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Ein Erfolgskonzept geht auf

Sieger im Bundesleistungswettbewerb fährt zu den Euroskills 2016
ep9/2016, 4 Seiten

Für angehende Elektrotechniker zeichnet sich das Berufliche Schulzentrum Döbeln-Mittweida schon seit Jahren als eine hervorragende Ausbildungsstätte aus. Zudem werden in der eigenen Arbeitsgemeinschaft Elektrotechnik stets spannende Projekte entwickelt und umgesetzt. Deren Anforderungen gehen oft weit über den normalen Unterrichtsplan an der Berufsschule und die praktische Ausbildung im Elektrobetrieb hinaus.


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  • Ausbildungsbetrieb: GET Geräte-Energieanlagen-Telekommunikation GmbH, Geringswalde, Sachsen, Geschäftsführer Günter Busch

  • Herausragender Einzelsieger mit voller Punktzahl beim 5. Mitteldeutschen Lehrlingswettbewerb anlässlich der regionalen Elektrofachmesse „efa 2013“ in Leipzig

  • Erfolgreicher Abschluss des Projekts Funktechnik – mit dem Team der AG unter Leitung seines Lehrers Frank Bumke – ebenfalls zur „efa 2013“ (Bild 3)

    Bild 3: Team der AG Elektrotechnik nach erfolgreicher Projektarbeit bei der efa 2013, darunter auch Sebastian Ruppert (4.v.l.)

  • BLW 2015 in Oldenburg: S. Ruppert erzielte mit 97,1 Punkten das beste Gesamtergebnis im praktischen BLW der handwerklichen Jugend (Bild 1).

    Bild 1: BLW-Schirmherrr Hans-Georg Krabbe und ZVEH-Pr

    • Er wurde gleichzeitig Sieger der Kategorie Elektroniker der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik.

    • Er gewann den zum zweiten Mal ausgelobten Sonderpreis der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik).

    • Zur nächsten Generalversammlung der IEC (International Electrotechnical Comission) wurde er von Dr. Bernhard Thies (DKE) im Oktober 2016 eingeladen. Im Rahmen der Initiative „Next Generation DKE“ ist er damit künftig ein Vertreter im IEC Young Professional Programme.

    • Er ist nominiert als Teilnehmer der Euroskills in Göteborg im Dezember 2016 und vertritt die deutschen E-Handwerke.

  • Das Ergebnis dieser Arbeit sind nicht nur Lösungen auf hohem Wissensniveau, sondern vor allem Schüler, die an diesen Aufgaben gewachsen und hoch motiviert sind – voller Selbstvertrauen in das eigene Leistungsvermögen.

    In Ausbildung investieren lohnt sich

    Das ist vor allem das Verdienst der Berufsschullehrer und Ausbilder. Besonders dem Fachlehrer für Elektrotechnik Frank Bumke gelingt es immer wieder, Auszubildende der verschiedenen Klassenstufen dafür zu gewinnen, in ihrer Freizeit anspruchsvolle elektrotechnische Projekte im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft (AG) Elektrotechnik anzugehen. Das ist nicht immer einfach für die Schüler – oft gibt es Rückschläge, z. B. falsche Lösungsansätze, die die Arbeit von Wochen und Monaten zunichte machen. Dennoch sind die Jugendlichen so motiviert, dass sie beharrlich das Ziel bis hin zur Lösung weiterverfolgen. Am Ende sind sie stolz auf das Erreichte, besonders wenn sie die Ergebnisse ihrer erfolgreichen Arbeit vor ihren Lehrern und Ausbildern der Elektrobetriebe, teils sogar zur regionalen Fachmesse efa in Leipzig (Bild 3) vor großem Fachpublikum vorstellen können. Die dabei erzielten Resultate erreichen oftmals ein hohes Niveau, dass selbst die Elektromeister der Ausbildungsbetriebe bei der feierlichen Übergabe der Projekte nicht schlecht staunen, was ihre Auszubildenden bereits leisten können. Auch daran beteiligte Industriesponsoren sind daher mittlerweile völlig davon überzeugt, dass ihre kleinen Investitionen in die Laborausstattung der Elektrotechniker große Wertschätzung bei Schülern und Lehrern finden – und damit in besten Händen sind.

    Doch es handelt sich bei den Schülern keineswegs nur um Technik-Freaks. An derartigen Projekten beteiligen sich ebenfalls Auszubildende, denen es schwerfällt, komplizierte elektrotechnische Zusammenhänge zu verstehen. Sie werden vom ganzen Team jedoch so unterstützt und mitgenommen, dass auch sie am Ende den Erfolg genießen können.

    Erstmalig Sieg im BLW

    Bereits seit über zehn Jahren begleitet der ep diese erfolgreiche Arbeit am BSZ und berichtet über diese Projekte. Doch das Jahresende 2015 wurde von einem ganz besonderen Ereignis gekrönt: Sebastian Ruppert, Schüler der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik am BSZ Döbeln-Mittweida (Kasten), konnte seine herausragenden Leistungen schließlich auch in Oldenburg zum Bundesleistungswettbewerb (BLW) unter Beweis stellen und ging als Sieger in seiner Fachrichtung hervor (Bild 1).

    Nicht nur sein Meister und der Betriebsleiter des Ausbildungsbetriebs GET Geräte-Energieanlagen-Telekommunikation GmbH, Geringswalde, Sachsen (Bild 2), waren sehr stolz auf diese Leistungen, auch die Geschäftsleitung würdigte den Erfolg gebührend mit einem feierlichen Empfang für Sebastian Ruppert, der inzwischen von GET übernommen wurde. Auch die Leitung des BSZ ließ es sich nicht nehmen, bei solch einer bemerkenswerten Leistung ihres Schülers, diesen offiziell auszuzeichnen:

    Bild 2: Champion Sebastian Ruppert 2.v.r. im Kreis von R

    Sebastian Ruppert durfte sich am 23. Januar 2016 in das Goldene Buch des BSZ Döbeln-Mittweida eintragen, worauf sein Fachlehrer besonders stolz ist (Bilder 4,5).

    Bild 4: Frank Bumke freut sich

    Bild 5: Ein gro

    Hauptakteure kommen zu Wort

    Nach solch einem Ereignis war auch der ep darauf gespannt zu hören, was die Hauptakteure dieser Erfolgsgeschichte dazu sagen. Daher hat der ep bei Sebastian Ruppert und auch bei seinem Berufsschullehrer Frank Bumke nachgefragt.

    1. ep im Gespräch mit Sebastian Ruppert

    Herzlichen Glückwunsch nochmals für diese tollen Leistungen. Was fühlten Sie, als Sie aus den Händen des Schirmherrn des BLW Georg Krabbe eine solche Auszeichnung überreicht bekamen?

    S. Ruppert: Es war mir eine Ehre, eine solche Auszeichnung von ihm zu erhalten – und vor so vielen Gästen an diesem Abend war dieses Gefühl gleich viel größer.

    Sie durften sich sogar in das Goldene Buch Ihrer Berufsschule eintragen. Was bedeutet es Ihnen?

    S. Ruppert: In erster Linie Stolz, denn so etwas dürfen nicht viele. Auch meine Familie und Freunde sind mächtig stolz auf mich.

    Wie gelang es Ihnen, solche hervorragenden Leistungen zu erzielen, haben Sie sich dafür besonders vorbereitet?

    S. Ruppert: Ohne die Unterstützung meiner Firma und meiner Kollegen, meiner Lehrer und Eltern sowie der HwK in der Ausbildung wäre dies alles nicht möglich gewesen. Eine gute Ausbildung ist das A und O, um sich auf so etwas vorzubereiten. Wenn dann noch das nötige Interesse vorhanden ist, ist es kein Hexenwerk. Ich habe diesen Wettbewerb einfach auf mich zukommen lassen und mein Wissen eingesetzt, ohne zuvor nochmals gelernt zu haben oder Sonstiges in der Richtung.

    Was sagte Ihr Ausbildungsbetrieb zu diesem Ergebnis? Wurden Sie in Vorbereitung des Wettbewerbs unterstützt?

    S. Ruppert: Meine Firma stand stets hinter mir, hat mich voll unterstützt und mich dafür freigestellt. Mein Chef ist sogar mit mir und seiner Frau persönlich zum BLW nach Oldenburg gefahren.

    War die Mitarbeit in der AG Elektrotechnik unter Leitung Ihres Lehrers Frank Bumke für Sie hilfreich, solche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln?

    S. Ruppert: Das hat mir natürlich auch dabei geholfen, man konnte sich da die Zeit nehmen um alles tiefgründiger zu erforschen. Unter der Leitung meines Berufsschullehrers war diese AG für alle eine super Sache, denn er wusste, wo jeder seine Stärken und Schwächen hat und konnte gezielt darauf eingehen.

    Gibt es dann bei aller Elektrotechnik überhaupt noch Zeit für andere Hobbies?

    S. Ruppert: Selbstverständlich, meine Freizeit gestalte ich ganz normal: Freunde treffen, Fußball, schwimmen usw. Man muss ja auch abschalten können und sich vom Alltagsstress erholen.

    War Ihnen schon von vornherein klar, dass Sie einen elektrotechnischen Beruf ergreifen möchten? Ist die Elektrotechnik für Sie eine Berufung?

    S. Ruppert: Ursprünglich hatte ich mich für diesen Beruf und auch für den Industriemechaniker beworben. Nach mehreren Tests der Agentur für Arbeit hat man mir dies empfohlen – und nach einem Praktikum wurde meine Interesse für diesen Job geweckt. Heute kann ich schon sagen, dass ich meinen Beruf gefunden habe.

    Was ändert sich jetzt für Sie und wie sehen Sie Ihre weitere berufliche Entwicklung?

    S. Ruppert: In erster Linie werde ich nun Erfahrungen sammeln und auf die Meisterausbildung hinarbeiten – und natürlich erst einmal auf die EuroSkills 2016 in Göteburg.

    Dann viel Erfolg bei diesen Vorhaben.

    2. ep im Gespräch mit Fachlehrer Frank Bumke

    Erst einmal herzlichen Glückwunsch für diesen schönen Erfolg Ihrer Lehrtätigkeit. Sie sind langjährig als Berufsschullehrer am BSZ Döbeln-Mittweida tätig. Gab es schon einmal eine solch herausragende Leistung unter Ihren Schülern?

    F. Bumke: Im Bereich Elektrotechnik gab es bisher noch keinen Schüler, der es auf das Siegerpodest beim Bundesausscheid geschafft hat.

    Worin sehen Sie den Schlüssel zu solchen Leistungen und damit auch solcher Lehr- und Ausbildungserfolge?

    F. Bumke: Jeder Mensch definiert den Begriff „Erfolg“ individuell, über seine eigenen Ziele, denn jeder Mensch ist einzigartig. Viele Bausteine müssen perfekt zueinander passen, damit ein Mensch den Erfolg hat, den er sich wünscht. Im beruflichen Kontext sind die persönlichen Voraussetzungen wichtig. Dazu zählen nicht nur der Bildungsabschluss zum Beginn der Ausbildung, sondern ebenso Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und die Liebe zum zukünftigen Beruf. Außerdem müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die Ausbilder im Ausbildungsbetrieb, die Ausbilder der Handwerkskammer während der überbetrieblichen Ausbildung und die Berufsschullehrer sind dafür verantwortlich, für das Lernen der Auszubildenden optimale Bedingungen zu schaffen.

    Wenn ein Mensch seine Ziele erreicht, ist er erfolgreich, dann hat alles optimal gepasst. Wenn er außerdem Sieger in einem Leistungsausscheid wird, ist es noch schöner.

    In der Schuleläuft sicher nicht immer alles so glatt, wie das bei der Ausbildung von Sebastian Ruppert der Fall war. Gibt es auch Schwierigkeiten, die sich in Ihrer Arbeit auftun?

    F. Bumke: Ja, durchaus. Ein Problem stellt die zunehmende Heterogenität in der Klassenzusammensetzung eines Jahrgangs dar. Immer häufiger lernen Auszubildende ohne Schulabschluss gemeinsam mit Oberschülern, Abiturienten, ehemaligen Studenten und Seiteneinsteigern. Der größte Altersunterschied innerhalb einer Klasse lag bisher bei 33 Jahren. Als Lehrer die Auszubildenden hier optimal zu fordern und zu fördern, ist nicht immer leicht.

    Wie sehen Sie den Wandel des Berufsbildes des Elektrotechnikers, insbesondere im Zuge der rasanten technischen Entwicklung?

    F. Bumke: Die technischen Neuerungen in der Elektrotechnik haben in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Diesem technischen Wandel muss sich die Berufsschule auch in ihrer Ausbildung stellen. Der Schulträger des BSZ Döbeln-Mittweida, der Landkreis Mittelsachsen, hat die Notwendigkeit einer modernen Laborausstattung erkannt. In den vergangenen Jahren wurde zum Beispiel in die Sicherheit der Laborräume und in die technische Ausstattung auf den Gebieten der Gebäudeautomation, Telekommunikation, Antriebstechnik und Beleuchtungstechnik einiges investiert.

    Sie arbeiten aber auch eng mit den Ausbildungsbetrieben und Herstellern der Branche zusammen?

    F. Bumke: Ja, die zweite wichtige Stütze für die Ausbildung am Beruflichen Schulzentrum Döbeln-Mittweida ist die Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben und der Industrie. Sachspenden und Leihgaben moderner, technischer Systeme in Verbindung mit dem entsprechenden Fachwissen helfen uns, in der Ausbildung mit der Technikentwicklung Schritt zu halten.

    Dieses technische Fachwissen wird in die Ausbildung integriert und so direkt an die Auszubildenden weitergegeben.

    Wie kann die theoretische und praktische Ausbildung trotz dieses enormen Tempos in der Entwicklung der Elektrotechnik erfolgreich gestaltet werden?

    F. Bumke: Trotz technischen Wandels darf man aber einen Fakt nicht vergessen: Die Elektrotechnik funktioniert immer noch nach Grundgesetzen. Das Vermitteln der Grundlagen der Elektrotechnik muss deshalb ein wichtiger Bestandteil im berufstheoretischen Unterricht bleiben.

    Aus diesem Grund wünsche ich mir gerade im ersten und zweiten Ausbildungsjahr mehr Zeit für den berufstheoretischen Unterricht. Besonders die Auszubildenden mit Lernschwierigkeiten benötigen Zeit zum Lernen, damit auch sie Erfolg haben.

    Vielen Dank für diese wichtigen Informationen.

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    BLW-Schirmherrr Hans-Georg Krabbe und ZVEH-Pr


    Ein gro


    Team der AG Elektrotechnik nach erfolgreicher Projektarbeit bei der efa 2013, darunter auch Sebastian Ruppert (4.v.l.)


    Champion Sebastian Ruppert 2.v.r. im Kreis von R


    Frank Bumke freut sich

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