Fortbildung
Chancen des E-Handwerks Teil 1: Betriebliche Kompetenzen mit den neuen Berufen stärken
ep12/2003, 2 Seiten
Wandel in der Elektrobranche Das Elektrohandwerk steht vor den radikalsten Änderungen seiner Rahmenbedingungen und Strukturen seit dem Jahre 1953. 1.1 Technologische Entwicklungen Elektrotechnik und Elektronik sind in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Bestandteil jeder Technik rund ums Gebäude geworden. Gewerkegrenzen spielen bei der Produktentwicklung keine Rolle mehr. Es wird in Systemen gedacht, entwickelt, produziert und vergeben. Die Wettbewerbs-(Schutz-)Funktion des elektrischen Stroms ist für das Elektrohandwerk gefallen. Folgen dieser Entwicklung sind neue Wettbewerber am Markt (Beispiele: Beleuchtungstechnik oder die künftige Brennstoffzellentechnologie). 1.2 Änderungen der politischen Rahmenbedingungen Ein ganz heißes Thema sind die Änderungen der politischen (deutschen) Rahmenbedingungen, speziell der für die Betätigung des Handwerks (in den alten Bundesländern) wichtigen Handwerksordnung. Vom Jahre 1953 bis Anfang 1994 konnten Handwerksmeister in einem relativ stabilen Ordnungsrahmen gewerkeabgegrenzte Tätigkeiten ausüben, obwohl seit 1966 die Freizügigkeitsregelungen für Dienstleistungen in der Europäischen Union (EU) gelten. Die Handwerksordnungs-Novellen in den Jahren 1994 und `98 haben jedoch erste tiefe Spuren hinterlassen. Die nun geplante (und wahrscheinlich kommende) umfassende Änderung der Handwerksordnung wird im Elektrohandwerk zu radikalen Änderungen führen. Stichworte sind: · noch mehr Leistung aus einer Hand, · verschärfter Wettbewerb innerhalb der technischen Gewerke rund ums Gebäude, · verschärfter Wettbewerb innerhalb des Elektrohandwerks durch die Aufweichung des Meisterprinzips, · Wegbrechen eines Teils der angestammten Tätigkeitsfelder, · Funktion des Installateurverzeichnisses. 1.3 Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Als drittes wird die EU-Osterweiterung in großen Bereichen des Handwerks zu Anpassungen führen, denn es stehen preiswerte Handwerker vor der Tür - dies gilt besonders für das Elektrohandwerk. Die angebliche Schutzfunktion der Übergangsfristen können spätestens ab dem Jahre 2006 vergessen werden. Die Fristen werden zwar mit Sicherheit für Deutschland und Österreich verlängert, doch wenn andere EU-Länder nicht mitmachen, stellt sich die Frage nach der Schutzfunktion. Zukunft des deutschen Elektrohandwerks Unter den veränderten Rahmenbedingungen gibt es sehr wohl eine Chance, erfolgreich am EU-Markt agieren zu können - jedoch nicht in gewohnten und althergebrachten Strukturen und Denkmuster. Elektrohandwerker müssen zu Veränderungen bereit sein - und zwar schnell. Elektrobetriebe sollten sich dort positionieren, wo sie stark und der (europäische) Wettbewerb schwach ist. 2.1 Analyse von Stärken und Schwächen Um Klarheit zu schaffen, ist sicherlich eine kurze Analyse der Stärken und Schwächen im europäischen Umfeld angebracht. Schwächen: · Personalkosten · Tätigkeitsbereiche · Betriebsstruktur Elektropraktiker, Berlin 57 (2003) 12 944 BETRIEBSFÜHRUNG ELEKTRO PRAKTIKER MEISTERWISSEN Chancen des E-Handwerks Teil 1: Betriebliche Kompetenzen mit den neuen Berufen stärken W. Tschischka, Mannheim Es gibt drei wesentliche Gründe, sich mit der betrieblichen Ausrichtung und Qualifikation zu befassen: Technische bzw. technologische Entwicklungen, Änderungen der politischen Rahmenbedingungen (Handwerksordnung) und Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (EU-Osterweiterung). Autor Dipl.-Ing. Walter Tschischka ist Vizepräsident des ZVEH und Präsident der Handwerkskammer Mannheim. Stärken: · Technisches Know-how · Aus- und Weiterbildung · Qualifiziertes Personal. Die Zukunft der deutschen Elektrohandwerke liegt nicht im Preiskampf mit jedem und um alles, sondern in Hightech-Tätigkeiten, in der Spezialisierung und für einen Teil der Betriebe in der Positionierung als technischer General Unternehmer. Ausrichtung des Betriebes Viele Tätigkeitsbereiche sind an andere Wettbewerber verloren. Weitere, einfache Tätigkeitsbereiche werden kostenbedingt verloren gehen. Und diese Entwicklung wird noch an Dynamik gewinnen. Folgende Fragen sollten sich deshalb jedem Betriebsinhaber stellen: · In welchen Bereichen liegen meine Kernkompetenzen? · Welches ist die richtige Betriebsstruktur? · Was ist die optimale Betriebsgröße? · Welche Qualifikationen benötigen meine Mitarbeiter (der Meister)? · Wie muss meine zukünftige Ausbildungsstrategie aussehen? Eigentlich muss jeder diese Fragen für sich selbst beantworten. Ich möchte jedoch versuchen, aus meiner Sicht dazu Stellung zu nehmen. Kernkompetenzen Immer wieder werde ich gefragt, was eigentlich elektrohandwerkliche Kernkompetenzen sind. Im Bild findet sich eine Zusammenstellung üblicher Tätigkeiten. Als Kernkompetenzen müssen all die Tätigkeiten betrachten werden, bei denen der Kunde bereit ist - möglichst ohne zu murren - den vom Betrieb benötigten Preis zu zahlen. In diesem Satz vereinigen sich hohe Personalkosten, qualifiziertes Personal, technologischer Vorsprung mit dem Ausschluss von einfachen, leicht austauschbaren Tätigkeiten. Heute können bestimmte, dem Elektrohandwerk zugeordnete Tätigkeiten nicht mehr wirtschaftlich ausgeführt werden. Eine Lösung stellt der Wettbewerbsvorteil durch Höherqualifizierung eines Betriebes und damit der einzelnen Mitarbeiter dar. Das dies Auswirkungen auf die Mitarbeiterstruktur und eventuell auf die Betriebsgröße hat, liegt auf der Hand. Schlüsselrolle Aus- und Weiterbildung Im Jahr 2002 wurde die Meisterausbildung in den Elektrohandwerken völlig neu geordnet. Im Informationstechnikerhandwerk wurde die Neuordnung der Lehre im Jahre 1999 abgeschlossen. Seit 1999 liefen die Arbeiten an der Neuordnung der Ausbildungsberufe im Maschinenbauer- und Elektrotechnikerhandwerk. Im kommenden Jahr darf keine Ausbildung nach der alten Ausbildungsordnung beginnen, denn seit August 2003 sind alle Lehrberufe im Elektrohandwerk neu geordnet. Doch was bringt die Neuordnung? Neue Ausbildungsberufe = neue Tätigkeitsfelder = neue Marktchancen. Das Bedeutet neue Zukunftsperspektiven für elektrohandwerkliche Betriebe und weil dies eine Existenzfrage ist, werden die neuen Ausbildungsberufe näher vorgestellt. Neue Ausbildungsberufe im Elektrohandwerk 5.1 Gründe für die Reform Die jetzige Reform der Ausbildungsberufe ist die Antwort auf sich massiv verändernde Rahmenbedingungen bzw. Anforderungen des Marktes. · Service aus einer Hand, · flächendeckender Einsatz der Informationstechnologie, · fortschreitende Integration technischer Systeme und die · dynamische Entwicklung immer weiter übergreifender Geschäftsfelder erfordern längst neue Arbeitsabläufe. Die neuen Lehrberufe bieten die Chance, sich vom „billig Wettbewerb“ zu unterscheiden. Sie sind ein Schritt in Richtung „weg von leicht austauschbaren Tätigkeiten“. Neue Tätigkeitsfelder lassen sich mit ihnen erschliesen. Und nicht zuletzt sind sie eine Antwort auf den sich verschärfenden Wettbewerb eines gemeinsamen europäischen Marktes. Kritik. Bei jeder beruflichen Neuordnung ist sofort Kritik zu hören: Die neuen Ausbildungsordnungen überfordern sowohl die Lehrlinge als auch die Betriebe. Mag sein, dass dies in dem einen oder andern Fall heute zutrifft. Wir betrachten jedoch nicht Gestern und Heute sondern das Morgen. Jeder Betriebsinhaber muss sich selbst entscheiden, in welcher Liga er mitmischen möchte. Der Strukturwandel im Elektrohandwerk ist in vollem Gange! Alleinstellungsmerkmal. Weg von leicht austauschbaren Tätigkeiten, hin zum Alleinstellungsmerkmal. Dazu benötigen wir sowohl den entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter als auch den entsprechend ausgebildeten Betriebsinhaber und Meister. Tatsache ist, mit 15 Jahren alten Ausbildungsberufen ist man heute nicht mehr konkurrenzfähig. Wenn gute Auszubildende gewünscht sind, müssen gute (Berufs-)Perspektiven geboten werden. Und als Konsequenz - moderne Berufbezeichnungen für bessere Auszubildende. 5.2 Berufsbezeichnungen Mit den neuen Berufsbezeichnungen wird gezeigt, dass das Elektrohandwerk moderne Ausbildung in zukunftsträchtigen Berufen zu bieten hat. Deshalb wurde der Name „Elektroniker“ für alle neuen Berufsbezeichnungen gewählt. Somit sagt der Name, womit sich die Betriebe ohnehin beschäftigen: modernste Elektrotechnik! Elektrotechniker. Im Elektrotechnikerhandwerk gibt es zwei Ausbildungsberufe: · Elektroniker-/in mit den Fachrichtungen: - Energie- und Gebäudetechnik - Automatisierungstechnik - Informations- und Telekommunikationstechnik · Systemelektroniker-/in Elektromaschinenbauer. Im Elektromaschinenbauerhandwerk entstand der Elektroniker/-in für Maschinen- und Antriebstechnik. Informationstechniker. Im Informationstechnikerhandwerk existiert seit 1999 der Ausbildungsberuf Informationselektroniker/-in mit den Schwerpunkten: · Bürosystemtechnik, · Geräte- und Systemtechnik. Damit verfügt das Elektrohandwerk über differenzierte Ausbildungsmöglichkeiten in sieben Ausbildungsvarianten. Doch nicht die Berufsbezeichnungen sind das wettbewerbsbestimmende Element, sondern die Inhalte der neuen Berufe. Die Highlights der einzelnen Ausbildungsinhalte sowie Weiterbildungsmöglichkeiten des Elektrohandwerkers sind Inhalt des nächsten Beitrags. Elektropraktiker, Berlin 57(2003) 12 945 BETRIEBSFÜHRUNG Kernkompetenzen der Elektrohandwerker Differenzierung der Betriebe durch Aus- und Weiterbildung Fortsetzung ELEKTRO PRAKTIKER
Ähnliche Themen
Autor
- W. Tschischka
Downloads
Laden Sie diesen Artikel herunterTop Fachartikel
In den letzten 7 Tagen:
Sie haben eine Fachfrage?
