch im Kino sieht es für 3D düster aus – ein Filmregisseur zieht frustriert Bilanz.

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Rückzug der letzten großen Hersteller

Sony und LG erklärten in dieser Woche, bei allen neuen TV-Modellen auf die 3D-Wiedergabe zu verzichten. Zuvor hatte sich bereits Samsung aus dem 3D-Geschäft zurückgezogen.

Mit dem Ausstieg des Trios der Marktführer ist das Ende des 3D-Fernsehens besiegelt. Kleinere Hersteller wie Vizio, Philips, TCL und Sharp sind ebenfalls draußen.

Begründet wird die Vollbremsung mit ökonomischen Zwängen: Zu wenig Verkäufe, zu wenig Umsätze, zu wenig Gewinn.

Die Geschichte des 3D-Fernsehens ist eine Geschichte voller Missverständnisse

Als James Cameron 2009 den 3D-Film „Avatar“ in die Kinos brachte, versprachen sich die TV-Hersteller neue Absatzmärkte. Der enorme Erfolg von "Avatar" sollte die Kunden bewegen, ihre 2D-Fernseher gegen 3D-fähige Geräte auszutauschen.

Doch unter den Käufern sprach sich schnell herum, dass ein einigermaßen passabler 3D-Effekt nur dann zu erleben ist, wenn der Zuschauer wie ein toter Aal stocksteif im exakt vermessenen Winkel und unveränderlichem Abstand zum TV-Gerät saß.

Der Aufwand, der für den 3D-Genuss betrieben werden musste, ähnelte dem Voodoo von HiFi-Freaks, die ihren Stuhl in unverrückbarer Position zwischen die Lautsprecher nageln, um dann doch keinen Unterschied zwischen Remaster-, Gold- und Ramsch-CD zu hören.

Wirklich goutieren ließen sich die 3D-Filme nur mit einer Heimkinoanlage. Die kostete aber Geld, und man brauchte dafür Platz im Wohnzimmer.

Das 3D-Fernsehen wurde zusätzlich durch das Tragen der 3D-Brille erschwert. Kurzsichtige Brillenträger standen vor der Wahl, entweder unscharfe 3D-Fernsehbilder zu erahnen oder ihre eigene Sehhilfe über das 3D-Gestell zu stülpen.

Am Angebot der Blu-ray-Discs lag die Zurückhaltung der Kunden nicht; 3D-Filme für Blu-ray gab es jede Menge. Ab 2010 stieg zunächst auch die Nachfrage nach 3D-fähigen Fernsehgeräten an. 2012 erreichten 3D-Fernseher einen Anteil von 23 Prozent am Verkauf aller TV-Geräte. Danach zeigte die Kurve nur noch nach unten. 2015 fielen die Verkäufe auf 16 Prozent, 2016 sanken sie auf acht Prozent.

Der Anteil 3D-fähiger Blu-ray-Player am Gesamtverkauf aller Blu-ray-Player war ebenfalls rückläufig: 40 Prozent im Jahr 2012, 25 Prozent 2015, 11 Prozent 2016.

Das ist eine klare Abstimmung an der Ladenkasse: 3D-Fernsehen wird von den Kunden nicht angenommen. Es ist ein Fall fürs Technikmuseum. Neben MiniDisc, Betamax, Bildtelefon, Sony CD Kopierschutz und Nintendo Virtual Boy ist noch eine Vitrine frei.


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Autor
Name: Jürgen Winkler