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Wie die Prüfung der Kreditwürdigkeit erfolgt

ep3/2005, 1 Seite

Bevor Privatpersonen oder Einzelunternehmer ein Darlehen bekommen, ermittelt die Bank nahezu unauffällig die Kreditwürdigkeit. Die dazu nötigen Informationen liefert eine Einrichtung, deren Entstehungsgeschichte eng mit der Entwicklung der Elektrobranche verbunden ist. Über die Arbeitsweise dieser Institution informiert der nachstehende Beitrag.


Hintergrund der Schufa Die Abkürzung Schufa steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftseinrichtung von Wirtschaftsunternehmen, die ihren Kunden Geld- oder Warenkredite gewähren. Dazu gehören Banken und Sparkassen, Telekommunikationsunternehmen, Versandhäuser und Kreditkartengesellschaften. Die Schufa wurde vor mehr als 75 Jahren mit dem Ziel gegründet, ihre Vertragspartner vor Kreditausfällen zu schützen. Vor einigen Jahren wurde diese Einrichtung in die Rechtsform einer Aktiengesellschaft überführt. Bundesweit hat die Schufa 14 regionale Geschäftsstellen mit ca. 650 Mitarbeitern. Die der Schufa angehörenden Unternehmen melden alle Kundendaten, die bei einer Kreditvergabe von Bedeutung sind. Derzeit sind die Daten von 62 Mio. Bürgern gespeichert worden. Allein im letzten Jahr legte die Schufa nach eigenen Angaben ca. 400 Mio. Datensätze als Vorgänge an (www.schufa.de). Schufa und Elektrobranche Die Entstehungsgeschichte der Schufa ist eng mit der Elektrobranche verbunden. Als sich die Bewag in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg darum bemühte, den Absatz von Elektroenergie zu steigern, wurden den Kunden Elektrogeräte auf Ratenzahlung angeboten. Da es bereits Kunden gab, die es schon mit der Bezahlung ihrer Stromrechnung nicht so ernst nahmen, hat man die zur Bonität ohnehin vorliegenden Informationen vor der Vergabe des Ratenkredites ausgewertet. Diese Prüfung wurde für die Entscheidung zur Gewährung einer Zahlung auf Raten für ein Elektrogerät herangezogen. Aus diesen Anfängen ist dann eine eigenständige Institution entstanden, der sich nahezu alle bedeutenden kreditvergebenden Wirtschaftsunternehmen angeschlossen haben. Datenbeschaffung Die der Schufa angehörenden Wirtschaftsunternehmen melden alle relevanten Daten, die die Kreditwürdigkeit einer natürlichen Person (Tafel ) bestimmen. Dabei wird zwischen „Positivmerkmalen“ eines Kreditvertrages - z. B. Daten über Betrag und Laufzeit sowie dessen vertragsgemäßer Abwicklung und „Negativmerkmalen“ - aus der Nichterfüllung von Verpflichtungen - unterschieden. Daüber hinaus bezieht die Schufa Informationen aus den bei den Amtsgerichten geführten Schuldnerverzeichnissen aus Zwangsvollstreckungen und Insolvenzen. Diese Informationen werden zentral gespeichert und ausgewertet. Die Schufa verarbeitet damit geschäftsmäßig personenbezogene Daten. Nach § 29 des Bundesdatenschutzgesetzes ist dies immer dann zulässig, wenn „kein Grund zu der Annahme besteht, dass der Betroffene ein schutzwürdiges Interesse an dem Ausschluss der Speicherung oder Veränderung“ hat. Deshalb dürfen die Daten nach Tafel nur an die Schufa übermittelt werden, wenn der Betroffene in deren Übermittlung einwilligt. Daher findet man in den einschlägigen Verträgen regelmäßig die sogenannte „Schufa-Klausel“, mit der diese Einwilligung eingeholt wird. Erteilung von Auskünften Auf der Basis der gespeicherten Informationen erteilt die Schufa den o. g. Wirtschaftsunternehmen Auskünfte, die über die Gewährung oder Nichtgewährung von Krediten entscheiden. A-Verfahren. Kreditinstitute haben bei diesem Verfahren ein uneingeschränktes Auskunftsrecht. Anhand dieser Auskunft kann festgestellt werden, ob und wieviele Kredite der Kunde bereits bei anderen Kreditinstituten aufgenommen hat, und wie er seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. B-Verfahren. Andere Wirtschaftsunternehmen wie der Versandhandel oder die Mobilfunktunternehmen erhalten dabei lediglich Auskünfte über ggf. bestehende oder vergangene Zahlungsprobleme. Das umstrittene „Scoring“ Außerdem bietet die Schufa seit einigen Jahren ihren Vertragspartnern als zusätzliche Information einen Score-Wert. Dieser Score-Wert ist der Versuch, die Kreditwürdigkeit einer Person in einer einzigen Zahl zwischen 0 und 1000 auszudrücken. Wer Kredite problemlos bedient und tilgt, erhält Pluspunkte. Man zieht daraus den Schluss, dass der Kreditnehmer sich auch künftig so verhält. Schwierigkeiten bei der Kredittilgung führen zu Abstufungen im Score-Wert und können auch noch nach Jahren, selbst wenn das einmal bestandene Problem längst erledigt ist, zu Problemen bei der Kreditvergabe führen. Umstritten ist auch die Berücksichtigung des Umfeldes des Kreditnehmers beim Score-Wert. Wer in einem Umfeld mit vorzugsweise säumigen Zahlern beheimatet ist, erhält auch bei tadellosem eigenen Zahlungsverhalten einen vergleichsweise schlechten Score-Wert zugeordnet. Wer oft umzieht, den Familienstand und die Bankverbindung wechselt, muss sicher auch mit Punktabzug rechnen. Recht auf Selbstauskunft Nach dem Bundesdatenschutzgesetz hat jeder Bürger ein Recht auf kostenlose Selbstauskunft. Die Schufa ist demnach verpflichtet, jedem kostenlos einen vollständigen Einblick in die eigenen Datensätze zu gewähren. Um von diesem Recht Gebrauch machen zu können, muss eine der Regionalniederlassungen der Schufa aufgesucht werden. Telefonisch werden keine Auskünfte erteilt. Für die schriftliche Auskunft wird eine Bearbeitungsgebühr von 7,60 Euro fällig. Hierfür genügt ein formloser Brief mit Angabe von Vor-und Nachname, Anschrift, Geburtsdatum und -ort. Allerdings sollte von diesem Recht nur in wirklich dringenden Fällen Gebrauch gemacht werden - nicht nur wegen der entstehenden Kosten, sondern auch wegen der daraus indirekt ableitbaren Folgerungen für die Bonität. Fazit Auch wenn der Vorteil der Schufa zunächst bei den Kreditgebern liegt, bietet dieses Unternehmen auch dem Kreditnehmer den Vorzug, die eigene Kreditwürdigkeit schnell und mit vergleichsweise geringem Aufwand unter Beweis zu stellen. Die Banken sind bestrebt, ihre Risiken bei der Kreditvergabe zu minimieren (Basel II). Sie führen gegenwärtig „risikogerechte Zinsen“ ein. Daher ist jeder - privat und geschäftlich - gut beraten, dafür zu sorgen, dass die ihn betreffende Schufa-Auskunft in jeder Hinsicht positiv und sein Score-Wert möglichst hoch ausfällt. H. Möbus Elektropraktiker, Berlin 59 (2005) 3 184 BETRIEBSFÜHRUNG Wie die Prüfung der Kreditwürdigkeit erfolgt Bevor Privatpersonen oder Einzelunternehmer ein Darlehen bekommen, ermittelt die Bank nahezu unauffällig die Kreditwürdigkeit. Die dazu nötigen Informationen liefert eine Einrichtung, deren Entstehungsgeschichte eng mit der Entwicklung der Elektrobranche verbunden ist. Über die Arbeitsweise dieser Institution informiert der nachstehende Beitrag. Quelle: Schufa Tafel Die Schufa speichert die folgenden Daten von natürlichen Personen · Name, Vorname, Geburtsdatum und -ort · Anschrift und frühere Anschriften · Konten und eingeräumte Überziehungskredite · Leasingverträge, Darlehen und Bürgschaften mit dem Betrag, der Laufzeit und den Raten · Ausgabe von Kreditkarten · Kundenkonten bei Telefongesellschaften und beim Versandhandel · Offene Forderungen · Missbrauch von Scheckkarten und Konten · Gerichtliche Mahnbeschei- · Zwangsvollstreckungen · Eröffnung eines privaten Insolvenzverfahrens

Autor
  • H. Möbus
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