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Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Messen und Prüfen

Prüfung von DC-Quellen

ep10/2022, 3 Seiten

?Im Zuge der innerbetrieblichen Geräteprüfung nach DIN-VDE 0701-0702 wurde ein kleiner rollbarer Schaltschrank mit einem CEE–Anschlusskabel 63 A an uns übergeben. In diesem sind zwei bidirektionale DC-Quellen mit jeweils 20 kW und weitere Kommunikationstechnik verbaut. Nach erfolgreicher Überprüfung von Schutzleiter- und Isolationswiderstand mit unserem Gerätetester (nach DIN VDE 0404) sollte nun der Schutzleiterstrom mittels Differenzstrommessung ermittelt werden. Dabei löste der RCD (Typ A), der die Versorgung für unseren Gerätetester speiste, allerdings immer wieder aus. Infolgedessen haben wir uns dafür entschieden, eine Ableitstrommessung im direkten Verfahren durchzuführen. In Ermangelung einer Leckstromzange trennten wir den Schutzleiter zwischen Zuleitung und PE-Reihenklemme im Schaltschrank auf, um ein Multimeter zur Strommessung in Reihe zu schalten (True RMS, Messbereich bis 400 mA, Wechselstrommessung zwischen 45 Hz und 1 kHz). Nach Einschalten der Quellen im Leerlauf wurde ein schwankender Strom zwischen 10 mA und 85 mA angezeigt. Die Schwankung erstreckte sich dabei über einen Zeitraum von 30 s. Die Kontrollmessung mit einem Multimeter eines anderen Herstellers ergab ähnliche Werte. Nun sind höhere Ableitströme als 3,5 mA bzw. 10 mA in Geräten, Anlagen und Maschinen mit verbauter Leistungselektronik heute nichts Ungewöhnliches mehr. Der Prüfling darf nach den folgenden erbrachten Maßnahmen weiterhin betrieben werden: Schutzleiter über der gesamten Länge in 10 mm2 CU, automatische Abschaltung bei Verlust des Schutzleiters und Warnschild „Achtung! Hoher Ableitstrom > 10 mA“. Allerdings hätte ich gerne die Bestätigung des Herstellers, dass das Gerät baubedingt bereits einen höheren Ableitstrom aufweist. Und dabei kommen wir jetzt zu einigen Problemen: Der Hersteller der Quellen gibt den Ableitstrom (für je eine einzelne Quelle) mit < 10 mA an. Der Schaltschrankbauer, welcher sich vom Hersteller der Quellen unterscheidet, bezieht sich uns gegenüber immer wieder auf diese Angabe und hat anscheinend nach Fertigstellung seines Produktes keine erneute Messung durchgeführt. Meiner Auffassung nach hat der Schaltschrankbauer aber mit dem Einsetzen und Verbinden zweier Quellen in einen Schaltschrank und dem Einbau von Kommunikationstechnik (Netzteil und Ethernet-Adapter) ein neues Produkt hergestellt und muss vor dem Inverkehrbringen dieses Produktes eine CE-Konformität inklusive aller dafür erforderlichen Protokolle, Prüfungen und Messungen erklären. Hierbei sei angemerkt, dass der Schaltschrankbauer das Produkt ohne Anschlusskabel geliefert hat. Kabel und CEE-Stecker wurden von dem Kollegen am Einsatzort angeschlossen. Meine konkreten Fragen sind die folgenden:Hat der Schaltschrankbauer ein neues Produkt hergestellt? Ist er uns somit ein Prüfprotokoll schuldig?Müssen wir nach Anschluss des Kabels eine neue Prüfung durchführen?Können wir ein Warnschild bezüglich des hohen Ableitstroms anbringen und das Gerät dann betreiben? (Der Schutzleiter ist durchgängig in 16 mm² ausgeführt)Welche Möglichkeiten oder Geräte gibt es, um die automatische Abschaltung der Versorgung bei Verlust des Schutzleiters zu realisieren?


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Autor
  • M. Lochthofen
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