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Brand- und Explosionsschutz

Sicherheitstechnische Praxis und Auswirkungen - Teil 2: Unnötige Gefahrenquellen im Hotelzimmer

ep1/2010, 1 Seite

In diesem und den folgenden Beiträgen wird anhand authentischer Beispiele gezeigt, welche Mängel in der Praxis vorkommen, welche Punkte dabei übersehen wurden und welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben können. Schwerpunkt im Beitrag bildet die unsachgemäße Installation des Verteilers im Schrankboden eines Hotelzimmers.


Problematische Installation Als Gast in einem 4-Sterne-Hotel geht man davon aus, dass sich die Qualität des Hauses nicht nur im Komfort und den Mahlzeiten widerspiegelt. Auch beim Bau des Hotels sollte Wert auf gehobenen Standard in der Bauausführung gelegt werden. Leider ist in der Praxis festzustellen, dass im Bereich der Sicherheit für Gäste teils erhebliche Mängel vorliegen. Der Durchschnittsgast - als Laie im Sicherheitsbereich - hat nicht die Möglichkeit, diese Sicherheitslücke zu erkennen. In einem Luxushotel fiel im Boden des Garderobenschrankes eine Klappe auf, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergab. Da diese Klappe nicht verschlossen oder verriegelt war, folgte ein neugieriger Blick in den Schrankboden. Das Ergebnis war ernüchternd. Für die Steuerung der Beleuchtung und weiterer Geräte wurden in den einzelnen Zimmern die Kabel in den Schrankböden zusammengeführt. Diese wurden dort in einem Verteilerkasten für die Aufputzinstallation verschaltet. Für den Installateur eine „bequeme“ Einrichtung, denn er kann den Verteiler aus dem Schrank herausziehen und so in einer optimalen Arbeitsposition an den Geräten arbeiten. Offensichtliche Gefahren Lässt man die elektrotechnische Seite (inklusive der zu beachtenden Normen und Vorschriften), wie beispielsweise · nicht befestigter Verteiler, · flexibel verlegte starre Kabel, · verbogenes Verteilergehäuse an der Kabeleinführung usw. außer acht, so ergeben sich hinsichtlich der Sicherheit der Hotelgäste mehrere gravierende Gefahrenpotentiale Offener Zugang. Da ein unbefugter Zugang zum Schrankboden nicht verhindert wird, können Hotelgäste - hier besteht insbesondere Gefahr für „neugierige“ Kinder - ungehindert an die Elektroinstallation herankommen (Bild ). Brandgefahr. Da der Teppichboden vor dem Verteiler verlegt wurde, liegen alle Kabel und der Verteiler unter Umständen auf einer leicht entflammbaren Unterlage (Bild ). Dies kann einen durch die Elektrotechnik verursachten Brand zusätzlich beschleunigt. Die unmittelbar über der Bodenklappe (mit ihrem breiten Spalt) untergebrachte Kleidung der Gäste kann noch als zusätzlicher Brandbeschleuniger angenommen werden. Rauchproblematik. Sträflich wurde vernachlässig, die Zimmer mit vorgeschriebenen Rauchmeldern zur rechtzeitigen Warnung vor einem Brand auszustatten. Ein ausgelöster Schwelbrand würde in dem verhältnismäßig kleinen Hotelzimmer dazu führen, dass entstehender Rauch nicht sofort entweichen kann. Da sich Rauch aber rasch ausdehnt, muss geprüft werden, welche Verbindungen über großvolumige Installationsrohre zu den Nachbarzimmern bestehen. Über diesen Weg bestünde die Möglichkeit der Rauchausbreitung von einem Zimmer zum nächsten, während die Rauchmelder im Flurbereich nicht erreicht werden. Nutzerverhalten. Auch durch die Hotelgäste selbst können unbeabsichtigt Brände verursacht werden. Es ist nicht unüblich, Getränke mit in das Hotelzimmer zu bringen. Mangels geeigneter Stellmöglichkeiten - insbesondere für großformatige Flaschen - liegt es nahe, diese im Schrank auf den Boden abzustellen. Durch Bewegung, beispielsweise eines Mantels, kann eine Flasche unbemerkt umfallen. Sollte der Verschluss nicht ordnungsgemäß festgeschraubt sein, kann dies zum Auslaufen der Flasche führen. Eindringende Flüssigkeiten. Was im Normalfall nur ein Missgeschick bedeutet, hat in diesem Hotel aber weitreichende Folgen. Die Flüssigkeit läuft über breite Spalten in der Bodenklappe in den Bodenraum und dabei auf den Verteiler. Da dieser mit seiner Frontseite nach oben liegt, wird die Flüssigkeit trichterförmig zu den Einbaugeräten hin geleitet. Dort läuft sie an deren Seiten hinunter und landet schließlich im Anschlussraum auf den Klemmen. Unter Umständen führt das zu einem Brand auslösenden Kurzschluss (Bild ). Verantwortlichkeiten Für die als gravierend zu bezeichnenden Mängeln in Planung und Ausführung sind die Verantwortlichkeiten zu betrachten. Im Falle eines Brandes kann nicht nur von Sachschäden ausgegangen werden. Durch den Betrieb des Hotels ist in der Regel auch mit erheblichen Personenschäden zu rechnen. Dafür müssen sich der Planer, das ausführende Unternehmen (der Errichter der Anlage), ggf. Serviceunternehmen und nicht zuletzt der Betreiber verantworten. Erstaunlich ist, dass entsprechende Abnahmen unterschiedlicher Institutionen erfolgen müssen, bevor das beschriebene Hotel mit über 100 Zimmern in Betrieb gehen darf. Was der unbedarfte Gast nicht erkennt, müsste den Fachkräften bei einer Abnahme jedoch aufgefallen sein. Literatur [1] Kraheck, A.: Sicherheitstechnische Praxis und Auswirkungen; Teil 1: Probleme mit der Brandmeldung; Meisterwissen. Elektropraktiker Berlin 63(2009)12, S. 952-954. Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 1 37 Sicherheitstechnische Praxis und Auswirkungen Teil 2: Unnötige Gefahrenquellen im Hotelzimmer A. Kraheck, Troisdorf In diesem und den folgenden Beiträgen wird anhand authentischer Beispiele [1] gezeigt, welche Mängel in der Praxis vorkommen, welche Punkte dabei übersehen wurden und welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben können. Schwerpunkt im Beitrag bildet die unsachgemäße Installation des Verteilers im Schrankboden eines Hotelzimmers. MEISTERWISSEN Bodenklappe im Kleiderschrank als Zugang zur E-Installation Nichtbefestigter Verteiler auf feuergefährlicher Unterlage Brandgefahr durch eindringende Flüssigkeiten BETRIEBSFÜHRUNG

Autor
  • A. Kraheck
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