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Die Krux mit der Last

Die Leistungsbilanz im Rechenzentrum
ep12/2022, 2 Seiten

Soll die technische Infrastruktur, die eine IT-Landschaft mit Strom und Klima versorgt, modernisiert werden oder ist gar ein neuer Serverraum oder ein ganzes Rechenzentrum geplant, müssen in den frühen Projektphasen grundlegende und weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Eines der wichtigsten Themen ist dabei die durch die Server benötigte elektrische Leistung, die fast in Gänze in Wärme umgewandelt wird – Server sind nach wie vor hochwertige Heizgeräte.


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Diese Leistung bestimmt maßgeblich die Auslegungsgrößen für die Stromversorgungskomponenten wie Transformatoren, Netzersatz-, Schalt- und Leitungsanlagen sowie USVen (unterbrechungsfreie Stromversorgungen) und natürlich Klimaanlagen. Wie also zu vernünftigen Zahlen kommen – einerseits für den derzeitigen Bedarf, andererseits für ein Endausbau-Szenario, welches vielleicht in zehn Jahren erreicht wird?

Fehlende Daten

Sollen beispielsweise bestehende IT-Strukturen in einen neuen Serverraum verlagert werden, kann versucht werden, die Daten aus den bestehenden Anlagen zu übertragen. Leider ist nur sehr selten Messtechnik an den relevanten Stellen mit der erforderlichen Granularität installiert, um verwertbares Datenmaterial extrahieren zu können. Und da sich Strom bekanntlich nicht mit dem Zollstock messen lässt, muss eine andere Lösung gefunden werden. Im Folgenden werden vier Varianten der Leistungsermittlung vorgestellt, die leider nicht wirklich zum Ziel führen.

Orientierung an der USV

Variante 1

In dieser Variante gibt es bereits eine USV, die permanent die Werte der auch im neuen RZ zu versorgenden „kritischen Last“ ermittelt. Leider besteht diese kritische Last oft nicht nur aus IT. Oft werden auch Komponenten der Klimatisierung ganz oder teilweise durch die USV gespeist oder ein Teil der Serverversorgung geht an der USV vorbei, weil z. B. einmal beschlossen wurde, alle A-Netzteile der Server auf die USV zu legen und die B-Netzteile auf das Stadtnetz. Möglicherweise stecken dann irgendwo im System noch irgendwelche ominösen Transferschalter, die selbsttätig von USV-Netz auf Stadtnetz schalten können. Der aktuelle Status ist jedoch nicht bekannt. So funktioniert das also nicht.

Variante 2

Eine häufig auftretende Herangehensweise ist es, den Praktikanten die Werte händisch ermitteln zu lassen, indem er die elektrischen Kenngrößen innerhalb des Racks einfach aufschreibt. Die Liste, die entsteht, könnte in etwa so aussehen:

  • Server 1, Netzteil A: 800 W

  • Server 1, Netzteil B: 800 W

  • Server 2, Netzteil A: 1 000 W

  • Server 2, Netzteil B: 1 000 W.

Daraus resultieren in Summe 3 600 W. Dann findet der Praktikant ganz unten im Rack aber noch so eine schwarze Kiste, auf der irgendetwas mit 5 000 VA (Voltampere) zu lesen ist. Volt mal Ampere sind ja auch Watt – also wird das Gerät mit 5 000 W der Liste hinzugefügt. Dies ist keine Fantasie sondern gehört zum Alltag in deutschen Rechenzentren. Das Rack schlägt also bisher mit 8 600 W zu Buche. 8,6 kW erscheint dem Fachmann jedoch deutlich zu hoch.

Versuch der realistischen Neuberechnung

Die bisherigen Methoden führten nicht zu einem realistischen Ergebnis. Eine andere Lösung muss gefunden werden. Server 1 hat redundante Netzteile, von denen jedes den Server auch allein versorgen muss. Also darf man die beiden nicht addieren. Die 800 W sind bestimmt auch nicht die Leistungsaufnahme im Normalbetrieb, sondern das Ergebnis einer Netzteilauswahl, die auch Einschaltspitzen o. ä. abfängt oder einfach nur genug Luft nach oben bietet, da das nächstkleinere Netzteil mit beispielsweise 500 W etwas knapp bemessen wäre. Die real auftretende Leistung dürfte eher bei ca. 500 W als bei 1 600 W liegen. Das Gleiche gilt für Server 2. Geschätzt liegt die Leistung hier bei 700 W statt bei 2 000 W.

Und die 5 000 W? Diese Angabe auf der USV darf bilanztechnisch nicht berücksichtigt werden, da das Gerät, abgesehen von internen Verlusten und der Batterieladung, selbst keine Leistung benötigt. Somit liegt das Ergebnis eher bei 1,3 statt bei 8,6 kW für dieses Rack.

Variante 3

Manch ein IT-Verantwortlicher nutzt lieber die folgende 3. Möglichkeit und verkündet, er brauche je Rack „so 4 bis 7 kW“ und belegt das mit einer Liste der Wärmeabgabe bestehender Geräte in der bemerkenswerten Einheit BTU/h (British thermal Unit je Stunde). Daraus resultiert die folgende Liste:


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Autor
  • J. Schulz
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