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Arbeits- und Gesundheitsschutz

PSA - auf Nummer sicher

ep1/2010, 2 Seiten

Obschon sie Leben retten kann, gibt es erst seit kurzer Zeit ein genormtes Prüfverfahren für Störlichtbogenschutzkleidung. Mit dem Verfahren in einem Boxtest nach IEC 61482-1-2, das den IEC-Standard 61482-1 ergänzt, ist seit Januar 2007 ein europaweit harmonisiertes Verfahren verfügbar, um auf einer einheitlichen Basis die Schutzkleidung auf ihre Beständigkeit gegenüber den thermischen Einwirkungen des Störlichtbogens zu testen. Das kann auf Wunsch auch zertifiziert werden.


Zum Normung der PSA Im Gegensatz zu den USA ist die Normierung von Störlichtbogenschutzkleidung in Europa noch eine recht „junge Wissenschaft“. Zwar gab es bislang die ENV 50354. Sie reichte allerdings nicht aus, um vergleichbare Aussagen über die Schutzwirkung der eingesetzten Kleidung zu machen. Auch das IPH-Prüfverfahren und der RWE-Eurotest (Beispiel Bild ) lieferten keine Aussagen im Sinn eines europaweit harmonisierten Verfahrens, das für Persönliche Schutzausrüstung (PSA) eine Einteilung in definierte Schutzklassen fordert. Dabei steht Klasse 1 für einen Mindestschutz, Klasse 2 hingegen für die Schutzwirkung bei extremeren Einwirkungen. Der Boxtest Um eine europaweit einheitliche Aussage zur Prüfung von Störlichtbogenschutzkleidung treffen zu können und damit den Beschäftigten mehr Sicherheit bei der Ausübung ihrer Arbeit zu geben, wurde eine eigene Industrienorm für Störlichtbogenschutzkleidung entwickelt - DIN EN 61482-1-2 - vgl. auch Beitrag: „Störlichtbogen - Schutz vor thermischen Gefahren“, ep 08/2008, S. 687-691. Sie beschreibt das Verfahren zur Prüfung von Materialien und Kleidungsstücken, die aufgrund der Auswirkungen von Störlichtbögen sowohl hitzebeständig als auch flammhemmend sein müssen. Verfahren. Bei der Untersuchung unter definierten Laborbedingungen wird ein gerichteter Prüflichtbogen verwendet. Der Prüfaufbau besteht aus der vertikalen Anordnung eines Elektrodenpaars, zwischen denen der Lichtbogen gezündet wird. Die Leerlaufspannung beträgt 400 V, der Elektrodenabstand 30 mm. Die zu prüfenden Materialien und Erzeugnisse werden in einem Abstand von 30 cm direkt vor der nach vorne geöffneten Box positioniert und so direkt mit dem Störlichtbogen beschossen (vgl. dazu Tafel ). Zertifizierung. Um eine entsprechende Zertifizierung zu erhalten, · dürfen durch den Wärmedurchgang auf die Gewebeinnenseite keine Verbrennungen zweiten Grades verursacht werden · darf das geprüfte Material zur Innenseite nicht durchschmelzen und mehr als 5 mm Lochbildung in jede Richtung aufweisen und nur · eine maximale Nachbrennzeit von 5 s haben. Die Ergebnisse der Prüfungen werden ausgewertet und in einem Prüfzertifikat für den Auftraggeber dokumentiert. Mit Etikett Zertifizierung nachweisen Die normgemäße Analyse einer Störlichtbogenschutzkleidung und das Prüfzeugnis müssen vorliegen, um die PSA mit einem CE-Kennzeichen versehen zu können. Bei den meisten Konfektionären wird dieses als Etikett in die Kleidung eingenäht. Als Piktogramm zeigt es die Flamme oder das Doppeldreieck für Störlichtbogenschutzkleidung. Weiterhin nennt es die Prüfnorm, nach der die Schutzkleidung geprüft wurde (DIN EN 61482-1-2), und gibt die entsprechende Schutzklasse, 1 oder 2, des Kleidungsstücks an. Ein Elektrobetrieb, dessen Sicherheitsfachkraft eine Störlichtbogenschutzkleidung vorschreibt, muss bei der Beschaffung der Bekleidung unbedingt auf dieses Etikett (Bild ) achten. Darüber hinaus sollte er sich auch das Prüfzeugnis oder die Konformitätserklärung des Herstellers zeigen lassen, empfiehlt Henrik Beier vom Sächsischen Textilforschungsinstitut (STFI) in Chemnitz. Sollten selbst dann noch Zweifel aufkommen, kann sich das Unternehmen an die Zertifizierungsstelle Schutztextilien (PSA) wenden, um die Echtheit der vorgelegten Zeugnisse zu prüfen und mit dem Stempel des STFI zu bestätigen. Auch Fälschungen treten auf, denn leider machen Plagiate auch bei einer überlebensnotwendigen Schutzkleidung keinen Halt. Eine ausführliche Kontrolle der PSA durch das beschaffende Unternehmen ist daher für den Erhalt der Gesundheit der Mitarbeiter extrem wichtig. Produkthaftung. Bei der Entscheidung für eine importierte Schutzkleidung sollte der Käufer bereits im Vorfeld klären, wer im Schadensfall für das Produkt haftet - der Importeur mit Sitz in Europa oder der im Zweifelsfall nicht erreichbare Hersteller in Fernost. Während ersterer juristisch belangt werden kann, ist der Tausende von Kilometern entfernte Hersteller kaum haftbar zu machen. Bei Unklarheiten in Haftungsfragen kann sich ein Elektrobetrieb auch an Verbraucherschutzinstitutionen wenden. Der Preis macht oft den Unterschied Ein funktionierender Schutz hat auch seinen Preis - und das hat gute Gründe. Die Prüfung einer PSA nach DIN EN 61482-1-2 verursacht Kosten. So muss nicht nur die Kleidung selbst, sondern auch das verwendete Material nach dem aufwendigen Prüfverfahren untersucht werden. Darüber hinaus legt das STFI, eines der ganz wenigen in Europa akkreditierten und auf Störlichtbogen spezialisierten Prüfinstitute, weitergehende Vorgaben für die PSA fest. Dabei beziehen sich die Chemnitzer auf eine Norm aus dem Jahr 2009, die IEC 61482-2. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, einen internationalen Anforderungsstandard für Störlichtbogenschutzkleidung zu unterstützen. Es werden nicht nur wichtige Parameter einer Schutzkleidung im Gebrauch abgebildet, sondern darüber hinaus die Ergebnisse weiterer Prüfungen ausgewertet: · Die Maßänderung einer Haushaltswäsche darf nach 5 Wäschen nicht mehr als 3 % betragen · Ermittlung des Flammenausbreitungsindex nach Vorbehandlung gemäß DIN EN ISO 11612 für alle Schichten. Es darf kein Weiterbrennen zur Oberseite oder Seitenkante stattfinden; es darf nicht zu einem brennenden oder schmelzenden Abtropfen kommen. Kommt es zum Nachglimmen, darf sich dieses nicht ausbreiten. Es darf keine Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 1 35 PSA - auf Nummer sicher Obschon sie Leben retten kann, gibt es erst seit kurzer Zeit ein genormtes Prüfverfahren für Störlichtbogenschutzkleidung. Mit dem Verfahren in einem Boxtest nach IEC 61482-1-2, das den IEC-Standard 61482-1 ergänzt, ist seit Januar 2007 ein europaweit harmonisiertes Verfahren verfügbar, um auf einer einheitlichen Basis die Schutzkleidung auf ihre Beständigkeit gegenüber den thermischen Einwirkungen des Störlichtbogens zu testen. Das kann auf Wunsch auch zertifiziert werden. BETRIEBSFÜHRUNG Störlichtbogenfeste Warn- und Wetterschutzkleidung Fotos: Tempex Tafel Prüfbedingungen für den Box-Test Schutz- Einwirk- Lichtbogen- Proben- Lichtbogen- Prüfstrom klasse energie energie abstand zeit 1 423 kJ/m2 318 kJ 300 mm 500 ms 4 kA 2 135 kJ/m2 158 kJ 300 mm 500 ms 7 kA Zertifizierte PSA mit Piktogrammen, die die Schutzkleidungstype angeben Lochbildung entstehen; die Nachbrennzeit darf höchstens 2 s betragen. · Ermittlung der Weiterreißfestigkeit bei leichten Geweben von 150 bis 220 g/m² für Hemden und bei schwereren Qualitäten ab 220 g/m² für Jacken und Hosen · Ermittlung der Höchstzugkraft bei leichten und schwereren Qualitäten · Feststellen des verwendeten Nahtmaterials; dieses muss schwer entflammbar sein · Ermittlung des Innenfutters (falls vorhanden); es dürfen nur schwer entflammbare Materialien verarbeitet worden sein. Darüber hinaus fordert das STFI für eine Zertifizierung noch einen hinreichend hohen Durchgangswiderstand, der mindestens dem von Schweißerschutzkleidung entsprechen muss. Nach Auffassung des Instituts sind diese Vorgaben für die Zertifizierung einer PSA zum Schutz gegen Störlichtbögen ein unbedingtes Muss. Sollte eine eingereichte Kleidung diese Anforderungen nicht erfüllen, erhält sie von den Sachsen keine Zertifizierung. Und genau diese Einstellung kann den Unterschied - auch einen preislichen - bei einer geprüften und mit einem Zeugnis ausgestatteten Schutzkleidung ausmachen. Aber die Nutzung der IEC 61482-2 als Anforderungsstandard für die PSA ist nicht verbindlich. Wenn ein akkreditiertes Institut diese Prüfungen für die Gebrauchstüchtigkeit einer Störlichtbogenschutzkleidung nicht als notwendig erachtet, ist das für den Auftraggeber zumindest preislich günstiger. PSA für den vielseitigen Einsatz Für die Zertifizierung einer Störlichtbogenschutzkleidung ist einzig die DIN EN 61482-1-2 ausschlaggebend (Bild ). Häufig findet sich auf der PSA aber auch die Norm DIN EN ISO 11612 mit dem identischen Piktogramm, der Flamme. Der Grund dafür liegt in der ähnlichen Prüfung von Kleidung zum Schutz gegen Hitze und Flammen und der für Störlichtbogenschutz. Und weil auf dem Weg zur Störlichtbogenschutzkleidung auch die eingesetzten Gewebe geprüft werden müssen, lassen viele Hersteller das Material gleich auch noch auf dessen Eignung für Hitze- und Flammschutzkleidung, aber auch für Warn- und Witterungsschutz untersuchen. Oft wird zudem die Tauglichkeit der Textilien auf Schweißerschutz gemäß DIN EN ISO 11611 überprüft, denn Störlichtbögen gehen häufig mit Metallspritzern aus der Anlage einher. PSA zum Schutz gegen Störlichtbögen kommt daher oft als Multifunktionskleidung (Bild ) daher. Sie entspricht damit dem aktuellen Trend im Bereich der Schutzkleidung, die dem Träger auf mehreren Gebieten eine hohe Sicherheit bieten soll. Aktuelles zur Normung Im März 2010 wird es voraussichtlich eine weitere Prüfnorm für Störlichtbogenschutzkleidung geben, die besonders für Exporteure wichtig ist. Die DIN EN 61482-1-1 ist in Anlehnung an den US-amerikanischen Standard ASTM F 1959-05 entwickelt worden. Im Gegensatz zur DIN EN 61482-1-2 findet eine Prüfung im Mittelspannungsbereich und einem Kurzschlusswechselstrom von 8 kA statt. Die Lichtbogendauer ist variabel. Bei der Untersuchung wird die Energiemenge in kJ/m² oder cal/cm² festgestellt, die noch nicht zu Verbrennungen 2. Grades führt und als Arc Thermal Performance Value (ATPV-Wert) ausgewiesen. Je höher der ermittelte Wert, desto besser ist die Schutzwirkung der Kleidung. Ein weiterer Faktor der Materialklassifizierung ist der Heat Attention Factor HAF, der die Hitzedämmung in Prozent angibt. Störlichtbogenschutzkleidung kann eine Zertifizierung nach der neuen Norm erhalten, wenn der ATPV-Wert wenigstens 4 cal/cm² beträgt und sie die Anforderungen der Schutzklasse 1 der DIN EN 61482-1-2 erfüllt. Die neue Norm wird in Europa wahrscheinlich als Ergänzung zu dem bereits bestehenden genormten Prüfverfahren betrachtet und vornehmlich für Schutzkleidung angewendet, die nach Übersee exportiert wird. S. Anton-Katzenbach Elektropraktiker, Berlin 64 (2010) 1 BETRIEBSFÜHRUNG Elektriker-Gesichtsschutzschirme von Preising, bisher erfolgreich geprüft nach RWE-Eurotest-Prüfmethode, im IPH Berlin und dem Prüfgrundsatz GS-ET 29 der BG Foto: ep Diese Störlichtbogenschutzkleidung für Elektriker ist sicher, aber auch funktionell Foto: Fristads Schutzhandschuhe für elektrotechnische Arbeiten, getestet im Boxtest Klasse 2 Foto: Dehn

Autor
  • S. Anton-Katzenbach
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