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Elektrotechnik | Regenerative/Alternative Energien

EEG-Novelle 2016 ante portas

Nachgefragt bei Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer BSW-Solar
ep6/2016, 1 Seite

Der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor soll laut Bundesregierung auf mindestens 80 % bis 2050 steigen. Renommierte Energieforscher fordern für einen wirksamen Klimaschutz sogar bereits bis 2040 einen Anteil von 100 % erneuerbare Energien am deutschen Bruttostromverbrauch. Jüngst wurde der Referentenentwurf für das EEG 2016 veröffentlicht. Hierzu fragte der ep beim BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig nach.


439 Ganz Vorne Elektropraktiker, Berlin 70 (2016) 6 | www.elektropraktiker.de Zum Entwurf des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG-Novelle 2016 ante portas Der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor soll laut Bundesregierung auf mindestens 80 % bis 2050 steigen. Renommierte Energieforscher fordern für einen wirksamen Klimaschutz sogar bereits bis 2040 einen Anteil von 100% erneuerbare Energien am deutschen Bruttostromverbrauch. Jüngst wurde der Referentenentwurf für das EEG 2016 veröffentlicht. Hierzu fragte der ep beim BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig nach. Herr Körnig, welche Maßnahmen erkennen Sie im jetzt veröffentlichten Referentenentwurf des neuen EEG 2016, um die Ausbau- und Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen? C. Körnig: Kaum welche, weder bei der Solar energie noch den übrigen Erneuerbaren Ener gien. Wenn das Gesetz so verabschiedet wird, wird sich die Energiewende weiter verlang samen. Wenn die Bundesregierung den kürz lich unterzeichneten Klimavertrag von Paris ernst nimmt, muss sie den vorliegenden Gesetzesentwurf dringend überarbeiten. Es ist kein Wunder, dass immer mehr Experten im Ausland angesichts der aktuellen deut schen Energiewendepolitik nur noch den Kopf schütteln. Deutschland hat maßgeblich zur technischen Lernkurve der Photovoltaik beigetragen, auch finanziell. Und jetzt, da die Photovoltaik sogar noch preiswerter geworden ist, als von den größten Optimisten voraus gesagt, werden die Früchte vor allem von anderen geerntet. Das ist wirklich nicht nach vollziehbar. Wenn wir uns international als Energiewendeweltmeister gerieren, hierzu lande jedoch immer kleinere Schritte machen, setzen wir nicht nur unsere Glaubwürdigkeit, sondern auch zuneh mend unsere technolo gische Spitzenposition aufs Spiel. Mit dem EEG 2014 haben sich die Rahmenbedingungen für den Betrieb neuer PV-Anlagen erheblich verändert. Welche Auswirkungen brachte die Eigenverbrauchs-Umlage für die Branche? C. Körnig: Solarstrom rechnet sich nach wie vor für Eigenheimbesitzer und auch viele Ge werbebetriebe, doch das EEG 2014 hat das PV-Geschäft unnötig kompliziert gemacht. Die EEG-Umlage auf solaren Eigenverbrauch war ein ökologischer Sündenfall. Er hat die Investitionsbereitschaft in die Photovoltaik massiv ausgebremst und für viel Verunsiche rung gesorgt. Wir bieten als Verband viele Hilfestellungen an, diese Hürden zu überwin den. Anstatt weitere Barrieren zu schaffen, sollte die politische Diskriminierung dezentra ler solarer Selbst- und Direktversorgerkon zepte endlich ein Ende haben! Das Verur sacherprinzip steht Kopf, wenn engagierte Mieter für Solarstrom vom eigenen Hausdach mit sechs Cent je Kilowattstunde die Ener giewende selbst finanzieren sollen, während die größten Verbraucher konventioneller Ener gien in der Industrie von den Kosten der Ener giewende weitgehend befreit werden. Der Erfolg der Energiewende steht und fällt mit einer hohen Akzeptanz und Partizipation mög lichst vieler Menschen und Unternehmen. Würde der Solarstrom vom Dach des Miets hauses nicht künstlich verteuert, bedienten Energieversorger, Stadtwerke und Wohnbau gesellschaften ihre Kunden und Mieter längst mit preisgünstigen Solartarifen. Wie sind die Aussichten, gegen die Umlage gerichtlich vorzugehen? C. Körnig: Mit einem breiten Bündnis von Unterstützern sind wir dabei, gerichtlich gegen die EEG-Umlage auf solaren Eigenverbrauch vorzugehen. Wir sehen durchaus Chancen, die Regelung notfalls in Karlsruhe zu Fall zu bringen. Seit 2015 werden die Lizenzen für den Bau ebenerdig errichteter Solarstromkraftwerke stark limitiert und von der Bundesnetzagentur über ein Auktionsverfahren vergeben. Würden Sie sagen, dass sich dieser Fördermechanismus bewährt hat? C. Körnig: Der Auktionsmechanismus hat seine Bewährungsprobe erst bestanden, wenn sichergestellt ist, dass die Ausschrei bungsgewinner ihre Projekte auch tatsächlich realisieren. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass - anders als auf Gebäuden - Auktionen bei großen professionellen ebenerdigen Solar parks funktionieren können. Die bisherigen Ausschreibungsrunden haben zumindest ge zeigt, wie groß die Investitionsbereitschaft in Deutschland nach wie vor ist und zu welch niedrigen Preisen hierzulande Solarstrom pro duziert werden kann. Alle vier Ausschreibungs runden waren mehrfach überzeichnet. Sollten die Gewinner ihre Projekte nun auch tatsäch lich umsetzen, könnte künftig deutlich mehr PV-Leistung auf Freiflächen ausgeschrieben werden. Da sich auf landwirtschaftlichen Flächen Solarparks erfahrungsgemäß deutlich günstiger realisieren lassen als auf Konver sionsflächen, sollte die enge Flächenkulisse jedoch gelockert werden, das würde die Kosten noch weiter reduzieren. Sie warnen davor, den Förder chanismus generell auf ein Ausschreibungsverfahren umzustellen. C. Körnig: Wer tatsächlich tausende private und gewerbliche Investoren in Ausschrei bungsverfahren zwingen wollte, schafft nicht nur ein büro kratisches Monster, sondern will ein vollständiges Aus für die dezentrale solare Energiewende. Wer heutzutage eine Solarstromanlage auf das Dach seines Hauses bauen lässt, möchte sich mit eigenem Solarstrom versorgen und dadurch seine Energiekosten senken. Die finanziellen und planerischen Risiken einer Ausschreibung sowie der bürokratische Auf wand würden die meisten Investoren jedoch frühzeitig abschrecken. Auktionen wären mit den Entscheidungs- und Bauplanungsprozes sen unvereinbar und bei der Gebäude-Photo voltaik zum Scheitern verurteilt. BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig

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