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Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Für rauch- und feuerfreie Rettungswege

Um Brandrisiken bewerten zu können, bedarf es einiger Grundkenntnisse im Brandschutz. Dazu ist es notwendig, die Grundlagen des baulichen Brandschutzes in Deutschland zu verstehen. Leider werden Nachwuchskräfte im Elektrobereich kaum in der Lehre oder im Arbeitsalltag mit diesen Grundlagen vertraut gemacht. Begriffe wie Rettungswege, Brandabschnitte, Schutzziele, Brandrauch oder 
-ausbreitung sind nur wenig bekannt oder werden fehlinterpretiert.

Brandschutzecke im etz Stuttgart (Quelle: R. Kienle)

Die VDE-Normen werden gern als die „Bibel des Elektrikers“ bezeichnet. Aber kaum ein Seminar-Teilnehmer weiß, dass bei Arbeiten am Bau zuerst die Landesbauordnung zu beachten ist. Was nützen Vorschriften, Verordnungen und Richtlinien den Brandschutz betreffend, wenn die Grundlagen fehlen? Wie sollen die vielfältigen und oft komplexen Brandschutzvorgaben am Bau umgesetzt werden? Dann kommt es, wie es kommen muss, man „wurstelt“ eben wie in der Vergangenheit weiter vor sich hin. Alles in dem guten Glauben, man wird schon alles richtig machen. Da verwundert es nicht, wenn von 24 Meisterschülern nur zwei schon einmal Brandschutzmaßnahmen umzusetzen hatten und die Frage nach dem Verhalten der anderen 22 Schüler auftaucht.

Vorschriften

Wie bereits angesprochen, sollte jeder, der am Bau arbeitet, schon einmal von der Landesbauordnung gehört haben. Diese leitet sich von der Musterbauordnung (MBO) ab. Darin enthalten sind drei wichtige Aussagen zum Brandschutz:

  • „Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.“ [1]
  • „(1) Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden.“ [2]
  • „(3) Die von der obersten Bauaufsichtsbehörde durch öffentliche Bekanntmachung als Technische Baubestimmungen eingeführten technischen Regeln sind zu beachten. Bei der Bekanntmachung kann hinsichtlich ihres Inhalts auf die Fundstelle verwiesen werden. Von den Technischen Baubestimmungen kann abgewichen werden, wenn mit einer anderen Lösung in gleichem Maße die allgemeinen Anforderungen des Absatzes 1 erfüllt werden; § 17 Abs. 3 und § 21 bleiben unberührt.“ [3]

Da nicht sämtliche Bauausführungen über die Landesbauordnung beschrieben werden können, wird dies durch Sonderbauverordnungen oder Richtlinien ergänzt. Für den Elektriker gilt es, die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie MLAR zu beachten. Diese ist nach § 3 Abs. 3 als Technische Baubestimmung zu verstehen.

Darüber hinaus gibt es noch die bereits erwähnten VDE-Normen, die ebenfalls Aussagen zum Brandschutz machen, Empfehlungen aussprechen oder informative Anhänge enthalten. Vielleicht wäre es besser, wenn sich diese Ausschüsse ihrem Kernproblem der Elektroinstallation widmen und keine Aussagen zum Brandschutz treffen würden. Sie stiften oft mehr Verwirrung als notwendig.

Diese Ausschüsse sind mehrheitlich durch die Industrie besetzt. Einige Normen und Empfehlungen erscheinen nur dem Marketing und dem Umsatzwachstum geschuldet zu sein.

Einerseits versucht die Regierung Bauvorschriften zu vereinfachen, um den Anstieg der Baupreise zu verhindern. Andererseits arbeiten Normenausschüsse an der Einführung neuer und an der Erweiterung bestehender Normen. Es bleibt abzuwarten, ob diese gegensätzliche Entwicklung bald gestoppt wird.

Notwendiges Wissen

Wichtig ist zunächst, insbesondere für jeden, der am Bau arbeitet, die Grundlagen des Brandschutzes zu vermitteln. Erst wenn diese verstanden wurden, kann deren Umsetzung erfolgen. Die Schwerpunkte liegen dabei in der Realisierung der Sicherheit von Rettungswegen und des Abschottungsprinzips. Die Erfahrung lehrt, dass allein ein Tag erforderlich ist, um den Teilnehmern das Grundlagenwissen zu vermitteln.

Am Elektro-Technologie-Zentrum (etz) in Stuttgart wird deshalb ein zweitägiger Brandschutzkurs angeboten, der nicht nur die Grundlagen vermittelt, sondern auch mit Fallbeispielen und praktischen Übungen das erlernte Wissen vertieft. Schon seit Jahren ist diese Lehrveranstaltung fester Bestandteil der Meisterausbildung in Stuttgart, Singen und Ulm. Einmalig in Deutschland dürfte jedoch die am etz speziell für Elektriker eingerichtete Brandschutzecke sein, wo auf wenigen Quadratmetern die gesetzeskonforme Ausführung von Installationen gezeigt wird (Bild).

Autor: R. Kienle

Literatur:

[1] § 14 MBO, Generalparagraf des Brandschutzes

[2] § 3 MBO, Allgemeine Anforderungen; Absatz 1

[3] § 3 MBO, Allgemeine Anforderungen; Absatz 3

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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