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Elektrotechnik | Elektrosicherheit | Schutzmaßnahmen

Mehrere Küchengeräte an einem Herdanschluss

ep7/2020, 2 Seiten

In der Wohnung eines älteren Hauses von Freunden sind alle Steckdosen für Küchengeräte (Kühlschrank, Dunstabzugshaube, Mikrowelle, Geschirrspülmaschine und Wasserkocher) an L1 der Herdanschlussdose angeschlossen (Herd 11400 W; Zuleitung hier 5 × 1,5 mm2, Absicherung durch drei Schraubsicherungen gL 16 A). Ein mit einem eCheck beauftragter Elektrofachbetrieb hat bei Besichtigung der Anlage lediglich den defekten FI (300 mA, 40 A) und einen Bruch in der Abdeckung der Herdanschlussdose bemängelt. Mir ist noch aufgefallen, dass in der Küche enorme Mengen an gL-Schraubsicherungen des Vormieters lagern. Wie bewerten Sie diese Installation? Aus meiner Sicht ist die Aufteilung eines Drehstromkreises in drei Wechselstromkreise auch unter Verwendung eines gemeinsamen Neutralleiters zulässig. Die Voraussetzung dafür ist eine allpolige Abschaltvorrichtung, also aus meiner Sicht ein vierpoliger LS-Automat. Durch Oberschwingungen gehe ich auf jeden Fall von einem Strom auf dem Neutralleiter aus. Ich würde als Schutzmaßnahme wenigstens eine Überwachung des Neutralleiters vorsehen. Ggf. wäre eine Lastabwurfschaltung sinnvoll. Wie sieht hier die normative Sicht aus? Besteht eine Pflicht zur Neuverdrahtung?


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Hinweis. Die Verwendung nur einer Fehlerstrom-Schutzschutzeinrichtung (RCD) für die gesamte Wohnung ist heute nicht mehr Stand der Technik.

Zu den konkreten Fragen. Wenn die Anzahl der angeschlossenen Verbrauchsmittel, aber insbesondere die Leistung des Elektroherdes beibehalten werde soll, dann bleibt aus meiner Sicht nur, dass für den Herd eine neue Leitung mit mindestens 5 × 2,5 mm2 verlegt wird. Dieser Stromkreis kann dann durch Leitungsschutzschalter mit 20 A geschützt werden, sofern die Verlegeart B2 eingehalten wird. Eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA ist für diesen Stromkreis nicht gefordert.

Für die restlichen Verbraucher könnte die bisherige Herdzuleitung verwendet werden. Dieser Stromkreis sollte dann auf mehrere Wechselstromkreise mit gemeinsamem Neutralleiter aufgeteilt werden. Bei entsprechender Aufteilung auf die drei Außenleiter wäre ein gleichzeitiger Betrieb aller Verbraucher möglich.

Die für diesen Stromkreis notwendige Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA, erfüllt gleichzeitige die geforderte Abschalteinrichtung. Wobei auch hierfür der Einsatz einer RCBO (FI/LS) sinnvoll wäre.

Fazit. Schon allein wegen der Leistung des Elektroherdes von 11400 W ist eine Änderung der elektrischen Anlage zwingend notwendig.

Da, wie der Anfragende schildert, der Elektrofachbetrieb mit der Durchführung eines E-Checks beauftragt war, hätte er die vorgefundene Ausführung der elektrischen Anlage im Küchenbereich beanstanden müssen und dies im Prüfprotokoll entsprechend dokumentieren müssen.


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Literatur

DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2013-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen.

DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2003-06 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5: Auswahl und Errichtung von elektrischen Betriebsmitteln – Kapitel 52: Kabel- und Leitungsanlagen.

DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4):2013-06 Verwendung von Kabeln und isolierten Leitungen für Starkstromanlagen – Teil 4: Empfohlene Werte für die Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen für feste Verlegung in und an Gebäuden und von flexiblen Leitungen.

DIN VDE 0100-430 (VDE 0100-430):2010-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-43: Schutzmaßnahmen – Schutz bei Überstrom.


Autor
  • W. Hörmann
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