Corona-Krise lässt Azubis an Zukunft zweifeln
Auszubildenden geht es um die Sache, nicht ums Geld. Eigentlich eine positive Erkenntnis, denn sie stellen bei ihrer Berufswahl eigene Fähigkeiten und Interessen in den Fokus. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass das Gehalt keine oder nur teilweise eine Rolle bei der Jobwahl gespielt hat. Bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs waren es gar 83 Prozent der Befragten, die dem Gehalt keine oder nur eine geringe Rolle beimessen. Dennoch finden 60 Prozent der befragten Auszubildenden ihr Gehalt nicht oder nur teilweise angemessen. Für seine Leistung entsprechend entlohnt zu werden, ist letztendlich aber auch Ausdruck von Wertschätzung und Respekt – Punkte, bei denen, wie bereits erwähnt, Verbesserungsbedarf besteht. Weitere 65 Prozent geben zudem an, nicht oder nur teilweise von ihrem Gehalt leben zu können. Zufriedenheit und Geldsorgen – mit Sicherheit zwei Faktoren, die sich schwer vereinen lassen!
Bewerbung: Schnell und digital
Wie gehen die Unternehmen mit Krise um? Sie halten durchaus an den Azubis fest und wollen gemeinsam mit ihnen durch die Krise gehen, schaffen es aber dennoch nicht, sie über die ganze Ausbildungsdauer zufriedenzustellen. Dabei finden Ausbildungssuchende so leicht wie nie einen Ausbildungsplatz. Unternehmen sind gut aufgestellt und haben Einstellungsprozesse optimiert. Doch das erhöht den Konkurrenzdruck. In dieser Hinsicht fatal: In digitalen Bewerbungsprozessen verlieren sie zahlreiche Bewerber/innen ohne es überhaupt zu bemerken. Die Anzahl an Bewerbungen, die notwendig sind, um eine Stelle zu finden, nimmt ab. Für die Hälfte der Suchenden waren weniger als fünf Bewerbungen notwendig. Die Zeit des Bewerbungsprozesses verringert sich: Lag die durchschnittliche Dauer des Bewerbungsprozesses vom Absenden der Bewerbung bis zur Zusage 2018 im Schnitt noch bei zwölf Wochen, so haben 45 Prozent der Ausbildungssuchenden heute bereits in weniger als vier Wochen die Zusage in der Tasche. Die Unternehmen, die schnell, transparent und direkt agieren, sind in der aktuellen Situation im Vorteil. Unternehmen müssen sich einem starken Konkurrenzdruck stellen, denn ein schneller Bewerbungsprozess führt zum Erfolg. Fast jede:r Dritte der Befragten gibt an, dem schnellsten Unternehmen den Zuspruch zu geben. Jede:r Zweite hat sich umentschieden oder den Prozess bei einem Unternehmen vorzeitig abgebrochen, weil andere Unternehmen schneller waren oder bessere Konditionen anbieten konnten (Bild 5). Doch sind es auch technische Hürden, an denen Auszubildende scheitern. Jede/r zweite Azubi gibt an, bereits eine Online-Bewerbung abgebrochen zu haben. So fanden 19 Prozent die Online-Bewerbung zu kompliziert, 18 Prozent konnten ihre Unterlagen nicht hochladen, 12 Prozent hatten Probleme bei der Registrierung. Unternehmen verlieren so Bewerber:innen, ohne dies überhaupt zu bemerken.
Fazit
Keine Frage: Die Lage ist ernst. Denn trotz positiver Grundeinstellung der Auszubildenden wächst mit anhaltender Dauer der Pandemie die Unsicherheit – auch für die Unternehmen. Doch gerade wer in der Krise die Ausbildung als Investition in die Zukunft erkennt, wird im Anschluss daran davon profitieren. Fachkräfte fallen nicht vom Himmel, genau deshalb sind die Ausbildungsbetriebe gefragt. Sie haben die Chance, dem Nachwuchs Perspektiven aufzuzeigen und Sicherheit zu bieten. „Bietet Perspektiven, kommuniziert klar und transparent und zeigt Wertschätzung für die geleistete Arbeit, um junge Menschen zu motivieren und Frustrationen aufzufangen,“ bilanziert von Zittwitz. „Jetzt ist es wichtig, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen, zunächst digital, um später wieder in der realen Welt noch stärker auf Kollaboration und Teamgeist zu setzen. Wir raten Unternehmen auch, Quer- und Späteinstiege zu ermöglichen, digitale Praktika durchzuführen und nicht starr an Fristen festzuhalten. Uns als Gesellschaft muss es gelingen, eine Generation Corona zu verhindern und ihnen attraktive Perspektiven aufzuzeigen.“
Es besteht also Hoffnung: Noch lässt sich eine Generation Corona verhindern – doch dabei sind alle Akteure auf dem Feld gefordert!
Der Azubi-Report 2021 ist kostenlos unterwww.ausbildung.de/azubireport-2021 erhältlich.
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