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Inf.- und Kommunikationstechnik | Internet/Multimedia

Informationstechnik: Projekt Datenspende BTW 17

Welchen Einfluss hat Google auf die Bundestagswahl 2017?

20.07.2017

Die Initiative Algorithm Watch untersucht, wie sich algorithmische Prozesse auf das menschliche Verhalten auswirken. Anfang Juli 2017 startete sie ein Projekt, bei dem der Einfluss von Algorithmen auf die anstehende Bundestagswahl untersucht werden soll. Für die Kampagne, die bis zur Wahl läuft, werden noch Freiwillige gesucht.

Im gesellschaftlichen Zusammenleben spielen Algorithmen eine immer größere Rolle – die Gesellschaft bekommt davon aber nur wenig mit.

Daten zur Entschlüsselung von Algorithmen

Unterstützt durch mehrere Landesmedienanstalten möchten die Aktivisten herausfinden, welche unterschiedlichen Ergebnisse Google bei der Suche mit Stichwörtern zur Bundestagswahl liefert. Wie stark personalisiert Google die Ergebnisse zu politischen Suchbegriffen und was beeinflusst diese individuellen Ergebnisse? Welche Rollen spielen Standort, Sprache und persönliche Suchhistorie bei der Anzeige der Ergebnisse, wenn Google-Nutzer nach Politikern und Parteien suchen? Diese Fragen möchte die Datenspende BTW 17 beantworten. Freiwillige können ein speziell programmiertes Plugin für ihren Chrome- oder Firefox-Browser auf ihrem Computer installieren. Bis zu sechs Mal pro Tag öffnet es ein neues Browserfenster und schickt jeweils 16 gleichbleibende Suchanfragen an Google und Google News. Dabei sucht es im Einzelnen nach Namen aller Spitzenkandidaten sowie nach Namen der fünf Parteien, die aktuell im Bundestag vertreten sind, außerdem nach AfD und FDP. Die gesammelten Daten sendet der Nutzer zusammen mit seinem Standort an Algorithm Watch. Mehr als 2.300 Menschen haben bisher über 270.000 Suchergebnisse gespendet.

90 Prozent aller Internetsuchen in Deutschland laufen über Google

Bei der Auswertung werden jeweils die erste Ergebnisseite von Google sowie Google News ausgelesen. Das Projekt erhält außerdem die Identifikationsnummer des Plugins, Ort samt Postleitzahl des Nutzers und die Spracheinstellungen des Browsers. Des Weiteren erfahren die Initiatoren des Projekts, ob ein Nutzer während der Suchvorgänge bei Google eingeloggt war. Katharina Anna Zweig, Informatikprofessorin an der TU Kaiserslautern und Mitgründerin von Algorithm Watch, glaubt nicht daran, dass Googles Algorithmen einen Einfluss auf die Bundestagswahl haben können. Dagegen spreche der gesunde Mix im Medienkonsum der Deutschen. Die Gefahr in dieser Wahl komme hauptsächlich von außen.

Wenig Spielraum für wirksame Online-Manipulation mittels Algorithmen

„Die Algorithmen der sozialen Netzwerke zusammen mit denen der Suchmaschinen sorgen dafür, dass gezielt gestreute Falschinformationen in die Welt kommen und massenhaft verbreitet werden können – aus meiner Sicht ist die Gefahr dafür in den sozialen Netzwerken am größten. Aber natürlich: Wenn dann auch noch eine gezielte Suche auf weitere Falschinformationen führt anstatt auf verlässliche Fakten, dann wird es gefährlich", so die Professorin. Algorithm Watch sei es wichtig, nicht mehr Daten zu sammeln als nötig. Weder die IP-Adresse der Nutzer noch private, nicht vom Plugin ausgelöste Suchanfragen, werden gesendet. Die Google-Nutzernamen der Datenspender, die bei der Suchmaschine eingeloggt sind, bleiben ebenfalls anonym. Algorithm Watch

Mehr Transparenz durch Algorithm Watch

Die Initiative möchte Konzerne wie Google dazu bringen, offenzulegen, wie ihre Algorithmen funktionieren, und dadurch Transparenz schaffen. Denn Suchmaschinen seien für unsere Gesellschaft zentral. Alternativ zu Google gibt es mehrere Suchmaschinen, die nicht personalisieren. Startpage beispielsweise zeigt Googles-Ergebnisse an, anonymisiert aber die Nutzeranfrage. Duckduckgo verspricht die Rückgabe der Privatsphäre dank eigenem Index sowie diversen Datenschutzmechanismen. Die Ergebnisse der Datenauswertung werden laufend auf der Website veröffentlicht. Eine Woche nach der Bundestagswahl am 30. September 2017 stellt die Browsererweiterung den Betrieb ein. Die Teilnehmer des Projekts müssen diese jedoch selbst deinstallieren. Sämtliche Daten sollen nach Abschluss des Crowdsourcing-Projekts veröffentlicht werden.
Bild Mitte rechts: Dr. Katharina Anna Zweig, Informatikprofessorin an der TU Kaiserslautern und Mitgründerin von Algorithm Watch (Screenshot: Youtube/ wissenschaftsjahr /elektropraktiker.de)Foto Mitte links: Algorithm Watch


Autor
Name: Aldina Hasanovic