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Aus dem Facharchiv: Betriebsführung
Angst ist nicht Prävention – Arbeitssicherheit mit Erfolg in der Praxis leben

Zunehmend hört man in den Betrieben den Ruf nach mehr Rechtssicherheit, was die Strukturen und die Organisation der Arbeit anbetrifft.

Angst ist nicht Prävention – Arbeitssicherheit mit Erfolg in der Praxis leben

Prävention – Arbeitssicherheit mit Erfolg in der Praxis leben (Bild: BG ETEM)

Doch in der Praxis ist dies nicht einfach umzusetzen. Auch diskutiert wird, ob Zwangsmaßnahmen hier nötig sind oder der Appell an den gesunden Menschenverstand ausreicht. Der Autor erklärt seine Sichtweise aus langjährigen praktischen Erfahrungen auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit.

„Horrorszenarien“ erzeugen Angst, aber lediglich aus Angst bestimmte Richtlinien einhalten – das erscheint nicht als das geeignete Mittel, um Unfällen vorzubeugen und Risiken auszuschalten.

Mit Präventionsarbeit überzeugen – aber wie

Es ist zwar unumstritten, dass beispielsweise Sanktionen geeignet sind, Menschen zu einem bestimmten Verhalten oder sogar zu anderen Einstellungen zu bewegen. Das zeigt insbesondere das Verhalten der Menschen im Straßenverkehr. In Ländern, in denen Verkehrssünder sehr hart bestraft werden, fahren die Verkehrsteilnehmer häufig disziplinierter.

In der Arbeitswelt aber funktioniert das nicht so einfach. Sie ist sehr viel komplexer und daher ist der Einzelfall, die konkrete Arbeitssituation, sehr schwierig zu bewerten.

Lediglich allein mit dem Androhen oder Verhängen von Strafen können Unfälle nicht vermieden werden.

Die Präventionsarbeit muss sich zudem ständig auf verändernde Risiken in der Arbeitswelt einstellen, was sich vor allem im aktuellen Unfallgeschehen widerspiegelt.

Schwerpunkte des Unfallgeschehens

Betrachtet man die Arbeitsunfälle, ist festzustellen, dass es sich hierbei häufig um Verkehrs- und Wegeunfälle, Unfälle durch Stolpern, Rutschen und Stürzen (SRS) einschließlich der Leiterunfälle (Bild) und Absturzunfälle aus großen Höhen (ep-Tipps) handelt. Maschinen- und Elektrounfälle, Unfälle mit Gefahrstoffen und beim Transport sind demgegenüber stark gesunken. Es handelt sich hier oftmals auch um Einzelereignisse, die sich in dieser Form kaum wiederholen. Einen wichtigen Schwerpunkt in der Prävention bilden ebenfalls Maßnahmen, um arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren und Berufskrankheiten zu verhindern.

Diese Schwerpunkte finden vor allem auch in den Präventionskampagnen der Berufsgenossenschaften ihren Niederschlag, wie beispielsweise:

  • Ein Unfall ändert alles. Du bestimmst das Risiko – Kampagne für junge Berufstätige
  • Denk an mich. Dein Rücken – Kampagne zur Prävention von Rückenbelastungen
  • Risiko raus – Mehr Sicherheit im Straßenverkehr und beim Transport im Betrieb
  • Deine Haut – die wichtigsten zwei Quadratmeter Deines Körpers
  • Kampagne Stolpern, Rutschen Stürzen.

Arbeitssicherheit leben

Arbeitssicherheit nur aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen zu organisieren oder zu betreiben, ist in der Praxis keine Lösung. Das führt stets und zwangsläufig zum „Dienst nach Vorschrift“. Aber das ist genau die Vorgehensweise, die der Arbeitsschutz überhaupt nicht gebrauchen kann.

Unternehmer und Führungskräfte müssen selbst vom Sinn präventiver Arbeitsschutzmaßnahmen überzeugt sein. Beispielsweise der Besuch von Seminaren und von entsprechenden Schulungen kann unterstützen, die geeigneten Wege und Möglichkeiten zu finden, wie mit Sachverstand sichere, aber auch wirtschaftlich günstige Lösungen erzielt werden können.

Der Autor weiß, dass dies in der Praxis sehr viel schwieriger zu erreichen ist, als von vornherein die „juristische Keule“ zu schwingen. Das verlangt vom Unternehmer und seiner Führungskraft nicht nur ein hohes Maß an Erfahrungen, technischen Sachverstand, aber auch psychologische und pädagogische Fähigkeiten. Um sinnvolle Überzeugungsarbeit zu leisten, ist es besonders wichtig, die Unterweisung auf die praktischen Gegebenheiten auszurichten, wie es drei Beispiele (Kasten) verdeutlichen.

Nicht aus Zwang, aus Überzeugung handeln

Auf das Engagement des Unternehmers kommt es an

Arbeits- und Gesundheitsschutz für seine Mitarbeiter als Führungsaufgabe zu gewährleisten, leitet sich für Unternehmer schon aus dem Grundgesetz Artikel 2, Abs. 2 und aus dem Arbeitsschutzgesetz ab. Wie leidenschaftlich der Unternehmer dafür sorgt, dass diese Vorgaben in seinem Unternehmen umgesetzt und mit Leben erfüllt werden, hängt wesentlich von seiner eigenen Überzeugung ab. Überzeugungen werden auch durch Kenntnisse, Sachverstand und praktische Erfahrungen geprägt. Überzeugungen können sehr maßgeblich durch Bildungsmaßnahmen gefördert werden. Das beweist die Praxis.

Delegationsrecht ausüben

Unternehmer haben das Delegationsrecht. Das bedeutet, dass das praktische Umsetzen der Arbeitssicherheit an der Basis durch unterstellte Führungskräfte erfolgt. Wie gut und gewissenhaft das geschieht, ist hauptsächlich auch eine Frage des Engagements des Unternehmers/der Führungskraft. Überzeugungen sind hier ebenfalls nicht zu erzwingen, sondern das bedarf einer Erziehungsarbeit.

Arbeit der Sicherheitsfachkräfte unterstützen

Oftmals kämpfen Sicherheitsfachkräfte mit dem Problem, ihre Unternehmer von der Notwendigkeit einer Bildungsmaßnahme für sich und verantwortliche Führungskräfte zu überzeugen; sie sind zumeist Einzelkämpfer auf diesem Gebiet. Sie mit ihren Aufgaben im „Regen stehen zu lassen“, wäre fatal.

Ein Unfall belastet psychisch

Arbeitssicherheit hat neben der rein rechtlichen ebenfalls eine wirtschaftliche und moralische Seite. Ein Schwerverletzter, ein Unfallopfer mit tödlichem Ausgang – das macht jeden Unternehmer und jede Führungskraft betroffen. Das Gefühl, eine Pflicht verletzt oder nicht alles für das Vermeiden dieses Unfalls getan zu haben, bleibt häufig eine enorme psychische Belastung für den Rest des Lebens.

Firmenkultur auf sicheres Arbeiten ausrichten

Die Arbeitssicherheit wird im Unternehmen ganz wesentlich durch die Firmenphilosophie geprägt. Das beginnt beim Unternehmer und endet beim ganz „normalen“ Mitarbeiter. In den Unternehmen, in denen das gut funktioniert, sind selbst die scheinbar schwer vermeidbaren Unfälle die Ausnahme. Das setzt voraus, dass die Mitarbeiter in die Gestaltung einer sicheren Arbeitsumgebung frühzeitig voll mit einbezogen werden.

Autor: B. Enzenroß

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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