RCD für Klimaanlagen mit Festanschluss

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?Wir betreuen im Rahmen des Gebäudemanagements technische Ausstattungen im gesamten Bundesgebiet. Für die Klimatisierung (Heizen und Kühlen) werden Inverteranlagen namhafter Hersteller eingesetzt. Diese schreiben in ihren technischen Datenblättern vor, dass für den Betrieb ein RCD Typ B eingesetzt werden muss, da im Fehlerfall mit Gleichfehlerströmen über die Leistungselektronik zu rechnen sei. Hier stellt sich uns nun die Frage, ob für Inverteranlagen überhaupt ein RCD eingesetzt werden muss, unabhängig von der Netzform (TN- oder TT-Netz), da es sich grundsätzlich um einen Festanschluss handelt. Die Anlagen werden gemäß Herstellervorgaben mit einem C20/3 abgesichert und haben in unmittelbarer Nähe zum Außengerät einen Reparaturschalter (3-polig, verriegelbar).

!Vorweg. Ich gehe davon aus, dass es um die Errichtung neuer elektrischer Anlagen bzw. neuer Stromkreise geht, da es in den Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) keine Forderung (bis auf ganz wenige Ausnahmen) gibt, vorhandene elektrische Anlagen nachzurüsten.

Ich gehe weiter davon aus, dass die Hersteller von solchen Betriebsmitteln zum Ausdruck bringen wollen, dass in den Fällen, in denen eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) für den Fehlerschutz und ggf. den zusätzlichen Schutz notwendig sein wird, nur eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ B ausgewählt werden darf, weil Gleichfehlerströme von ihren Betriebsmitteln erzeugt werden können.

Allerdings habe ich festgestellt, dass viele Hersteller ohne weiteres Nachdenken, grundsätzlich die Forderung nach Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) in ihre Montage- bzw. Bedienungsanleitungen aufnehmen, um auf die „sichere“ Seite zu gehen. Wegen möglicher Gleichfehlerströme fordern sie daher auch eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ B.

RCD notwendig oder nicht? Grundsätzlich muss dabei unterschieden werden, ob es um den Fehlerschutz, den Brandschutz oder um den zusätzlichen Schutz geht.

Fehlerschutz. Bezüglich des Fehlerschutzes sind Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) nur dann gefordert, wenn die Abschaltbedingung nicht durch Überstrom-Schutzeinrichtungen realisiert werden kann. Dies kann z. B. in TT-Systemen der Fall sein. In diesem Fall ist die Art des Anschlusses (ob Festanschluss oder über Stecker) nicht von Bedeutung.

Brandschutz. Aus Gründen des Brandschutzes können Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 300 mA im TN- und TT-System notwendig sein.

Zusätzlicher Schutz. Die Forderung nach einem zusätzlichen Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA ist im Abschnitt 411.3.3 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1] enthalten, wo folgendes gefordert wird: „Eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA muss vorgesehen werden für:

  • Steckdosen in Endstromkreisen für Wechselstrom (AC) mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 32 A, die für die Benutzung durch Laien und zur allgemeinen Verwendung bestimmt sind, und [...]

  • Endstromkreise mit fest angeschlossenen ortsveränderlichen Betriebsmitteln für Wechselstrom (AC) zur Verwendung im Außenbereich mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 32 A.“

In der Anmerkung zum ersten Anstrich heißt es hier: „Anmerkung Steckdosen mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 32 A können hiervon ausgenommen werden, wenn im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) Maßnahmen festgelegt werden, die eine allgemeine Verwendung dieser Steckdosen dauerhaft ausschließen.“ Hierzu gibt es eine Unterlage der DKE „Erläuterungen zum Konzept der Norm DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 [2].

Aus den oben zitierten Forderungen ergibt sich, dass für fest angeschlossene Betriebsmittel/Verbrauchsmittel, zur Verwendung im Innenbereich der zusätzliche Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA nicht gefordert ist. Aber für fest angeschlossene Betriebsmittel/Verbrauchsmittel bis 32 A, wenn es sich um ortsveränderliche Betriebsmittel/Verbrauchsmittel zur Verwendung im Außenbereich handelt, ist ein zusätzlicher Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA gefordert.

Als ortsveränderlich gelten nach Abschnitt 826-16-04 von DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200) [3] elektrische Betriebsmittel, die während des Betriebes bewegt werden oder leicht von einem Platz zu einem anderen gebracht werden können, während sie an den Versorgungsstromkreis angeschlossen sind.

Im Gegensatz dazu gilt, nach 826-16-06 von DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200) [3] ein Betriebsmittel als ortsfest, wenn es keine Tragevorrichtung hat oder die Masse des Betriebsmittels/Verbrauchsmittels so groß ist (größer 18 kg), dass es nicht leicht bewegt werden kann.

Fazit. Für den Anwendungsfall „fest angeschlossene Klimaeinrichtungen“, die nicht als „ortsveränderlich zu betrachten sind, da sie fest montiert sind, gilt, dass ein zusätzlicher Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA nicht gefordert ist. Das schließt nicht aus, dass aus anderen Gründen, siehe oben, eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) gefordert sein kann. Wenn eine Fehlerstrom-Schutzeirichtung (RCD) gefordert/notwendig ist und Gleichfehlerströme auftreten können, dann müssen solche vom Typ B ausgewählt werden. Das Vorhandensein eines Reparaturschalters ist dabei nicht von Belang, kann aber Gegenstand der Produktnorm sein.


Literatur:

[1] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.
[2] Erläuterungen zur Norm DIN VDE 0100-410; Hinweis zur Norm vom 27.06.2019; DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE.
[3] DIN VDE 0100-200 (VDE 0100-200):2006-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 200: Begriffe.

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