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Veranstaltung | Elektrotechnik

Brandenburger Energietag 2007 - Weit mehr als eine regionale Fachveranstaltung

ep11/2007, 1 Seite

Als vor mehr als einem Jahrzehnt der Energietag Brandenburg initiiert wurde, standen vor allem Aktivitäten zur wirtschaftlichen Belebung der Region im Vordergrund. Dieses Anliegen gibt es nach wie vor. Aber das Thema Energieerzeugung und -nutzung hat angesichts der nicht mehr zu übersehenden Auswirkungen des Klimawandels und der Verknappung fossiler Ressourcen durch den Bedarf der Schwellenländer in ungeahnter Weise an Brisanz gewonnen.


Elektropraktiker, Berlin 61 (2007) 11 962 BRANCHE AKTUELL Überblick Wie gewohnt fand der von der Brandenburgischen Energieinitiative (www.eti-brandenburg.de) organisierte Energietag an der BTU in Cottbus statt, dem Zentrum der ostdeutschen Energiewirtschaft. Das zunehmende Interesse an dieser Veranstaltung ist nicht zuletzt an der Zahl der Besucher ablesbar - das Audimax der Uni war zur Plenarveranstaltung zwar noch nicht ausgebucht, aber gut besetzt. Der Tag wurde in bewährter Weise durch eine Fachausstellung begleitet, an der sich in diesem Jahr mehr als 60 Firmen beteiligten. Während der Mittagspause bestand daher nicht nur die Möglichkeit zum individuellen Fachgespräch, sondern es konnte darüber hinaus das eine oder andere Angebot näher in Augenschein genommen werden. Für den Nachmittag musste man sich für eines der stattfindenden Fachforen entscheiden. Plenarveranstaltung Trotz des Mottos „Effizient - Verantwortungsvoll: Energieerzeugung und -nutzung in Brandenburg“ hatte die Veranstaltung nur zum Teil regionalen Charakter. Die vom brandenburgischen Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns vorgestellte Zwischenbilanz zur Energie Strategie 2010 und dem damit verbundenen energiepolitischen Konzept waren natürlich auf die konkreten Bedingungen der Region und des Landes Brandenburg bezogen. Aber in den Ausführungen wurde auch die Einbettung der verschiedenen Lösungsansätze in bundesweite Maßnahmen und EU-Aktivitäten sichtbar. Mit großem Interesse wurde ein Vortrag von Prof. Dr. Peter Kehrer (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover) zu den internationalen Energierohstoff-Märkten aufgenommen. Der Zusammenhang von Preis, den bekannten Reserven und den vermuteten Ressourcen sowie den Kosten für Erkundung und Gewinnung bis hin zu den resultierenden politischen Konsequenzen ist eben doch komplexer als man zunächst vermutet. Außerordentlich aufschlussreich waren auch die derzeitigen Einschätzungen bezüglich der Reichweite verschiedener Energieträger: Während man bei Erdöl und Erdgas von einigen Jahrzehnten ausgeht, sind es bei der Braunkohle mehrere Jahrhunderte. Aber gerade dort besteht das Problem der CO2-Emission und anderer Schadstoffe ganz besonders, abgesehen von den Problemen bei der Gewinnung dieses Energieträgers. Podiumsdiskussion Die anschließende Podiumsdiskussion mit den beiden Referenten sowie Jörg Müller von der Enertrag AG und Hans Hellmuth von der Eon Edis AG wurde zum Teil recht kontrovers geführt. Im Mittelpunkt standen · die mit der Zunahme dezentraler Erzeuger (Windkraft- und PV-Anlagen) auftretenden Probleme bezüglich der Übertragung und der zeitgerechten Bereitstellung von Elektroenergie, · die aus dem Aufschluss neuer Tagebaue resultierenden Belastungen für die Betroffenen und · die angestrebte CO2-Reduzierung bei Beibehaltung oder Ausbau der Kraftwerksleistung auf Braunkohlebasis. Begleitende Ausstellung An der Fachausstellung beteiligten sich neben den großen Energieerzeugungs- und -verteilungsunternehmen (Bild ) auch diverse Institutionen bis hin zu Anbietern von Nischenprodukten und kleinen regional agierenden Firmen. Zu den Schwerpunkten der Ausstellung gehörten u. a. die Gestaltung von Bergbaufolgelandschaften, der Anbau nachwachsender Rohstoffe, die Nutzung alternativer Energien in Wohnungen, die Wärmedämmung und das Niedrigenergiehaus. Darüber hinaus gab auch einige für den Elektrofachmann interessante Exponate, so beispielsweise eine elektrische Wand-/Deckenheizung oder eine Systemlösung zur Überwachung des Energieverbrauches (und anderer Größen) von Anlagen über das Internet. Fachforen Die Vorträge der Fachforen waren ein Spiegel aktueller Aufgabenstellungen der Energieerzeugung und -anwendung. Mit Themen wie etwa der Mikro-KWK und dem Mini-BHKW, der Optimierung durch Simulationsrechnungen oder der Erhöhung der Energieeffizienz durch Funktechnologien wurden auch dort für Handwerker und Planer der Elektrobranche hochaktuelle Themen besprochen. Ein weiteres Forum wurde in bewährter Weise durch Prof. Dr. Günter Pfeiffer organisiert und moderiert. Gegenstand war wiederum die Auslegung von Elektroenergieversorgungsanlagen, wobei in diesem Jahr die Kurzschlussstrombegrenzung in den Mittelpunkt gerückt wurde. Die Vorträge boten einen guten Mix aus Informationen zur Anwendung und Weiterentwicklung bewährter konventioneller Techniken - wie den IS-Begrenzern und der Kurzschlusstrombegrenzung mittels Stromrichter einerseits und Ausführungen zum Stand der Entwicklung und Erprobung von hochtemperatur-supraleitenden Kurzschlussstrombegrenzern andererseits. Die Diskussion zu den Fachvorträgen bewies einmal mehr, dass auch die klassischen Themen der Anlagendimensionierung nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Fazit Der Energietag Brandenburg hat fachlich ein Niveau erreicht, bei dem die regionale Beschränkung auf das Land Brandenburg eigentlich zu bedauern ist. Vieles, was hier mit Blick auf die Region besprochen wurde, reicht weit darüber hinaus. Diese Veranstaltung hat durchaus das Potential, in absehbarer Zeit bundesweit Bedeutung zu erlangen. Der geplante Bau eines Energie- und Leichtbauzentrums an der BTU Cottbus ist sicher ein weiterer Schritt auf diesem Weg. H. Möbus Brandenburger Energietag 2007 in Cottbus Weit mehr als eine regionale Fachveranstaltung Als vor mehr als einem Jahrzehnt der Energietag Brandenburg initiiert wurde, standen vor allem Aktivitäten zur wirtschaftlichen Belebung der Region im Vordergrund. Dieses Anliegen gibt es nach wie vor. Aber das Thema Energieerzeugung und -nutzung hat angesichts der nicht mehr zu übersehenden Auswirkungen des Klimawandels und der Verknappung fossiler Ressourcen durch den Bedarf der Schwellenländer in ungeahnter Weise an Brisanz gewonnen. Nutzung alternativer Energien und umweltgerechte Erzeugung von Elektroenergie in modernen Kraftwerken

Autor
  • H. Möbus
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