Elektrotechnik
Heimautomatisierung und Handwerk im Fertighausbau Teil 2: Erfahrungen und Praxisberichte von Elektrounternehmen
ep4/2002, 2 Seiten
Zu Wort kommen der Leiter der Abt. Elektro von Weber Haus und Firmeninhaber bzw. Spezialisten aus drei Elektrounternehmen, die für die Fertighaushersteller Haas Fertigbau und Weber Haus arbeiten. Alle verfügen über Erfahrungen aus mehreren EIB Installationen. Einige Erfahrungswerte im Umgang mit EIB Anlagen sind dabei auch über den Fertighausbau hinaus gültig. Bei beiden Fertighausherstellern werden alle neuen Musterhäuser als „intelligente Häuser“ gebaut, wobei man jedem Kunden beliebig ausbaubare und somit individuelle Lösungen bietet. Orientierung findet der Endverbraucher bei Haas Fertigbau in der Ausstattung der „starline“-Häuser, die die instabus Grundinstallation, ein Kontroll-Display, die Lampen-Zentralabschaltung, Fensterkontakte und einen Panik-Schalter beinhaltet. Bei Weber Haus können die Endverbraucher verschiedene Ausstattungsstufen in der „world of living“ erleben. 1 Von der Kundenberatung zum Elektroprojekt Heinz Weber, Chef der Abteilung Elektro bei Weber Haus, zu den Betriebsabläufen: Nachdem sich der Kunde für ein bestimmtes Haus entschieden hat und die Grundrisse individuell angepasst sind, findet die sogenannte Bauherrendurchsprache statt. Bezogen auf die Elektroausstattung werden die Wünsche erfragt und ggf. fällt hier auch die Entscheidung über Funktionalität und Umfang einer instabus-Anlage. In der Elektroabteilung von Weber werden die Anzahl, Art und Einbauorte der Schalter, Steckdosen und sonstigen Installationskomponenten millimetergenau festgelegt. Der Installationsplan wird dann via firmeninternem LAN von der Elektroabteilung in die Produktion übertragen, wo eine softwaregesteuerte Werkzeugmaschine die Löcher für die Dosen schneidet. Wie Herr Minet von der Fa. Elektro Schmidt berichtet, bietet die Holz-Ständerbauweise einen Vorteil bei nachträglichen Änderungen der Elektroinstallation. Wünscht der Kunde z. B. eine zusätzliche Steckdose, werden nach Entfernen der Sockelleiste Löcher unter der nächstgelegenen Schalter-/Steckdosen-Kombination und unter der neuen Steckdose gefräst. Das Durchziehen der Leitung kann nun ohne Beschädigungen an der Wand erfolgen. 2 Vom Elektroprojekt zur instabus-Anlage Die Firma Elektro Schmidt ist langjähriger Partner von Weber Haus. Firmeninhaber Elektromeister Schmidt hat die Betriebsabläufe in seinem Unternehmen auf die Anforderungen des Fertigbaus eingestellt. Bei einer konventionellen Installation trifft der Auftrag für ein neues Haus rund 1 bis 2 Wochen vor Baubeginn ein. Grundlage sind die Pläne aus der Elektroabteilung von Weber Haus. Die Ablaufplanung umfasst die Materialzusammenstellung und die Disposition der Montage. Dafür steht etwa eine Woche zur Verfügung. Die eigentliche Installation vor Ort findet an 1 bis 2 Tagen statt. Etwa 4 Wochen später, zur Endmontage und Abnahme, werden die Messungen nach VDE durchgeführt und ein Prüfprotokoll erstellt. Von diesem geht eine Kopie an Weber Haus, eine weitere verbleibt in der Firma. Herr Minet ist bei Elektro Schmidt der verantwortliche Spezialist für instabus-Anlagen. Nach Beratung und Auswahl der Funktionen bei Weber Haus liegen Herrn Minet nun die Pläne mit bereits eingezeichneten EIB Bedienelementen vor. Bei größeren Anlagen führt er ein weiteres Gespräch direkt mit dem Bauherrn. Zuerst werden die physikalischen Adressen vergeben und in die Pläne eingezeichnet. Im Anschluss folgt die Anlage des ETS Projektes und die Vergabe der Gruppenadressen. Bei größeren EIB-Anlagen wird die Verteilung in der Werkstatt auf Reihenklemmen verdrahtet. Die Programmierung der Aktoren und Sensoren findet in der Firma statt. Als Vorteile sieht Hr. Minet die geringe Fehlerhäufigkeit (max. 1 bis 2 Fehler je Anlage). Die Beschriftung der programmierten Komponenten mit physikalischer Adresse ermöglicht zusammen mit den aktualisierten Plänen die eindeutige Montage der Komponenten vor Ort - auch durch den nicht EIB-geschulten Monteur. Die Dokumentation für den Bauherren umfasst die Abschnitte · ETS Projekt als Ausdruck (Teilnehmer, Gruppenadressen), · Pläne von Weber Haus mit Einbauort und physikalischen Adressen und · Projektdiskette. Fa. Elektro Schmidt bietet ihren Weber-Haus Kunden nach etwa einem halben Jahr Wohnphase eine Anpassung der Programmierung an. Erfahrungsgemäß haben die Bewohner nach dieser Zeit genaue Vorstellungen über gewünschte Veränderungen und zusätzliche Schaltstellen oder sie ordern sogar weitere Funktionen. Gebäudesystemtechnik Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 4 290 Heimautomatisierung und Handwerk im Fertighausbau Teil 2: Erfahrungen und Praxisberichte von Elektrounternehmen S. Szuppa, Erlangen Nach den Betrachtungen zu Kundenbedürfnissen im ersten Teil dieses Beitrags kommen nun ausführende Elektrounternehmen als Erfahrungsträger zu Wort. Besonders die Rolle des Handwerks für die Kundenakzeptanz einer georderten EIB-Anlage wird beleuchtet. Neben den Betriebsabläufen im Fertighaussektor von der Planung bis zur Übergabe an den Kunden geben die befragten Fachleute Tipps, die für den Wohnbau anwendbar sind. Dipl.-Ing. Stephan Szuppa ist verantwortlich für Business Development Intelligent Home bei der Siemens AG, Automation and Drives, Installationstechnik, Erlangen Autor Interaktive Information über intelligentes Wohnen bei Haas Fertigbau Eindeutige Beschriftung eines Bustasters, Fa. Elektro Schmidt 3 Vom instabus-Paket zur individuellen Funktionsvariante Elektro Amler installiert Elektroanlagen in Haas Fertigbau-Häusern. Elektromeister Amler schätzt an der Fertigbauweise, dass die Arbeit leichter ist, Stemmarbeiten werden reduziert. Auch Haas liefert 1 bis 2 Wochen vor Baubeginn detaillierte Installationspläne. Straffe Zeitpläne stellen hohe Anforderungen: Für ein Haus mit konventioneller Elektroanlage veranschlagt Hr. Amler 1 Mann für 2 Tage. Die Installation, Parametrierung und Inbetriebnahme einer instabus-Anlage dauert etwa 5 bis 6 Mann-Tage. Nach der Erfahrung von Hrn. Amler dienen die von Haas angebotenen Pakete zur Information und Orientierung, die Kunden haben jedoch oft darüber hinausgehende individuelle Wünsche. Das fängt bei zusätzlichen Funktionen an und hört bei der Tastenbelegung der Schalter auf. Deshalb führt Hr. Amler die Inbetriebnahme der Anlage beim Kunden durch. Ganz oben auf der Liste der Kundenwünsche stehen die zentrale Rollladensteuerung, der Zentralschalter, die Panikschaltung und die Anzeige von Fensterkontakten per Display. Vorbehalte der Endkunden spürt Hr. Amler immer noch beim Einstiegspreis. Dieser sollte so gering wie möglich sein, muss aber bereits nutzbare Funktionen enthalten. Besonders gute Chancen für eine Nachrüstung sieht er für die Installation der Einzelraumtemperaturregelung. Deshalb plädiert er für eine Leerrohrinstallation zu den Thermostaten und eine Vorbereitung des Anschlusses der Heizkörper an den EIB. 4 Erfahrungen zu Bedienelementen Das Unternehmen Elektro Mehlsteibl ist ebenfalls für Haas Fertigbau tätig. EIB-Spezialist Hr. Asanger bereitet die Projekte in der Firma vor und führt die Inbetriebnahme vor Ort aus. Als Vorteile dieser Verfahrensweise sieht er, dass Änderungen vor Ort noch berücksichtigt werden können, sie ist individueller und wird von den Bauherren gut angenommen. Herr Asanger hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Kunden 1-fach- und 2-fach-Schalter bevorzugen. Die Beschriftung sollte eindeutig sein. Besonders wenn 4-fach- Bustaster zum Einsatz kommen, verwendet Hr. Asanger auch die mitgelieferten Symbole. Für die individuelle Beschriftung per PC wünscht er sich ein einfaches Software-Tool. 5 Rolle von Musterhäusern In einem sind sich alle befragten Elektroinstallationsunternehmen einig: EIB vermarktet man am besten über die Funktion und den konkreten Einzelnutzen. In dem Maße, wie EIB-Funktionen Einzug in die Musterhäuser und Bauherrenberatungen halten, steigt auch das Kaufinteresse. Bild zeigt ein Terminal mit einer interaktiven Information über das intelligente Haus. Ähnlich wie im Internet unter www.intelligentwohnen.de können Interessenten hier spielerisch erfahren, welchen Nutzen instabus im täglichen Leben bringt. Bild zeigt die Beschriftung eines Bustasters. Laut Hr. Minet, Elektro Schmidt, ist es entscheidend, den Tasten eindeutige und leicht verständliche Texte zu geben. Ausgeführt ist die Beschriftung über PC-Ausdruck auf Folie. Zur Reduzierung von Zeit und Aufwand wünscht sich auch Hr. Minet für jedes neue Bus-Schalterprogramm eine einfache Beschriftungssoftware. 6 Fazit Die Installation von EIB-Anlagen wird mehr und mehr zur Normalität. Sie erfolgt im Zusammenspiel zwischen „EIB-Spezialisten“ und erfahrenen Monteuren vor Ort: Vorbereitung, Programmierung und Inbetriebnahme komplexerer Anlagen werden sowohl im Betrieb vorgenommen, als auch durch die „EIB-Allrounder“. Diese begleiten das Projekt von der ETS-Programmierung im Büro bis zur Parametrierung und Inbetriebnahme direkt im Haus des Bauherren. Erlebbarer Nutzen und leichte Bedienbarkeit der Anlage sind aus Sicht der Erfahrungsträger die erfolgsbestimmenden Faktoren. Und nicht zuletzt: zufriedene Kunden kommen wieder. Mit jeder EIB Erstinstallation wird auch die Grundlage für spätere Nachaufträge gelegt. Eine Erkenntnis, die sich gleichermaßen beim instabus-Hersteller, bei den Fertighausherstellern wie bei den Elektroinstallationsunternehmen durchgesetzt hat. Gebäudesystemtechnik Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 4 291 Weber Haus: E-Mail: heinz.weber@weberhaus.de www.weberhaus.de www.world-of-living.de Haas Fertigbau: E-Mail: falkenberg@haas-fertigbau.de www.haas-fertigbau.de Elektro Schmidt, Diersheim: E-Mail: minet@elektroschmidt-gmbh.de Elektro Amler, Predlfing: E-Mail: elektro@amler.de Elektro Mehlsteibl, Falkenberg: E-Mail: mehlsteibl@t-online.de Siemens: E-Mail: stephan.szuppa@siemens.com www.siemens.de/installationstechnik Kontakte
Autor
- S. Szuppa
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