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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Bereitstellen eines Drehfeldes

Welche Regelungen, Vorschriften und Normen gibt es in Deutschland und Polen bezüglich der Bereitstellung eines Drehfeldes durch den Energieversorger?

Rotierendes Magnetfeld als Summe magnetischer Vektoren von 3-Phasen-Spulen (396K); Autor: Mtodorov_69; Page-URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:3phase-rmf-180f-airopt.gif; File-URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9c/3phase-rmf-180f-airopt.gif; Attribution: User: Mtodorov_69, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Frage:
Was für ein Drehfeld muss ein Energieversorger bereitstellen? Welche Regelungen gibt es in Deutschland und welche Regelungen in Polen?

Antwort:
Aus der Fragestellung des Anfragenden vermute ich, dass es sich darum handelt, ob das Drehfeld am Hausanschluss eines Netzbetreibers in den technischen Regelwerken verbindlich festgelegt ist. In Deutschland gibt es weder in den Technischen Anschlussbedingungen TAB der Netzbetreiber noch in den VDE-Normen und VDE-Anwendungsregeln als „Allgemein Anerkannten Regeln der Technik“ im Sinne des § 49 EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) [1] hierzu konkrete Festlegungen.

Hausanschlüsse gehören zu den Betriebsanlagen eines Netzbetreibers. In den TAB wird festgelegt, dass Hausanschlüsse für Kundenanlagen als Kabelanschlüsse über einen Drehstromanschluss an das öffentliche Niederspannungsnetz angeschlossen werden.

§ 7 NAV (Niederspannungsanschlussverordnung) [2] schreibt vor: „Die Spannung beträgt am Ende des Netzanschlusses bei Drehstrom etwa 400 Volt oder 230 Volt und bei Wechselstrom etwa 230 Volt. Die Frequenz beträgt etwa 50 Hertz.“

In den TAB wird die Aussage zur Spannung konkretisiert: Die Nennspannung beträgt 230/400 V. Die Betriebsspannung an der Übergabestelle liegt im Toleranzbereich nach DIN EN 60038 (VDE 0175-1) [3].

Auch in DIN EN 50160 [4] gibt es keine Aussage über das Drehfeld.

Da es keine gesetzlichen oder normativen Vorgaben zum Drehfeld am Hausanschluss gibt, ist es in der Verantwortung des jeweiligen Netzbetreibers hierfür eine Festlegung zu treffen.

In Deutschland hat sich grundsätzlich als Standard das Rechtsdrehfeld durchgesetzt. Abweichungen sind jedoch besonders in älteren Anlagen möglich. Auf jeden Fall sollte bei der Inbetriebnahme eines neuen Hausanschlusses dies vom Netzbetreiber geprüft werden.

Der Errichter der Kundenanlage hinter dem jeweiligen Hausanschluss muss sich aber auch davon überzeugen. Nach den Errichtungsnormen für Niederspannungsanlagen DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600) [5] muss die Einhaltung der Phasenfolge von mehrphasigen Stromkreisen überprüft werden.

Der Errichter muss entsprechend VDE-AR-N 4100 Anwendungsregel [6] Abschnitt 6 Hauptstromversorgungssystem, Absatz 6.1, Aufbau und Betrieb, das Hauptstromversorgungssystem so anschließen, dass an den Messeinrichtungen ein Rechtsdrehfeld besteht. Dies ist die einzige Festlegung zum Drehfeld in den Regeln der Netzbetreiber.

In DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600) gibt es hierzu in Abschnitt 6.4.3.9, Prüfung der Phasenfolge, noch eine wichtige, klarstellende Anmerkung. Hier heißt es: „Im Falle von mehrphasigen Stromkreisen muss die Einhaltung der Reihenfolge der Phasen geprüft werden. Anmerkung Dies ist erfüllt, wenn ein Rechtsdrehfeld nachgewiesen ist. Außer der geforderten Prüfung des Drehfelds von Drehstrom-Steckdosen ist für andere elektrische Betriebsmittel, z. B. Hausanschlusskasten oder Stromkreisverteiler, im Anwendungsbereich der Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) ein Rechtsdrehfeld für Drehstrom-Stromkreise nicht festgelegt. Das schließt nicht aus, dass der Betreiber einer elektrischen Anlage aus betriebsinternen Gründen Festlegungen trifft, die das Rechtsdrehfeld für Versorgungssysteme und/oder den Anschluss von elektrischen Betriebsmitteln, z. B. für Zähler, vorsieht. Bei Drehstromzählern ist der Rechtsdrehsinn der Zählerscheibe nicht zu verwechseln mit einem gegebenenfalls geforderten Anschluss im Rechtsdrehfeld.“

Darüber, ob es in anderen Ländern abweichende Regelungen oder spezielle Anforderungen gibt, kann hier keine verbindliche Stellungnahme erfolgen.

Autor: T. Haubner

Literatur:

[1] Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung (Energiewirtschaftsgesetz – EnWG) vom 7. Juli 2005 (BGBl. I S. 1970, 3621), zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 13.5.2019 I 706.

[2] Verordnung über Allgemeine Bedingungen für den Netzanschluss und dessen Nutzung für die Elektrizitätsversorgung in Niederspannung (Niederspannungsanschlussverordnung – NAV) vom 1. November 2006 (BGBl. I S. 2477), zuletzt geändert durch Art. 3 V v. 14.3.2019 I 333.

[3] DIN EN 60038 (VDE 0175-1):2012-04 CENELEC-Normspannungen.

[4] DIN EN 50160:2011-02 Merkmale der Spannung in öffentlichen Elektrizitätsversorgungsnetzen.(zurückgezogen und durch DIN EN 50160:2020-11 ersetzt)

[5] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

[6] VDE-AR-N 4100 Anwendungsregel:2019-04 Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Niederspannung).

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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