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Aus dem Facharchiv: Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Sicherheitsregeln beim Rückbau nicht beachtet

Bei der Demontage einer Trafostation wurden die 5 Sicherheitsregeln missachtet. Es kam zu einem Elektrounfall.

Lichtbogenspuren an der Unfallstelle (Foto: BG ETEM)

Lichtbogenspuren an der Unfallstelle (Foto: BG ETEM)

Arbeitsauftrag: Ein Montageunternehmen hatte im Rahmen der Umstellung eines Mittelspannungsnetzes von 10 kV auf 20 kV vom Netzbetreiber den Folgeauftrag zur kompletten Demontage einer Trafostation erhalten. Die Trafostation bildete nach der Umstellung des ersten Ringnetzes auf 20 kV die Querverbindung zwischen beiden Ringen und konnte nun demontiert werden. Es sollten die Kunden- und ebenso die Netzbetriebsseite der Mittel-/Niederspannungsanlage entfernt werden. Die Umstellung des ersten Ringes war durch das gleiche Montageunternehmen vorgenommen worden. Eine Durchführungserlaubnis (früher Arbeitserlaubnis) wurde zuvor nicht eingeholt, da man – wie bei dem vorangegangenen Arbeitsauftrag – von einer freigeschalteten Anlage ausging. Der Anlagenverantwortliche hatte keine Kenntnis von den Arbeiten.

Unfallhergang: Das Montageteam mit fünf Mitarbeitern und einem Arbeitsverantwortlichen begann also, ohne Kontaktaufnahme mit dem Netzbetrieb mit den Arbeiten. Der Arbeitsverantwortliche ging davon aus, dass – wie bei den vorherigen Arbeiten – mit den oberen Abgängen die Anlage vollständig freigeschaltet war.

Die fünf Sicherheitsregeln wurden nicht durchgeführt. Eine noch in Betrieb befindliche 10-kV-Zuführung von unten wurde daher übersehen. Da für den Arbeitsverantwortlichen die Anlage „gedanklich“ freigeschaltet war, beauftragte er die Monteure, mit den Arbeiten zu beginnen und die Demontage bis zum Abend abzuschließen. Während die anderen Monteure noch mit dem Entladen eines Kranes und weiterer Werkzeuge beschäftigt waren, setzte einer bereits seinen Schraubenschlüssel an einer Sammelschiene an. Dies war dann auch gleich die noch in Betrieb befindliche Zuführung. Es kam zu einem Überschlag mit Körperdurchströmung. Der Monteur konnte die Anlage (Bild) noch allein verlassen und wurde dann sofort von seinen Kollegen versorgt. Diese alarmierten umgehend den Rettungsdienst.

Unfallanalyse: Die volle Verantwortung trug hierbei der Arbeitsverantwortliche, der ohne Durchführungserlaubnis und ohne Einhalten der fünf Sicherheitsregeln die Arbeitsstelle freigab. Damit hat er eindeutig gegen BGV A3 § 6 zu Arbeiten an aktiven Teilen verstoßen: „(1) An unter Spannung stehenden aktiven Teilen elektrischer An lagen und Betriebsmittel darf, abgesehen von den Festlegungen in § 8, nicht gearbeitet werden. (2) Vor Beginn der Arbeiten an aktiven Teilen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel muss der spannungsfreie Zustand hergestellt und für die Dauer der Arbeiten sichergestellt werden.“

Autor: J. Jühling

Dieser Artikel ist unserem Facharchiv entnommen.

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