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Veranstaltung | Elektrotechnik

Systems 2007 - Trotz spannender Themen erneut weniger Besucher

ep1/2008, 3 Seiten

Mehr als zwei Jahrzehnte war die Systems eine beispiellose Erfolgsgeschichte und zugleich ein Synonym für den Aufstieg Bayerns zur High-Tech-Region. Aber im Gegensatz zu der im Raum München derzeit allerorts nicht zu übersehenden wirtschaftlichen Prosperität ringt diese Messe seit Jahren mit schwindenden Aussteller- und Besucherzahlen.


Zahlen und Eindrücke Die Aussteller- und Besucherzahlen der Systems kennen seit Jahren nur noch eine Richtung: nach unten. In diesem Jahr wurde dieser Trend noch durch zwei - von den Veranstaltern nicht zu beeinflussenden Ereignissen - verstärkt. Wegen Unklarheiten bezüglich der weiteren Finanzierung des europäischen Satelliten-Navigationssystems „Galileo“ hatten rund 70 Aussteller aus diesem Bereich ihre Teilnahme abgesagt, und so erreichte die Zahl der Aussteller diesmal gerade mal 1200. Der Rückgang bei den Ausstellern um 5 % war aber sicher das kleinere Problem. Schmerzlicher ist gewiss der Besucherrückgang um etwa 20 % auf etwas über 40000. Der Lokomotivführerstreik in der Messewoche hat sicher etwas zu dieser wenig erfreulichen Bilanz beigetragen, reicht aber als alleinige Begründung nicht aus. Auch die Tatsache, dass die Messe um einen Tag verkürzt wurde und daher trotz allem die meiste Zeit überall geschäftiges Treiben herrschte, ist nur eine recht unbefriedigende Erklärung. In einem Jahr, wo die Cebit zumindest die Besucherzahlen halten konnte und Messen im Umfeld der IT-Branche wie etwa die Games Convention in Leipzig und die IFA in Berlin dank des wirtschaftlichen Aufschwungs deutliche Zuwächse bei den Aussteller- und Besucherzahlen verzeichneten, ist diese Entwicklung umso bedauerlicher. Die zeitgleich mit der Systems im ICM veranstaltete Communication World hat auch kaum zur Verbesserung der Bilanz beigetragen und hat ihrerseits wegen der unglücklichen Lage auch nicht vom Besucherstrom der Systems profitiert. Synergieeffekte erschließen sich eben nicht von selbst. Aber trotz dieser wenig erfreulichen Zahlen und kritischen Anmerkungen bot die Messe dem Besucher viel Sehenswertes und Interessantes. Themen und Trends Auch in diesem Jahr wurde an dem schon seit längerer Zeit praktizierten Konzept einer Business-to-Business-Messe festgehalten. Eine Vielzahl von Angeboten an Hard- und Software sowie Serviceleistungen waren insbesondere auf die Bedürfnisse des Mittelstandes mit 3-stelligen Mitarbeiterzahlen und deren IT-Verantwortlichen ausgerichtet. Musterfirma. Die Musterfirma (www.diemusterfirma.de) gehört regelmäßig zu den Besuchermagneten der Systems (Bild ) - und das aus gutem Grund. Sie ist nach eigenen Angaben Bayerns größte unabhängige Initiative aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zur Optimierung von Geschäftsprozessen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Neben einem repräsentativen Stand mit Lösungs- und Beratungsangeboten für nahezu alle Aufgabenbereiche eines Unternehmens, wurde dem Besucher mit dem dazu gehörigen Forum eine mit hochkarätigen Referenten besetzte Vortragsveranstaltung geboten, die immer gut besucht war. Technologie-Integration. Virtualisierung ist derzeit eines der Top-Themen der IT-Branche. Während bisherige Angebote diese neue Technologie zunächst mehr oder minder losgelöst präsentierten, werden jetzt erste Ergebnisse der Einbindung der Virtual Desktop Infrastructure (VDI) in das seit Jahren bewährte Server-based Computing (SBC) sichtbar. Dabei wurde gleichzeitig ein anderer, bislang kaum berücksichtigter Aspekt der Thin-Client-Technik thematisiert. Die meist lüfterlosen Thin-Clients bringen nicht nur Vorteile bezüglich der Netzadministration und der Datensicherheit, sondern verbrauchen zudem weniger Energie. Dokumentenmanagement. Der Traum vom papierlosen Büro ist nicht in Erfüllung gegangen, ganz im Gegenteil: Seit Einführung der Computertechnik haben sich die Papierberge vervielfacht. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen und zu den per Papier übermittelten Informationen kommen solche die zwar auf Datenträgern (z. B. E-Mails) vorliegen, die aber auch aus den verschiedensten Gründen verwaltet und archiviert werden müssen. Waren Dokumentenmanagementsysteme vor Jahren eher ein Thema für spezielle Berufsgruppen (z. B. Rechtsanwälte) oder die öffentlichen Verwaltungen, so sind jetzt die Adressaten dieser Angebote vor allem die Firmen aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor. Sicherheit. Die Halle B3 war stets gut gefüllt und die Foren fast immer bis auf den letzten Platz ausgebucht. Sicherheit ist ein zentrales und täglich an Brisanz gewinnendes Thema. Mit der wachsenden Bedeutung der IT für die Existenz eines Unternehmens nimmt auch der Umfang der im Zusammenhang mit der Sicherheit zu beachtenden Aspekte zu. Die vorgestellten Beispiele reichten daher von bautechnischen Lösungen für Serverräume über hochverfügbare Systemkomponenten bis hin zu Hard-und Softwarelösungen gegen die IT-spezifischen Bedrohungen durch Hacker, Viren, Würmer und Trojaner. Linux und Open Source. Im Vergleich zum Vorjahr war der Ausstellungsbereich zu Linux und Open Source zwar deutlich erweitert, aber gemessen am Besucherinteresse doch zu knapp. Die vorgestellten Projekte und Exponate vermittelten einen guten Überblick zu den derzeit insbesondere für mittelständische Betriebe verfügbaren Lösungen. In der begleitenden Konferenz zu den Perspektiven von Open Source standen neben der Vorstellung konkreter Einsatzfälle aus Unternehmen und Verwaltungen insbesondere Fragen zu Kosten, zur Sicherheit und zur technischen Machbarkeit im Mittelpunkt. Besonderer Aufmerksamkeit konnte sich der Stand des LiMux-Projektes erfreuen. Die Stadtverwaltung München hat im September 2006 mit der Umstellung von Arbeitsplatzcomputern auf Linux und Open Source begonnen. Der LiMux-Basisclient erhielt im Mai 2007 eine TÜV-Zertifizierung bezüglich der Gebrauchstauglichkeit. Wo zunächst noch Windows als Betriebssystem benötigt wird, erfolgt eine „weiche Migration“ durch den Einsatz von Open Source für die typischen Office-Aufgaben, zum E-Mailing und zum Browsen im Web. Speicherlösungen. Bei den Hardwareangeboten war die Dominanz von Speicherlösungen unübersehbar. Neben den klassischen magnetband-basierten Back-Up-Lösungen kommen offenbar zunehmend Anwendungen zum Einsatz, bei denen für einen Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 1 BRANCHE AKTUELL Systems 2007 in München Trotz spannender Themen erneut weniger Besucher Mehr als zwei Jahrzehnte war die Systems eine beispiellose Erfolgsgeschichte und zugleich ein Synonym für den Aufstieg Bayerns zur High-Tech-Region. Aber im Gegensatz zu der im Raum München derzeit allerorts nicht zu übersehenden wirtschaftlichen Prosperität ringt diese Messe seit Jahren mit schwindenden Aussteller- und Besucherzahlen. Besuchermagnet Musterfirma - Optimierungslösungen für kleine und mittlere Unternehmen Foto: Messe München ersten Back-Up-Schritt eine Festplatte genutzt wird und erst dann die Bandspeicherung erfolgt. Ebenso vielfältig und durch neue Entwicklungen geprägt war das Angebot an RAID-Systemen. Der Preisverfall bei den Festplatten erlaubt es den Herstellern, neue zwar aufwendigere, aber dafür noch redundantere RAID-Levels zu entwickeln. RFID. Auf dem Gemeinschaftsstand RFID-Vision präsentierten sich zum dritten Mal Unternehmen aus dieser Branche. Neben Angeboten von RFID-Tags wurden verschiedene Lösungen vorgestellt. Allerdings war dieser Stand wenig dazu angetan, sich einen Überblick zu dieser Thematik zu verschaffen. Das Besucherinteresse war daher auch eher verhalten und entsprach keinesfalls der absehbaren Bedeutung dieser Technik. Jobs. Es ist unübersehbar, dass Deutschland gegenwärtig einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt und junge, gut ausgebildete und berufserfahrene Fachkräfte gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Davon können insbesondere junge Informatiker und Ingenieure profitieren. Die vom Messeveranstalter bereitgestellten Pin-Wände wurden von den Firmen ausgiebig genutzt, um ihre Jobangebote zu offerieren. Hier und da hatte man allerdings den Eindruck, dass es weniger um das Jobangebot an sich, sondern um die Präsentation der „suchenden“ Unternehmen ging. Fazit Die Systems ist nach wie vor einen Besuch wert - und das nicht nur für die ausgesprochenen Profis, sondern für alle, die sich beruflich in der einen oder anderen Form mit dem IT-Einsatz beschäftigen und dafür Verantwortung tragen. Die aktuelle Ausrichtung der Messe ist offenbar nicht ausreichend erfolgversprechend, aber mit einer stärkeren Berücksichtigung der Bedürfnisse des Handwerks, der Einbeziehung der Heimvernetzung und ein wenig mehr Mut bei der Präsentation von Linux und Open Source sollten auch die Besucherzahlen wieder steigen. Ja, und vielleicht sollte auch über den Samstag als Messetag nachgedacht werden. H. Möbus Treffpunkt Foyer Der Linux Info-Tag Dresden fand im Hauptgebäude der Informatik-Fakultät der TU in gewohnt zwangloser Atmosphäre statt. Die Teilnahme war wie immer kostenlos, der Teilnehmerkreis reichte vom technikinteressierten Gymnasiasten bis hin zum Linux-Spezialisten. Für die Ausstellung im Foyer sowie die Vorträge und Workshops waren eine Reihe bundesweit bekannter Linux-Aktivisten, aber auch Akteure aus den Nachbarländern gewonnen worden. Schon deshalb hatte die Veranstaltung ein recht internationales Flair. Die kleine Ausstellung im Foyer wurde vor allem durch Mitglieder verschiedener Communities getragen. Hier bestand die Möglichkeit die Vorteile der Ubuntu-/Kubuntu-Distribution näher in Augenschein zu nehmen, sich über aktuelle Entwicklungen der KDE-Benutzeroberfläche zu informieren, mit Open-Office.org-Spezialisten zu diskutieren und vieles mehr. Das Gespräch mit den Akteuren wurde vielfach durch die Fachsimpelei der Teilnehmer untereinander ergänzt. Einer der Anziehungspunkte war die Installationsparty. Wer sein Notebook dabei hatte, konnte unter der Anleitung und Mithilfe von Spezialisten eine Linux-Version als zusätzliches Betriebssystem installieren. Da eigentlich den ganzen Tag über zeitgleich verschiedene Vorträge und Workshops gehalten wurden, war das Foyer nie überlaufen, aber ständig von einer angenehm entspannten Arbeitsatmosphäre erfüllt. Vorträge und Workshops Bei den Vorträgen und Workshops (siehe Kasten) hatte der Besucher vielfach die Qual der Wahl. Die Unterscheidung der Vortragsreihen in Einsteiger und Fortgeschrittene bot dabei aber dem Einzelnen kaum Hilfestellung. Der Hörsaal für die Einsteiger-Vorträge war immer gut besetzt und für den Vortragsraum der Fortgeschrittenen galt meist das Prinzip „Wer zuerst kommt ...“ Ausnahmslos alle Vorträge waren durch Aktualität und ein hohes fachliches Niveau gekennzeichnet. Es ist daher nicht einfach und auch recht subjektiv, die eine oder andere Aktivität besonders hervorzuheben. Aber zu den Höhepunkten des Info-Tages gehörte zweifellos der Vortrag zum Einsatz der Virtual Box im Auswärtigen Amt, die Nutzung von Gimp zur Erstellung der Grundrisszeichnung einer Kathedrale, die Einführung in Latex und der Calc-Crashkurs: Das Auswärtige Amt gehört zu den Bereichen, die aus Kosten-, aber auch aus Sicherheitsgründen seit Jahren konsequent den Einsatz von Open-Source-Software forcieren. Der Einsatz der Virtual Box erfolgt an dieser Stelle vornehmlich wegen des dadurch möglichen Parallelbetriebes mehrerer Betriebssysteme auf einem Rechner. Welches Werkzeug verwendet eine französische Kunst-und Architekturstudentin, um den Grundriss einer Kathedrale zu zeichnen? H. Marc hat sich für Gimp, einem Bildbearbeitungsprogramm, entschieden - und eine beeindruckende Zeichnung erstellt. Die wichtigsten Arbeitsschritte sind im Netz (http://marcq.in-berlin.de) dokumentiert. Dass es neben den allseits bekannten Textverarbeitungen noch andere Möglichkeiten gibt, Dokumente zu erfassen und zu gestalten, ist manchen nicht bekannt. Der Vortrag zu Latex machte eines deutlich: Die Einstiegshürde zur Nutzung dieses Systems ist zwar zunächst recht hoch, aber dafür eröffnen sich dann eben auch alle Möglichkeiten. Mit seinem Vortrag hat J. Rudl sicher neue Interessenten für diese Art der Texterfassung und -gestaltung begeistert. Tabellenkalkulationen haben die Verbreitung der PC entscheidend mit befördert - leider werden deren Möglichkeiten aber vielfach unterschätzt. Wer das ändern wollte, hatte im Crashkurs von St. Weigel dazu Gelegenheit. H. Möbus Elektropraktiker, Berlin 62 (2008) 1 BRANCHE AKTUELL Linux Info-Tag Dresden 2007 Freie Software im Fokus Das Interesse an freier Software ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. In fast allen größeren Städten gibt es Gruppen engagierter Nutzer, die den Erfahrungsaustausch in Form von Linux-Stammtischen, Open-Source-Nutzergruppen oder Info-Tagen pflegen. Getragen werden diese Initiativen vor allem durch informatikbegeisterte, meist recht junge Leute mit einem oft außerordentlich erstaunlichen Fachwissen. Vorträge und Workshops im Überblick Vorträge für Einsteiger · Die Gentoo-Metadistribution · Debian vs. Mandriva · Gimp - Die Kathedrale von Amiens · A visual tour through KDE 4 · Freie Software Events in Europa · LaTex · Hardware unter Linux Vorträge für Fortgeschrittene · GPLv3 Praktische Auswirkungen · Mercatorizer - Suchen mit Google Maps · Virtual Box im Auswärtigen Amt · Django für Webanwendungen · KDE 4 - Coming Soon · Pitfalls using Tor Workshops · Applets selber schreiben · Anonym ins Internet mit Tor · Objektorientierte Programmierung mit PHP 5 · Python, die Sprache für Ein-und Umsteiger · Open Office.org - Crashkurs Calc · Wikipedia für Einsteiger und Fortgeschrittene Der von Larry Ewing, Simon Budig und Anja Gerwinski kreierte Pinguin namens Tux ist das weltweite Linux-Maskottchen

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