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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Anforderungen an die Aufstellung einer USV

Müssen die Akkus einer USV-Anlage in einem separaten Raum untergebracht werden?

Galaxy VL: Kompakte 3-Phasen-USV für Leistungen bis 500 kW (Bild: Schneider Electric)

Frage:
Zur Bildung unserer Hilfsspannung betreiben wir seit vielen Jahren eine USV-Anlage mit DC 24 V. Die Akkumulatoren stehen in einem gesonderten Batterieraum, die Ladegeräte und Abgangsverteilung im eigentlichen Schaltraum. Wir beabsichtigen nun den Bau einer zweiten USV mit 1 500 Ah. Aus Platzgründen ist es jedoch nicht möglich, die Akkus in einem gesonderten Raum unterzubringen, wir favorisieren daher einen Batterieschrank (mit Absaugung und Durchflussüberwachung) direkt im Schaltraum. Wäre dies laut Regelwerk zulässig, oder müssen die Akkus zwingend in einen gesonderten Raum?

Antwort:
Besondere Anforderungen an Batterieräume findet man vor allem in der behördlichen „Verordnung über den Bau von Betriebsräumen für elektrische Anlagen (EltBauVO)“. Diese Verordnung gilt für die Aufstellung

  1. Transformatoren und Schaltanlagen für Nennspannungen über 1 kV,
  2. ortsfesten Stromerzeugungsaggregaten für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen und
  3. zentralen Batterieanlagen für bauordnungsrechtlich vorgeschriebene sicherheitstechnische Anlagen und Einrichtungen in Gebäuden.

Batterieräume werden in dieser Verordnung also nur betrachtet, wenn es um sogenannte „Zentralbatterieanlagen“ für behördlich geforderte Sicherheitseinrichtungen geht, z. B. Sicherheitsbeleuchtungsanlagen. Eine übliche USV ist somit zunächst nicht von den Anforderungen dieser Verordnung betroffen.

In DIN VDE 0100-731 (VDE 0100-731) [1] werden „abgeschlossene elektrische Betriebsstätten“ beschrieben. Aber auch in diesem Regelwerk wird nicht ausdrücklich gefordert, dass Batterien zwingend in eigene Räume unterzubringen sind.

Allenfalls die Anwendungsregel VDE-AR-E 2510-2 [2] könnte entsprechende Regelungen enthalten. Aber auch dort findet man, z. B. im Abschnitt 5.2 (Anforderungen an den Aufstellungsort von stationären Energiespeichersystemen), keine Anforderung, in jedem Fall einen gesonderten Batterieraum vorzusehen. Im Abschnitt 5.2.4 werden z. B. Anforderungen an Batterieanlagen beschrieben, die in besonderen Schranksystemen untergebracht werden sollen. Hieraus wird deutlich, dass ein separater Batterieraum nicht pauschal gefordert wird.

Das bedeutet natürlich nicht, dass damit jede mögliche Unterbringung gewählt werden kann, besonders wenn es um die Aufstellung und den Betrieb von Lithiumbatterien geht. Bei der Wahl des Aufstellungsortes sind selbstverständlich bestimmte Sicherheitsstandards zu beachten. Sie müssen zwischen Hersteller und Betreiber der USV-Anlage vorab besprochen, vereinbart und umgesetzt werden. Besonders der Betreiber der USV-Anlage ist als Unternehmer nach § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) [3] verpflichtet, die Gefährdung seiner Arbeitsstätten zu beschreiben und entsprechende Maßnahmen zu treffen, um Gefahren zu verringern oder zu beseitigen. Dazu gehört mit Sicherheit auch die Aufstellung einer Lithium-Batterieanlage in der beschriebenen Größenordnung.

Der Versicherungsverband hat hierzu ebenfalls Richtlinien herausgegeben: VdS 3103 „Lithium-Batterien“ [4]. Diese Richtlinien sollten bei der Auslegung, Auswahl und Bereitstellung von Batterieanlagen (einschließlich der Wahl des Aufstellungsortes) mitberücksichtigt werden. Auf diese hilfreichen Richtlinien wird in vielen Vorschriftenwerken und Informationsschriften hingewiesen. Auch wenn es in VdS 3103 überwiegend um die Lagerung solcher Batterien geht, sind die beschriebenen Anforderungen hilfreich. In VdS 3103, Abschnitt 5.2 wird beispielsweise gefordert, dass Bereiche mit Lithium-Batterien mittlerer Leistung mindestens 5 m Abstand oder eine feuerbeständige Abtrennung (F90) zu anderen Bereichen der unmittelbaren Umgebung vorweisen müssen. Dies gilt, wie zuvor erwähnt, zunächst für die Lagerung solcher Batterien, aber die Anforderungen zeigen, dass Lithium-Batterien unter Umständen ein nicht unerhebliches Risiko verursachen können und deshalb eine risikoorientierte Planung erforderlich ist. Im gleichen Abschnitt von VdS 3103 [4] heißt es zu Bereichen für Lithium-Batterien mit hoher Leistung, dass vorab Absprachen mit dem Sachversicherer getroffen werden müssen.

Das Wichtigste ist auf alle Fälle eine genaue Absprache mit dem Hersteller der Batterieanlage. Hier müssen alle Merkmale des Aufstellungsortes und der Umgebungsbedingungen (z. B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, besondere Verunreinigungen der Luft, wie Staub oder Öle usw.) zur Sprache kommen.

Wird vom Betreiber der USV-Anlage ein Batterie-Schranksystem bevorzugt, tut er gut daran, wenn er ein Schranksystem des Herstellers der Batterieanlage wählt, weil dann vorausgesetzt werden kann, dass die Batterien und das Schranksystem aufeinander abgestimmt sind und dass die Gewährleistung des Gesamtsystems in einer Hand bleibt.

Bei der Planung des Batteriesystems und der Wahl des Aufstellungsortes sollten auch die Anforderungen aus VDE-AR-E 2510-2 [2] sowie aus VDE-AR-E 2510-50 [5] mit betrachtet werden. Sie enthalten insgesamt hilfreiche Anforderungen zur Vermeidung oder Verringerung einer Gefährdung. Die Bestimmungen in VDE-AR-E 2510-50 [5] gelten zwar in erster Linie für den privaten und kleingewerblichen Bereich, enthalten aber zum Teil wichtige Details und Beschreibungen für einen sicheren Betrieb.

Autor: H. Schmolke

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-731 (VDE 0100-731):2014-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-731: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten.

[2] VDE-AR-E 2510-2 Anwendungsregel:2015-09 (aktuell: VDE-AR-E 2510-2 Anwendungsregel:2021-02) Stationäre elektrische Energiespeichersysteme vorgesehen zum Anschluss an das Niederspannungsnetz.

[3] Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz – ArbSchG) vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1246), zuletzt geändert durch Art. 427 V v. 31.8.2015 I 1474.

[4] VdS 3103:2016-05 (02) Lithium-Batterien; Publikation der deutschen Versicherer (GDV e. V.) zur Schadenverhütung.

[5] VDE-AR-E 2510-50 Anwendungsregel:2017-05 Stationäre Energiespeichersysteme mit Lithium-Batterien – Sicherheitsanforderungen.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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