Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Was die Wärmepumpenbranche bewegt
Wer sich professionell mit Kälte-, Klima- und Wärmepumpentechnik beschäftigt – egal ob Planer, Anlagenbauer, Betreiber, Industrie oder Handel –, muss sich derzeit mit einer Fülle von Themen befassen. Viele davon sind nicht technischer Natur, sondern entspringen sich verändernden politischen Vorgaben und Rahmenbedingungen. Einige davon sind noch nicht beschlossene Sache; mit den möglichen Auswirkungen sollten sich aber alle Akteure jetzt schon befassen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.
Die Bandbreite der Themen, die die Branche derzeit bewegt, ist enorm. Dieser Beitrag kann daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und die Themen nur anreißen.
Dass der Wärmepumpentechnik im Heizungsmarkt die Zukunft gehört, muss an dieser Stelle nicht mehr erwähnt werden. Der schnellstmögliche Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger ist beschlossene Sache und die Bundesregierung hat den Wärmepumpenausbau in Deutschland ganz oben auf die Agenda gesetzt. Ein Beleg hierfür ist der sogenannte Wärmepumpengipfel, der von Bundeswirtschaftsminister Habeck und Bundesbauministerin Geywitz initiiert wurde. Zahlreiche Vertreter aus Industrie und Verbänden – darunter auch der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF) und die Landesinnung Kälte-Klima-Technik Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg (LIK) – haben gemeinsam ein Eckpunktepapier [1] erarbeitet und sich seit Sommer 2022 mehrfach in Workshops ausgetauscht und dort diskutiert, wie der Wärmepumpenhochlauf in Deutschland gelingen kann. Daraus entstanden ist ein Maßnahmenpaket mit über 100 Einzelmaßnahmen, die im Laufe des Jahres umgesetzt werden sollen, um das Ziel, ab 2024 500 000 Wärmepumpen im Jahr zu installieren, erreichen zu können. Erste Erfolge sind bereits 2022 zu verzeichnen gewesen. Laut einer Statistik von BWP (Bundesverband Wärmepumpe) und BDH (Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie) ist der Wärmepumpenabsatz in Deutschland 2022 gegenüber dem Vorjahr um 53 % auf 236 000 Geräte gewachsen. Es bleibt aber noch viel zu tun, sowohl was die Produktionskapazitäten der Hersteller betrifft als auch in Bezug auf das Know-how der installierenden Betriebe und die Aufklärung und das Werben von bzw. bei Endkunden.
Kältemittel im Fokus
Das Thema Kältemittel als „Betriebsmittel“ der Wärmepumpen wurde in diesem Zusammenhang von VDKF und LIK besonders in den Fokus gerückt. Der allergrößte Teil der installierten Wärmepumpen verwendet derzeit noch fluorierte Kältemittel (F-Gase). Hierzu gehören u. a. R410A, R32, R134a und R407C sowie HFO-Kältemittel wie R454B und R454C. Die Verwendung dieser treibhauswirksamen Kältemittel wird jedoch durch die seit 2015 gültige europäische F-Gase-Verordnung kontinuierlich eingeschränkt. Daher setzen die Wärmepumpenhersteller verstärkt auf das Kältemittel Propan und sie bauen die Produktionskapazitäten hierfür derzeit deutlich aus. Mit Propan-Wärmepumpen allein sind die gewünschten Stückzahlen aber bei Weitem nicht zu erreichen. In der vom Umweltbundesamt im August 2022 veröffentlichten Studie „Hauswärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln“ [2] wird der Marktanteil von Propan-Wärmepumpen bis 2030 auf ca. 30 % prognostiziert. Und im erwähnten Eckpunktepapier [1] heißt es zum Thema Kältemittel: „Lösungen mit natürlichen Kältemitteln erreichen in bestimmten Marktsegmenten nach mehrheitlicher Meinung erst in einigen Jahren Marktreife. Diese sollen möglichst schnell in den Markt eingeführt werden, jedoch ohne den Hochlauf von Wärmepumpen zu verlangsamen.“
Novellierung der F-Gase-Verordnung
Ohne F-Gase als Kältemittel ist demnach der geplante Wärmepumpen-Hochlauf nicht realisierbar. Im Laufe des Jahres wird jedoch eine Novellierung der F-Gase-Verordnung verabschiedet werden. Auch wenn hierüber zwischen EU-Rat, -Parlament und -Kommission noch nicht abschließend entschieden wurde – es wird in jedem Falle zu einer Verknappung der F-Gase kommen. Dies hat sowohl Auswirkungen auf den Wärmepumpenhochlauf als auch auf die gesamte Kälte- und Klimabranche. Im Novellierungsvorschlag der EU-Kommission ist nämlich vorgesehen, dass der sogenannte Phase-down deutlich beschleunigt und für weitere Anwendungen ein Verwendungsverbot eingeführt wird. Von 2024-26 stünden statt 31 % nur noch 23,6 % der F-Gase zur Verfügung (100 % sind die Mengen im EU-Markt vor der Einführung der F-Gase-VO 2014, umgerechnet in CO2-Äquivalente), 2027-29 statt 24 % noch 10 % und 2030-32 statt 21 % nur noch 5,1 %. In wenigen Jahren werden wir also eine Kälte- und Klima-Welt haben, in der praktisch nur noch natürliche Kältemittel (wie Propan, Ammoniak oder Kohlendioxid) verwendet werden können, weil fluorierte Kältemittel kaum noch verfügbar sind.
Autor: Christoph Brauneis
Literatur
[1] Eckpunktepapier zur Diskussion der Beschleunigung des Wärmepumpenhochlaufs – Vorhaben und Maßnahmen zum 2. Wärmepumpen-Gipfel; Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 16.11.2022.
[2] Becker, C.; Gloël, J.; Moie, J.; Timm, E.; Huth, P.; Koch, F.; Lützkendorf, C.: Zwischenbericht – Hauswärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln – Entwicklung von Anforderungen an klimafreundliche und energieeffiziente Geräte für den Blauen Engel; Texte 82/2022; Umweltbundesamt; August 2022.
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