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Elektrotechnik | Installationstechnik | Kabel und Leitungen | Licht- und Beleuchtungstechnik

Feste Verlegung von flexiblen Leitungen

ep4/2004, 2 Seiten

Unser Kunde, ein Museum, hat im Nachbargebäude für sechs Wochen eine Ausstellungsfläche angemietet – ein altes Industriegebäude mit etwa 5 m Raumhöhe. Zur vorhandenen Beleuchtung soll eine Zusatzbeleuchtung für einzelne Exponate in Form von 11 Halogenstrahlern Installiert werden. Die Strahler sind an der Decke über den Exponaten zu montieren und über Stecker an die ausreichend vorhandenen Steckdosen anzuschließen. Die vorhandenen Steckdosen sind auf Putz in etwa 1,10 m Höhe montiert und auf verschiedene Stromkreise aufgeteilt. Nach Abschluss der Ausstellung muss die Fläche in dem ursprünglichen Zustand verlassen werden. Zum Einsatz kamen Halogenstrahler 230 V/500 W, H05RN 3G1 sowie Schukostecker. Während der Ausführung trat ein Mitarbeiter der BEWAG (Gebäudeeigentümer ist die BEWAG) an uns heran und sagte, dass die Verwendung von flexiblen Leitungen bei fest errichteten Anlagen unzulässig ist. Da die Strahler an der Decke festgeschraubt sind, handele es sich um eine ortsfeste Anlage nach VDE 0100. Die Leitungen sind mit Nagelschellen bzw. Schlaufenschellen dezent an der Decke sowie senkrecht an der Wand zur jeweils entsprechenden Steckdose fixiert. Auch hierbei handele es sich um eine feste Verlegung (Schellenabstand etwa 50 cm). Flexible Leitungen dürfen jedoch nicht fest verlegt werden. Also zwei Verstöße gegen die Normen. Die Strahler an Haken aufhängen und die Kabel frei hängen lassen oder über andere Haken hängen, dieses wäre hingegen wieder nach den Normen zulässig und eine Alternative. Unserer Meinung nach • widerspräche dieses aber eklatant der Verkehrssicherungspflicht des Kunden, • stellt dieses eine hohe Unfallgefahr im Publikumsverkehr dar, und • wäre keine fachgerechte Ausführung • sowie bei einer Ausstellung junger Berliner Designer untragbar. Als wir diese Variante konsequent ablehnten wurden wir aufgefordert, eine ortsfeste Anlage unter Verwendung von Mantelleitung NYM-J sowie Übergangsklemmdosen zu errichten. Da eine Einspeisung von NYM über Stecker nicht möglich ist und bei zentraler Einspeisung die Gesamtleistung bei 5,5 kW liegt musste zusätzlich ein Paketschalter an einem Drehstromanschluss montiert werden. Die deutlich höheren Kosten beim Errichten sowie beim Rückbau muss der Kunde tragen. Bei dem Museum handelt es sich um eine Stiftung mit begrenzten Mitteln. Daher konnte der Raum auch nur für sechs Wochen angemietet werden. Kommt es nicht nach den VDE-Bestimmungen auf den Bestimmungszweck der zu errichteten Anlage mit all seinen Komponenten, unter Berücksichtigung der Elektrosicherheit, an? Nun unsere Fragen: 1. Ist die Interpretation ortsfester Anlagen durch den BEWAG-Mitarbeiter richtig? 2. Ist eine mit Nagelschellen oder Kabelbindern fixierte Leitung fest verlegt und damit unzulässig? Sind somit auch an die Wand oder unter Oberschränken geschraubte Steckdosenverteiler unzulässig? 3.Wo sind die Grenzen?


   

Autor
  • W. Meyer
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