Fortbildung
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Elektrotechnik
Ideenschmiede BSZ Döbeln
ep4/2009, 1 Seite
Eine weitere Erfolgsstory Nicht zum ersten Mal machen Azubis und ihre Berufsschullehrer des Döbelner BSZ auf sich aufmerksam. Im Ergebnis eines engagierten Messeauftritts am Stand des ep zur efa 2007 in Leipzig kam ein neues Projekt ins Rollen. Der Leuchtenhersteller Richter Elektrotechnik wurde dort auf die hochmotivierten Jugendlichen aufmerksam und übertrug den angehenden Elektronikern eine anspruchsvolle Aufgabe - die Entwicklung einer elektronischen Steuerung für die Endkontrolle von Schaltschrankleuchten. Startschuss Oktober 2007 Noch im Oktober 2007 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Richter Elektrotechnik und der Arbeitsgemeinschaft Elektrotechnik des BSZ Döbeln geschlossen (Bild ). Vier Auszubildende des dritten Ausbildungsjahres unter Leitung ihres Fachlehrers Bumke nahmen sich der Aufgabe an. Eigenständig planen, durchführen und kontrollieren Während die Jugendlichen ihre Aufgaben mit hoher Eigenständigkeit erfüllten, trat der Fachlehrer als Mentor in Aktion. Zuerst mussten die Azubis ihre Vorgehensweise planen und die Arbeit in der Gruppe aufteilen. Analyse. Im ersten Schritt analysierten sie die Produktendkontrolle (Bild ), indem sie die zu prüfenden Schaltschrankleuchten, die eingesetzten Prüfgeräte und den Prüfablauf untersuchten. Die Produktendkontrolle wurde durch die Auszubildenden im Unterrichtslabor nachgestellt. Der Leuchtenhersteller lieferte für diese Untersuchungen Prüflinge aus der Produktpalette und die erforderliche Prüftechnik. Die Handlungsabläufe wurden durch die Auszubildenden exakt herausgestellt und zeitlich erfasst. Besonderes Augenmerk legte man auf wiederkehrende Abläufe, da hier ein Rationalisierungspotential vermutet wurde. Auf die eigene Leistungsfähigkeit vertrauen Nach Abschluss der Untersuchungen waren sich die Auszubildenden plötzlich nicht mehr ganz sicher, ob sie die Aufgabe überhaupt lösen können. Sie hatten das Gefühl, dass die Komplexität der Aufgabe ihr Leistungsvermögen übersteigt. Dieser Sachverhalt war umso interessanter, da die Automatisierungstechnik ein Schwerpunkt in der berufstheoretischen Ausbildung des ersten und zweiten Ausbildungsjahres war. Dieses Projekt war deshalb wie geschaffen, das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit herauszubilden. Mit Unterstützung ihres Fachlehrers und durch bewusstes Anwenden ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erstellten die Auszubildenden einen Anforderungskatalog für eine Automatisierungslösung und entwickelten ein Lösungskonzept. Umsetzung des Konzepts Bei einem Arbeitstreffen am BSZ Döbeln wurde das Konzept dem Geschäftsführer Richter vorgestellt. Alle anfänglichen Zweifel in die eigene Leistung waren sofort verflogen, als das Konzept vom Kooperationspartner Bestätigung fand. Jetzt folgte die Umsetzung in die Tat. Schaltplan. Im nächsten Schritt entwickelten die Auszubildenden den Schaltplan für die Automatisierungslösung in Verbindung mit einem Programm. Steuerungsaufbau und Programm. Danach wurde die Steuerung als Experimentierschaltung aufgebaut, das Steuerprogramm eingespielt und beides getestet. Und wie das mit Steuerungen nun mal so ist, klappt es nicht gleich beim ersten Mal. So muss ein Programm, auch wenn es in der Programmsimulation am PC fehlerfrei arbeitet, in der realen Steuerung noch lange nicht funktionieren. Deshalb wurde so lange immer wieder umgebaut, verworfen, umprogrammiert, erweitert und getestet, bis etwa ein dreiviertel Jahr nach Projektbeginn eine funktionstüchtige Steuerung (Bild ) vorlag. Visualisierung. Ein wichtiger Punkt war die Visualisierung. Dem Bediener sollten alle Einstellungen und Schaltungszustände angezeigt werden. Die klassische Variante mit Leuchtmeldern wurde zugunsten eines Displays fallengelassen. Das Display ermöglicht die Ausgabe von Texten, um nicht nur Einstellungen und den Prüffortschritt, sondern auch Fehlermeldungen anzeigen zu lassen. Mit den Aufgaben wachsen Für die Auszubildenden war diese Phase sehr spannend und motivierend, denn es zeigte sich, dass das Konzept richtig und die Aufgabe lösbar war. Schwierigkeiten wurden als Herausforderung angesehen. In der letzten Phase musste die Steuerung so aufgebaut werden, dass diese in der Produktendkontrolle eingesetzt werden konnte. Die angehenden Elektroniker wählten das Gehäuse, die notwendigen Steuerungskomponenten, die Klemmen, Schalter, Schutzeinrichtungen, Visualisierungskomponenten und das Netzteil aus. Danach bearbeiteten sie das Gehäuse, montierten und verdrahteten die Komponenten und erstellten parallel dazu die Dokumentation. Das Ergebnis kann sich sehen lassen Am 13. November 2008 übergab die Projektgruppe voller Stolz die Steuerung an die Richter Elektrotechnik. Nach einem Jahr intensiver Arbeit wurde das Projekt damit erfolgreich abgeschlossen. Gemeinsam hatten die Auszubildenden 300 Arbeitsstunden dafür investiert - und das fast ausschließlich in ihrer Freizeit. Sie installierten vor Ort die Steuerung und führten eine Mitarbeiterschulung durch. Seitdem arbeitet die Steuerung erfolgreich in der Produktendkontrolle. Nach Angaben des Geschäftsführers Richter, reduzierte sich damit die Dauer der Endprüfung pro Leuchte auf ein Drittel der Zeit, was bei großen Stückzahlen einen enormen Vorteil bringt. Für die Jugendlichen bedeutete das nicht nur ein Zugewinn an Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern vor allem Selbstvertrauen in die eigene Leistung. F. Bumke Elektropraktiker, Berlin 63 (2009) 4 266 BRANCHE AKTUELL Ideenschmiede BSZ Döbeln Seit November 2008 werden in der Produktendkontrolle der Richter Elektrotechnik Schaltschrankleuchten vollautomatisch geprüft. Die dafür notwendige Steuerung entwickelten und bauten zukünftige Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik vom Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Döbeln. Projektteam des BSZ bei der Übergabe der Steuerung - v.l.n.r. Auszubildende Runge, Eulitz, Hänsel und Kovtun; im Vordergrund Geschäftsführer Richter Die Azubis Kovtun und Eulitz bei der Modifizierung der Versuchsschaltung im E-Techniklabor (v.l.n.r.) Azubi Hänsel erstellt das Programm für die Steuerung Fotos: BSZ Döbeln
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