Fortbildung
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Elektrotechnik
Wie Praktiker von Azubis lernen können
ep6/2010, 3 Seiten
Projekt „Versuchsstand Fehlerstromschutzschalter“ Fehlerstromschutzschalter (RCD) leisten seit vielen Jahren zuverlässig ihren Dienst des Personenschutzes und des Anlagenschutzes. Zur Zeit werden in Deutschland vier verschiedene Typen von Fehlerstromschutzschaltern für die ortsfeste Elektroinstallation angeboten: · der Typ A · der selektive Typ A · der stoßstromfeste Typ A und · der Typ B. Jeder RCD wurde für bestimmte Einsatzzwecke entwickelt. Doch ist genaue Fachkenntnis über diesen Sachverhalt notwendig, um eine richtige Auswahl treffen zu können. Fortbildung praxisbezogen gestalten Firma Hager setzt deshalb im Rahmen ihrer Fortbildungen für Gesellen, Meister und Techniker des Elektrohandwerks hier einen Schwerpunkt. Die theoretischen Ausführungen können nun ab sofort durch praktische Versuche unterstützt werden. Der dafür notwendige Versuchsstand wurde in nur neun Monaten von zukünftigen Elektronikern der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Döbeln unter Leitung ihres Fachlehrers entwickelt und gebaut. Insgesamt dreizehn Auszubildende des zweiten und dritten Ausbildungsjahres (Bilder , , ) beteiligten sich freiwillig an diesem Projekt, das ausschließlich in der Freizeit realisiert wurde. Keine einfache Aufgabe Die von Hager an die Auszubildenden übertragende Aufgabe klang zwar zunächst einfach: „Entwickeln und bauen Sie einen Versuchsstand, mit dem man die Arbeitsweise, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fehlerstromschutzschalter anschaulich demonstrieren kann.“ Für die Auszubildenden kam diese Aufgabe genau zum richtigen Zeitpunkt, da das Thema „Fehlerstromschutzschalter“ im Berufsschulunterricht des zweiten Ausbildungsjahres ein Schwerpunkt ist, und sie ihr erworbenes Fachwissen anwenden, festigen und vertiefen konnten. Erarbeiten des Konzepts Schritt 1. Zuerst klärten die Auszubildenden die Frage, welche Eigenschaften der RCDs dargestellt werden. Man traf die Auswahl für die folgenden Eigenschaften: 1.Darstellung des Abschaltverhaltens bei sinusförmigen Fehlerströmen, bei pulsierenden Gleichfehlerströmen und glatten Gleichfehlerströmen unter Beachten der Abschaltzeit und der Abschaltstromstärke 2.Gefahr der magnetischen Sättigung des Summenstromwandlers bei glatten Gleichfehlerströmen und der damit verbundenen Unwirksamkeit des RCD vom Typ A - inklusive der Prüftaste des RCD 3.Darstellung der Stoßstromfestigkeit - Hager Typ A-HI 4.Darstellen der Selektivität/ Nichtselektivität zwischen den verschiedenen RCDs vom Typ A 5.Allstromsensitivität des Typs B. Schritt 2. Jetzt wurde richtig experimentiert. Die Auszubildenden entwarfen Schaltungen, mit denen es möglich ist, die ausgewählten Eigenschaften darzustellen. Diese Phase war für die Auszubildenden ungewohnt - aber zugleich spannend, denn die von ihnen entwickelten Versuchsschaltungen brachten im Laborversuch nämlich nicht immer gleich das gewünschte Ergebnis. Aber Ausdauer und der Wille die Aufgabe zu lösen, führten letztlich zum Erfolg. Es wurde auch ein Layoutvorschlag für den Versuchsstand erarbeitet. Der Prüfstein der Wahrheit Mit großer Spannung wurde das Konzept dem Auftraggeber im Rahmen einer Präsentation am BSZ Döbeln vorgestellt. Nach eingehendem Prüfen und einigen Anpassungsarbeiten durch die Hager-Mitarbeiter war es endlich soweit: Die Arbeitsgemeinschaft Elektrotechnik (AG ET) des BSZ erhielt die Aufgabe, neun Versuchsstände zu bauen. Die zehn Auszubildenden des zweiten Ausbildungsjahres nahmen sich dieser Aufgabe engagiert an. Vorgehensweise Bestückungs- und Stromlaufplan. Zuerst wurden die einzelnen Arbeitsschritte entsprechend eines Bestückungsplanes und Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 6 458 BRANCHE AKTUELL Wie Praktiker von Azubis lernen können Zur Zeit werden vier verschiedene RCD-Typen in der ortsfesten Elektroinstallation für den jeweiligen Einsatzzweck angeboten. Oftmals stehen selbst gestandene Praktiker vor dem Problem, die richtige Auswahl zu treffen. Doch 15 pfiffige Azubis des BSZ Döbeln fanden die Lösung: unter Leitung ihres Lehrers entwickelten sie in ihrer Freizeit mit viel Engagement einen Versuchsstand, den Firma Hager künftig für die Fortbildung von Gesellen, Meistern und Technikern einsetzt. V.l.n.r.: Christian Eichler, Dominik Gafert, Fritz Zausch, Marcus Koitz, Enrico Weithmann, Eric Braun, Kevin Hellmuth, Tino Graumnitz, Tobias Hayn, Marcel Wittig, Kurth Leonhardt - die stolzen Projektentwickler des BSZ Döbeln Frank Bumke (l. hinten), Lehrer und Leiter der AG ET, verfolgt mit Stolz die Dankesworte von Johannes Schwarz (r. hinten), Vertreter von Hager, an „seine Jungs“ Fotos: Kevin Hellmuth demonstriert die Funktionsweise des Versuchsstands Tag Guten Tag Guten Aktive Störgeräuschunterdrückung ALBRECHT JUNG GMBH & CO.KG · Schalksmühle · www.jung-tkm.de Mit der JUNG Türkommunikation verstehen Sie sich mit Ihrem Besuch bereits an der Tür richtig gut. Denn der Digitale Signal Prozessor mit aktiver Störgeräuschunterdrückung filtert die Nebengeräusche und optimiert die Sprache. Mehr innovative Produktvorteile für eine einwandfreie Türkommunikation finden Sie unter www.jung-tkm.de. Eröffnung mit Gratulation Die Veranstaltung wurde vom Landrat des Harzkreises, Dr. Michael Ermrich, eröffnet, der u. a. auf die Chancen für das Elektrohandwerk im Bereich der erneuerbaren Energien hinwies, für Sachsen-Anhalt insbesondere bei Service- und Wartungsarbeiten an Windkraftanlagen. Nach Grußworten vom Landesinnungsmeister Dr.-Ing. Gerd Böhme und dem Obermeister der Innung Quedlinburg/ Aschersleben, Andreas Reuß, wurde bei dieser Gelegenheit auch Ehrenlandesinnungsmeister Ulrich Ehrt noch einmal herzlich gratuliert. Er hat vor kurzem für sein herausragendes ehrenamtliches Engagement im Elektrohandwerk das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen. Vielfältiges Programm Am Freitag, dem 7. Mai, konnten die zahlreichen Teilnehmer neben der gut sortierten Fachausstellung mit Partnern aus Industrie, Großhandel, Versicherung, Energieversorgung, der Presse sowie vom VDE auch interessante Fachvorträge besuchen. Burkhard Schulze, ZVEH-Bundesbeauftragter für das Normenwesen, informierte dabei nach dem Motto „Kennen Sie das Neueste?“ über die VDE-Bestimmungen 2010, u. a. über die erfreulicherweise rückläufige Entwicklung von Stromunfällen, die Frage, wann und wo ein zusätzlicher Schutz durch FI ) 30 mA gefordert ist und gab wichtige Hinweise zu Erzeugungsanlagen am NS-Netz. Günter-Werner Saller, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des LIV Sachsen-Anhalt, stellte das Angebot des umfangreichen und professionell aufbereiteten Infopools des Verbands im Rahmen des Internetauftritts (www. eh-sachsen-anhalt.de) vor und erläuterte den beträchtlichen Nutzen für den unternehmerischen Erfolg. Zum brisanten Themengebiet Internet und Recht gab Rechtsanwalt Ingo Sennst von der Kanzlei Dr. Schneider, Seneca & Partner einen Überblick zu juristischen Anforderungen und Fallstricken sowie zahlreiche gute Hinweise. Abschließend informierte Helmut Kraus, Organisationsdirektor Handwerk der Interversicherung, umfassend und neutral zur Einkommenssicherung und Rentenlösung für Handwerker. Auch an die Senioren und mitgereisten Damen war gedacht, sie konnten währenddessen die Landesgartenschau in Aschersleben besuchen. Der Tag mit dem thematisch sehr guten und umfassenden Fachprogramm wurde am Abend mit einer unterhaltsamen Reise in vergangene Zeiten auf Burg Falkenstein abgerundet, die allen Teilnehmern große Freude bereitete. Am Samstag trafen sich dann die Delegierten und Gäste zur Mitgliederversammlung. Fachlicher Austausch Die Veranstaltung bot auch gute Gelegenheit, sich in Gesprächen zu aktuellen Themen, Ideen sowie gemeinsamen Problemen auszutauschen. Ein wiederkehrendes Thema war der unterschiedliche und mitunter sogar den gesetzlichen Vorgaben zuwiderlaufende Umgang mancher EVU/Stadtwerke mit dem Thema EHZ. Insbesondere die Frage der wirtschaftlichen Zumutbarkeit scheint mancherorts als Argument für eine Verweigerung des technischen Ausbaus herhalten zu müssen. Zur ersten Unterstützung bei solchen und ähnlichen Problemen sei hier auf ein aktuelles Gutachten für die Bundesnetzagentur hingewiesen. Dort heißt es dazu im Abschnitt 2.2.2 „Vorbehalt der wirtschaftlichen Zumutbarkeit“: „Ausgehend vom Sinn und Zweck des § 21b Abs. 3a und 3b EnWG, welcher die Einführung der neuen Zählertechnologie fördern soll, ist davon auszugehen, dass eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit nur in eng begrenzten Ausnahmefällen angenommen werden kann.“ [1] Literaturhinweis [1] „Ökonomische und technische Aspekte eines flächendeckenden Rollouts intelligenter Zähler“, Gutachten im Auftrag der Bundesnetzagentur, erstellt von Ecofys, ENCT und Becker-Büttner-Held (BBH, Partnerschaft von Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern), S. 10. www.bundesnetzagentur.de, Sachgebiete, Elektrizität/Gas, dann Sonderthemen, Bericht zum Zähl- und Messwesen. Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 6 460 BRANCHE AKTUELL Fachwissen und Erfahrungsaustausch Landesverbandstag des LIV Sachsen-Anhalt Die 16. Jahrestagung des LIV Sachsen-Anhalt der Elektrohandwerke fand am 7. und 8. Mai in Ballenstedt bei der Innung Quedlinburg/Aschersleben statt. Sie bot neben der Mitgliederversammlung ein gelungenes Programm aus Fachvorträgen, Fachausstellung und Abenderlebnis auf der Burg Falkenstein. eines Stromlaufplanes innerhalb der Gruppe besprochen. Richtlinien zum Verdrahten. Damit die Versuchsstände im Ergebnis von gleicher Qualität sind, wurden für das Verdrahten Richtlinien festgelegt. Dadurch hatten alle Schüler einen Leitfaden für die weitere Arbeit. Alles in Teamarbeit Die Schüler arbeiteten in Zweierteams. Die Arbeitsgeschwindigkeit der Teams ergab sich entsprechend den Erfahrungen, welche die Auszubildenden während ihrer bisherigen Ausbildung gesammelt haben. Gerade für die Auszubildenden mit wenig Erfahrung im Verdrahten von Verteilungen war dieses Projekt somit eine willkommene Aufgabe. Zwei Teams bauten je drei Versuchsstände und die anderen jeweils einen Versuchsstand. Innerhalb der Gruppe herrschte aber kein Konkurrenzkampf. Im Gegenteil, die Teams halfen sich bei Problemen gegenseitig und lösten diese weitgehend selbstständig. War ein Versuchsstand bestückt und verdrahtet, führten die Auszubildenden die Endkontrolle durch. Die Versuchsstände wurden getestet und die Qualität der Verdrahtungsarbeit gegenseitig überprüft. Lob und Anerkennung für gute Leistung Die drei Auszubildenden des dritten Ausbildungsjahres durften einen RCD-Versuchsstand bauen, der in Zukunft am BSZ Döbeln zur Ausbildung zukünftiger Elektroniker eingesetzt wird. Das Material für diesen Versuchsstand wurde von Hager als Dank für die von der Arbeitsgemeinschaft Elektrotechnik geleistete Arbeit, zur Verfügung gestellt. Am 31. März 2010 wurden die neun Versuchsstände in feierlichem Rahmen unter Anwesenheit des Schulleiters Oertelt an die Firma Hager übergeben. Besonders erfreut waren die Auszubildenden (Bilder , , ) über die Nachricht, dass die von ihnen gebauten Versuchsstände an die Hager-Niederlassungen verteilt werden. Ein Stand wird künftig in Österreich zum Einsatz kommen. F. Bumke Bei der Eröffnung des Landesverbandstags: Landesinnungsmeister Gerd Böhme (sprechend), Obermeister Andreas Reuß (links dahinter), dann Landrat Michael Ermrich und Ehrenlandesinnungsmeister Ulrich Ehrt Foto: LIV S--A
Autor
- F. Bumke
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