Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Blitzschutz einer Photovoltaikanlage
Wie genau erfolgt die Erdung bzw. der Blitz- und Überspannungsschutz einer PV-Anlage?
Frage:
Auf unserem Flachdach gibt es eine Photovoltaikanlage, die mehrere Näherungen zur Blitzschutzanlage aufweist. Nun wurden der PV-Generator im Bereich der Näherungen direkt mit dem Blitzschutz verbunden und der Generator an einen Potentialausgleich 16 mm2 (PA vom Keller) angeschlossen, zusätzlich eine Überspannungsbox (DC-Kombiableiter) aus Kunststoff im Bereich des Gebäudeeintritts im Freien montiert und die Strings dort angeschlossen. Jetzt ist es aber so, dass auch die Überspannungsableiterbox eine Näherung zum Blitzschutz aufweist. Muss hier eine Verbindung zwischen dem Schutzleiter (16 mm2), der an den Überspannungsableitern angeschlossen ist, und dem Blitzschutzdraht im Bereich der Näherung hergestellt werden?
Antwort:
Normativ sind hier die Vorgaben der aktuellen DIN VDE 0100-443 (VDE 0100-443) [1] und DIN VDE 0100-534 (VDE 0100-534) [2], die aktuelle DIN VDE 0100-712 (VDE 0100-712) [3] und das Beiblatt 5 von DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3) [4] einschlägig.
Zur konkreten Fragestellung. Wenn der notwendige Trennungsabstand zwischen Bauteilen bzw. Einrichtungen des äußeren Blitzschutzes nicht eingehalten wird, ist entsprechend den Bildern 1, 2 und 3 sowie der Tabelle 1 zu verfahren (siehe auch [5]).
Der eigentliche Sachverhalt (Trennungsabstand nicht eingehalten) wird im Bild 2 dargestellt, bezüglich der Umsetzung der Überspannungsschutzmaßnahmen wird auf die Umsetzung in Bild 1 und auf das Bild 10 von DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3 Beiblatt 5) [4] verwiesen.
In der Tabelle 1 werden die beiden in der Praxis relevanten Anwendungsfälle zur Realisierung der SPD-Anordnung (SPD, surge protective device) erläutert.
Hinweis. SPDs für die AC-Seite müssen DIN EN 61643-11 (VDE 0675-6-11) [6] entsprechen. SPDs für die DC-Seite müssen DIN EN 61643-31 (VDE 0675-6-31) [7] entsprechen.
Anmerkung. Zur Umsetzung der SPD Nr.1 aus Bild 3 bzw. Tabelle 1 sei folgendes angemerkt (Auszug aus DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3 Beiblatt 5 Abschnitt 5.4 [4]): „Wenn ein Blitzschutz-Potentialausgleich mit dem inneren System eingerichtet wird, kann ein Teil des Blitzstromes in solche Systeme hineinfließen, und dieser Effekt ist zu berücksichtigen.
Verbindungsmaßnahmen können sein:
Potentialausgleichsleitungen, wenn ein elektrischer Durchgang nicht durch die natürlichen Verbindungen erreicht wird;
Überspannungsschutzgeräte, wenn direkte Verbindungen mit Potentialausgleichsleitern nicht möglich sind.
Beträgt der Abstand zwischen SPD und dem zu schützendem Wechselrichter mehr als 10 m, dann werden zusätzliche Überspannungsschutzgeräte in der Nähe des zu schützenden Wechselrichters eingebaut.“
In diesem Fall, wenn also der Trennungsabstand nicht eingehalten ist und der Abstand von 10 m des SPD Nr. 4 aus Bild 3 bzw. Tabelle 1 zum Wechselrichter überschritten wird, ist die Anordnung des SPD Nr. 1 aus Bild 3 bzw. Tabelle 1 notwendig.
Autor: F. Ziegler
Literatur
[1] DIN VDE 0100-443 (VDE 0100-443):2016-10 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 4-44: Schutzmaßnahmen Schutz bei Störspannungen und elektromagnetischen Störgrößen Abschnitt 443: Schutz bei transienten Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse oder von Schaltvorgängen.
[2] DIN VDE 0100-534 (VDE 0100-534):2016-10 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 5-53: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel Trennen, Schalten und Steuern Abschnitt 534: Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs).




