Betriebsführung
Nachfolge im Handwerksbetrieb
ep3/2004, 2 Seiten
An den Junior übergeben, vom Senior übernehmen Auch wenn der Betrieb in der Familie bleibt, so sollte dies - ebenso wie bei der Übergabe an einen Dritten - bestimmten Regularien folgen, zentrale Fragen für die weitere Betriebsführung beantworten und die schriftliche Form waren. Zu wichtigen Meilensteinen einer Übergabe gehören unter anderem: · Zu früh ist nie zu spät. „Kalkulieren Sie mindestens fünf Jahre für den gesamten Prozess der Unternehmensübergabe“, so dass Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. · Weiter wie bisher? Der bisherige Firmeninhaber besitzt, auch wenn dies nicht in irgendwelchen Dokumenten und Plänen festgeschrieben ist, eine bestimmte Geschäftsausrichtung. Dem Nachfolger muss die Möglichkeit gegeben werden, diese zu überprüfen (neu-deutsch: Businessplan erstellen) (Tafel ). Hierbei sind Fragen wie: Soll die ursprüngliche Geschäftsidee unverändert weitergeführt werden? Wie groß ist das Marktvolumen der zukünftigen Kunden? Was bietet die Konkurrenz? Welches Personal wird für eine veränderte Geschäftsausrichtung benötigt? zu beantworten. · Verträge ohne Ende. Ein gründlicher Blick in die bestehenden Verträge ist obligatorisch. Von der Rechtsform (Gmb H, GbR udgl.) und Einzelheiten im Gesellschafts-/Gesellschaftervertrag über Miet- und Leasingverträge sowie Arbeitsverträge bis zu den verschiedenen Versicherungen. Und auch für die förmliche Übergabe sollten Senior und Junior einen Vertrag unterzeichnen. Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 3 198 BETRIEBSFÜHRUNG Nachfolge im Handwerksbetrieb „Das Unternehmen bleibt in der Familie“, so heißt es in einer Broschüre des Wirtschaftsministeriums zum Thema „Nachfolgereglung“. Im Folgenden wird kurz vorgestellt, welche wichtigen Aspekte in Hinblick auf eine Übergabe vom Senior an den Junior (und natürlich auch an Dritte) zu beachten sind. Tafel Businessplan für die Unternehmensnachfolge Der Businessplan zur Unternehmensnachfolge sollte u.a. folgenden Punkte berücksichtigen: Soll-Zustand des Unternehmens Ist-Zustand des Unternehmens Die Idee Meine Geschäftsidee Ursprüngliche Geschäftsidee des Inhabers Welche Leistungen will ich Was wird derzeit angeboten? zukünftig anbieten? Welchen Nutzen hat mein Welchen Nutzen hat das zukünftiges Angebot? aktuelle Angebot? Was soll mein(e) Produkt/ Was kostet das bestehende Dienstleistung kosten? Angebot? Der Markt Welche Kunden werden meine Wer kauft das derzeitige Angebot? Produkte kaufen? Wie groß ist das zukünftige Wie groß ist das derzeitige Marktvolumen? Marktvolumen? Wie werbe ich neue Kunden für Wie wurden bisher neue Kunden bestehende Produkte/Dienst- gewonnen bzw. Kunden gehalten? leistung? Wird das Absatzgebiet durch die Wie groß ist das jetzige Absatz- Übernahme vergrößert? gebiet? Die Konkurrenz Werde ich durch mein neues Wer gehört zur bestehenden Angebot neue Konkurrenten Konkurrenz? erhalten? Was kostet mein Angebot bei Zu welchem Preis bietet die der Konkurrenz? Konkurrenz das bestehende Angebot an? · Das liebe Geld. Zwei Aspekte stehen im Vordergrund. Zum Einen die Weiterführung des Betriebes. Zentrale Schlagworte sind Investitionen und Liquidität. Die andere Seite betrifft die Bezahlung des Unternehmens, also die Sicherung der Altersversorgung des Seniors. Geschieht dies in Form der vorweggenommen Erbfolge bzw. Schenkung, so ist anzunehmen, dass der Senior zuvor Vorkehrungen für seine finanzielle Absicherung im Alter getroffen hat. Ist dies nicht der Fall, so wird auch bei der Familienübergabe ein Kaufpreis zu erstatten sein: Als Einmalzahlung oder wiederkehrende Leistung (beispielsweise als monatliche Rente). In einem solchen Fall ist der Unternehmenswert zu ermitteln. · Übergabe organisieren und durchführen. Für die Übergabe sollten die Beteiligten einen Fahrplan festlegen, der z. B. genau fixiert, wann etwa der Junior allein und ausschließlich für das Personal zuständig ist. Unternehmensbewertung Eine der wesentlichen Fragen, in der sich Senior und Junior einigen müssen, betrifft den Wert des Unternehmens. Dieser bestimmt den möglichen Kaufpreis des Betriebes bzw. die bei einer unentgeltlichen Übertragung/Schenkung (oder Erbschaft) anfallende Erbschafts- und Schenkungssteuer. Hilfreich ist immer eine Wertermittlung, die sich an Realitäten und nicht Wünschen orientiert. Für die Ermittlung des Firmenwertes existieren mehrere Verfahren. In der langjährigen Anwendung haben sich zwei herauskristallisiert. Substanzwertverfahren. Oder: Wie teuer wäre es, das Unternehmen in seinem jetzigen Zustand neu zu errichten? Die vorhandenen Vermögenswerte des Betriebes werden addiert, bestehende Schulden abgezogen. Das Ertragswertverfahren blickt in die Zukunft. Vereinfacht formuliert geht es darum, künftige Erträge des Unternehmens auf den heutigen Tag abzuzinsen. Sie ergeben den sogenannten Barwert, der zum Kaufpreis für die Firma werden kann. Ein einfaches Beispiel: Jahresertrag/ Zinsbetrag: 48.000 Euro, Zins: 8 % (48.000: 8 x 100) Ertragswert: 600.000 Euro. Nicht vergessen. Familiengerichte ziehen für die Berechnung des Unternehmenswertes und die Ermittlung von Zugewinnansprüche häufig anteilmäßig Substanz- und Ertragswertverfahren heran (s. WEB-Tipp). Fazit Der Generationswechsel in einem Unternehmen ist für alle Beteiligten ein wichtiger Lebenseinschnitt. Alle wünschen sich einen harmonischen Wechsel. Jedoch angesichts unterschiedlicher Interessen treten in der Zeit des Unternehmensübergangs immer Konflikte auf. Darauf müssen sich alle Beteiligten vorbereiten. D. Maas Elektropraktiker, Berlin 58 (2004) 3 WEB-TIPP www.bmwi-sofwarepaket.de www.focus.de/D/DB/DBY/ DBY10/dby10.htm, (Groß- und Kleinschreibung!) www.change-online.de Anzeige
Autor
- D. Maass
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