
Ende des 3D-Fernsehens
Ein totes Pferd kann man nicht reiten – auch nicht in 3D
Gemunkelt wurde es schon lange, jetzt ist es offiziell: 3D-Fernsehen wird eingestellt. Kein großer Hersteller ist mehr bereit, 3D-fähige TV-Geräte zu produzieren. Auch im Kino sieht es für 3D düster aus – ein Filmregisseur zieht frustriert Bilanz.
Auch im 3D-Kino riecht's nach Tod
Seit „Avatar“ pumpt die Filmindustrie einen 3D-Film nach dem anderen in die Kinos. Viele Filme blockieren mit ihren 3D-Versionen die Säle zu den besten Kinozeiten; die 2D-Ausgaben werden auf den Vormittag oder in die Nacht abgeschoben.
So will man das Publikum zum Ticketkauf für 3D-Filme motivieren. Doch im Grunde sind diese Maßnahmen Ausdruck purer Verzweiflung. Wer zu solchen Tricks greifen muss, um seinen Kunden die 3D-Filme aufzuschwatzen, hat die Schlacht längst verloren.
Daran ist die Filmindustrie selbst schuld. Von Ausnahmen wie „Gravity“ abgesehen, beschränkt sich das 3D-Kinoerlebnis auf Pseudo-3D. Die erhöhten Eintrittspreise (3D-Brille + 3D-Zuschlag + Überlängenzuschlag = Mondpreis) sind damit nicht zu rechtfertigen.
Eine annähernd realistisch erscheinende Dreidimensionalität wird in den wenigsten Filmen geboten. Durchs Publikum zischende Sterne oder eine plötzlich ausgestreckte Faust in Richtung Zuschauer sind eher komisch als beeindruckend.
Wie dramatisch der qualitative Verfall des 3D-Kinos ist, beklagte der Regisseur Wim Wenders. Er ist seit Jahren leidenschaftlicher Anhänger der 3D-Filmkunst, sein 3D-Dokumentarfilm "Pina" wurde 2012 für den Oscar nominiert.
Am 25. Januar 2017 ließ er in einem Interview mit dem Tagesspiegel seinen Frust über den Zustand des 3D-Kinos raus. Seine enttäuschte Bilanz bezieht sich auf das Arthouse-Kino, sie lässt sich aber auch auf das blutleere 3D-Hollywood-Kino übertragen:
„Die Technik ist dermaßen ausgebeutet und ausgepowert worden durch all die Mistfilme, die damit produziert wurden, dass Arthouse-Kinos und -Verleiher es inzwischen strikt ablehnen, etwas anderes in 3-D zu zeigen als Animation oder Action. Was einen nicht verwundert bei der effekthascherischen Weise, in dem diese Bildersprache bislang eingesetzt wurde.
Das Fernsehen hat sich zurückgezogen, es gibt keinen Sender mehr in Europa, der 3D zeigt. Die Industrie hat sich ebenfalls abgewendet, weil wegen des Mangels an Content auch keine 3D-Fernsehgeräte mehr gekauft werden. Dadurch will auch das Publikum 3D nicht mehr, zumindest nicht in einem Film, der etwas Ernsthaftes erzählt. Ich habe mein Bestes gegeben als Rufer in der Wüste, aber außer dem Meisterwerk von James Cameron, ‚Avatar‘, ist wenig passiert. Scorsese drehte ‚Hugo Cabret‘, Ang Lee ‚Life of Pi‘, das war’s schon.“
Weiter geht's mit OLED HDR 4k Curved Screen
Der Markt frisst wieder mal seine eigenen Innovationen. Doch für Nachschub ist gesorgt. Das nächste große Ding ist OLED-TV in HDR mit Curved Screen. Mindestens in 4k. Dann sieht man endlich den Pickel auf der Nase des Nachrichtensprechers in seiner ganzen porenglänzenden Prächtigkeit.
