281. Geburtstag von James Watt
"Wie heißt der Erfinder der Dampfmaschine?" "Wat?"

Kalauer mit dem Namen Watt sind in Deutschland sehr beliebt: "Ihr da Ohm macht doch Watt ihr Volt". Der Erfinder der modernen Dampfmaschine ist bis heute populär – auch bei jenen, die kaum ahnen, dass ihr Auto ohne eine andere Erfindung von Watt nicht lenken würde.

James Watt

James Watt (Gemälde von Henry Howard, ca. 1797)

Shakespeare und Walt Disney

Die Verballhornung von Shakespeares Stück "Was ihr wollt" zu "Watt ihr Volt" ist zwar sinnfrei, hat aber einen großen Vorteil: James Watt bleibt Teil des kollektiven Gedächtnisses. Mit Rudolf Hertz oder Karl Ferdinand Braun wüssten nicht so viele Menschen etwas anzufangen.

Selbst Disney nutzte die Berühmtheit von James Watt. In einem Comic wird Goofy, der treue Begleiter von Micky Maus, von einem Radiosender angerufen. Der Moderator verspricht Goofy 100 Taler, wenn er eine Frage beantwortet: "Wie heißt der Erfinder der Dampfmaschine?"

Goofy kapiert nicht, worum es geht, und fragt verständnislos: "What?" (in der deutschen Ausgabe: "Wat"?) Der Moderator versteht "Watt" – Antwort korrekt, 100 Taler gewonnen.

Kindheit und Ausbildung

James Watt ist nicht nur einer der bekanntesten Erfinder seiner Zeit, er hat auch einen wesentlichen Anteil an der industriellen Revolution. Am 30. Januar 1736 wurde der Schotte in Greenock bei Glasgow als Sohn armer, aber sehr gebildeter Eltern geboren. Er interessierte sich für Mathematik und technische Dinge. Er experimentierte viel in der Werkstatt seines Vaters und begann in London eine inoffizielle Lehre als Mechaniker. Ohne Abschluss blieb ihm nur eine Stelle als Instrumentenmacher (1757-1766) an der Universität Glasgow, wo sich sein Labor rasch zum Treffpunkt für Dozenten und Studenten entwickelte.

Wissenschaftliche Leistungen

1764 erhielt Watt als Universitätsmechaniker den Auftrag, ein Modell der nur schlecht funktionierenden atmosphärischen Dampfmaschine nach Bauart von Thomas Newcomen zu reparieren. Er erkannte schnell, dass das Problem am ungünstigen Wärmehaushalt der Grundkonstruktion lag.

Watt baute die Dampfmaschine so um, dass der Wasserdampf außerhalb des Arbeitszylinders in einem Kondensator abgekühlt wurde. Anstelle des atmosphärischen Drucks benutzte er Dampf, um Druckkraft auf die Zylinderkolben auszuüben. Der Dampf wirkte abwechselnd auf beiden Seiten des Kolbens, was zu einem wesentlich gleichmäßigeren Lauf der Maschine führte. Für diese scheinbar kleine Änderung musste u. a. das kraftübertragende Gestänge vollkommen neu konstruiert werden.

Hierfür erfand er das Watt-Parallelogramm, das in Verbindung mit dem Wattgestänge als Koppelgetriebe noch heute die Grundlage in jedem modernen Kraftwagen in Form der Achsschenkellenkung bildet. 1776 kam der erste Watt’sche Apparat in der Wilkinson-Eisenhütte als Gebläseantrieb zum Einsatz. 1788 erhielt Watt ein Patent auf eine rotierende Maschine. 1788 erfand er den Zentrifugalregulator. Er selbst sah sein Parallelogramm als seine größte Erfindung an.

Unternehmer und Lebensabend

Nach seiner Zeit an der Universität in Glasgow arbeitete er als Ingenieur mit verschiedenen Eisen- und Metallwerken zusammen. In Soho bei Birmingham gründete Watt mit dem Unternehmer Boulton, der ihn finanziell bei seinen Erfindungen unterstütze, 1775 die Dampfmaschinenfabrik Boulton & Watt.

1800 zog sich Watt aus dem Unternehmen zurück und widmete sich weiteren Erfindungen. Die Universität Glasgow verlieh ihm 1806 die Ehrendoktorwürde. James Watt starb 1819 in Heathfield bei Birmingham.

Seine technischen Entwicklungen führten zu einer Dampfmaschine mit wesentlich höherem Wirkungsgrad und vielseitigeren Einsatzmöglichkeiten. Der neue Maschinentyp verdrängte schnell die alten Dampfmaschinen und trug wesentlich zur industriellen Revolution in England bei.

Bis ins 20. Jahrhundert wurde Watts Dampfmaschine fast unverändert genutzt. James Watt regte außerdem die wissenschaftliche Untersuchung von Wärmekraftmaschinen an. Damit gab er einen wichtigen Anstoß zur Herausbildung der modernen Thermodynamik.

Ehrungen

Watt präzisierte den physikalischen Begriff Arbeit und führte die Pferdestärke als Einheit der Leistung ein. Ihm zu Ehren wird die Leistung international in Watt gemessen. Im Jahr 1960 wurde die Maßeinheit Watt in das internationale Einheitensystem aufgenommen.

Die britische Institution of Mechanical Engineers vergibt alle zwei Jahre die James-Watt-Medaille, die als die weltweit renommierteste Auszeichnung auf dem Gebiet des Maschinenbaus gilt.

1935 benannte die Internationale Astronomische Union (IAU) den Mondkrater Watt nach dem schottischen Erfinder.

 

Bild rechts: James Watt in seiner Werkstatt, Zeichnung von Louis Figuier

Bild links: Statue von Boulton, Watt und Murdoch in Birmingham (Bild: Oosoom, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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