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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Ausführung von 
Steigleitungen

Wie genau ist die Norm bezüglich des Themas „Verlegung der Zuleitungen vom Zähler zu den Unterverteilungen der Wohnungen“ anzuwenden?

Bild: grigvovan/stock.adobe.com

Frage:
Seit der Veröffentlichung der Norm DIN VDE 0100-444 (VDE 0100-444):2010-10 gibt es Debatten um das Thema „Verlegung der Zuleitungen vom Zähler zu den Unterverteilungen der Wohnungen“. Das heißt, dass die hier herausgegebene Norm von vielen Fachkollegen völlig unterschiedlich ausgelegt worden ist. Würden Sie hier bitte noch einmal belastbare Aussagen treffen und das Thema Fünf-Leiter-Zuleitung erläutern.

Antwort:
Neue Festlegungen.
Fakt ist, dass es, seit 2019-04, die Anwendungsregel VDE-AR-N-4100 [1] gibt.

Mit dieser Anwendungsregel werden eine Vielzahl von Regelwerken ersetzt, u. a. die VDE-AR-N 4101 [2] und VDE-AR-N 4102 [3] und einige Inhalte – insbesondere auch das Thema vier Leiter oder fünf Leiter – der TAB 2007 [4].

Im Abschnitt 8 von VDE-AR-N-4100 [1] „Stromkreisverteiler“ ist die Verbindung Zählerplatz zum Stromkreisverteiler (Wohnungsverteiler) nun eindeutig festgelegt und zwar wie folgt: „Bei den im TN-System angeschlossenen Anschlussnutzeranlagen ist vom Zählerplatz zum Stromkreisverteiler eine Leitung mit drei Außenleitern, Neutralleiter und Schutzleiter in gemeinsamer Umhüllung und bei Wohngebäuden mit einer zulässigen Strombelastbarkeit von mindestens 63 A zu installieren.“

Somit erübrigt sich die Diskussion, ob die DIN VDE 0100-444 (VDE 0100-444) [5] eine Empfehlung ist, ob sie nur für Neuanlagen gilt, usw. Hinweis: Im Abschnitt 5.2.5 von DIN 18015-1 [6] – sofern sie vereinbart war – gab es diese Festlegung nach fünf Leitern schon länger.

An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass es nun auch relativ klare Aussagen zur Hauptleitung gibt. Im Abschnitt 6.3 von VDE-AR-N-4100 [1], Anschluss von Zählerplätzen an das Hauptstromversorgungssystem, ist Folgendes festgelegt: „Im TN-System ist eine Auftrennung des PEN-Leiters in PE- und N-Leiter ab der Einführung in das Gebäude an der Stelle, an der die Verbindung zur Haupterdungsschiene und damit zur Erdungsanlage hergestellt wird, erforderlich. Diese Anforderung gilt als erfüllt bei Anschluss

  • innerhalb eines Gebäudes mit Auftrennung

    • im Hausanschlusskasten oder
    • in einem Hauptleitungsverteiler oder
    • im netzseitigen Anschlussraum des Zählerschrankes

  • außerhalb eines Gebäudes (z. B. in einem Hausanschluss-/Zähleranschlussschrank, einem Hausanschlusskasten in/an der Gebäudeaußenwand oder über einen Dachständeranschluss) mit Auftrennung an der erstmöglichen Stelle im Gebäude.“

Das Ganze wird im Anhang D von VDE-AR-N-4100 [1] durch Bilder untermauert.

Nach wie vor bleibt aber die Bemessung der Querschnitte solcher Leitungen abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, wobei bei der Bemessung des Hauptstromversorgungssystems auf die DIN 18015-1 [6] verwiesen wird, wo unter 5.2.1, „Hauptversorgung und Hauptleitungen“, Folgendes festgelegt ist: „Der Leitungsquerschnitt muss dementsprechend mindestens 10 mm2 Cu betragen.“ Für die Bemessung sind 63 A zugrunde zu legen.

Ich hoffe, dass nun alles klar ist, auch wenn manche Normen etwas eindeutiger sein könnten.

Autor: W. Hörmann

Literatur:

[1] VDE-AR-N 4100 Anwendungsregel:2019-04 Technische Regeln für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz und deren Betrieb (TAR Niederspannung).

[2] VDE-AR-N 4101 Anwendungsregel:2015-09 (zurückgezogen) Anforderungen an Zählerplätze in elektrischen Anlagen im Niederspannungsnetz.

[3] VDE-AR-N 4102 Anwendungsregel:2012-04 (zurückgezogen) Anschlussschränke im Freien am Niederspannungsnetz der allgemeinen Versorgung – Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss von ortsfesten Schalt- und Steuerschränken, Zähleranschlusssäulen, Telekommunikationsanlagen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

[4] Technische Anschlussbedingungen TAB 2007 für den Anschluss an das Niederspannungsnetz Stand: Juli 2007, Ausgabe 2011, (BDEW-Bundesmusterwortlaut), BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

[5] DIN VDE 0100-444 (VDE 0100-444):2010-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-444: Schutzmaßnahmen – Schutz bei Störspannungen und elektromagnetischen Störgrößen.

[6] DIN 18015-1:2013-09 Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 1: Planungsgrundlagen.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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