Skip to main content 
Die mögliche Karriereleiter im Handwerk (Bild: handwerk-power.de)
Aus- und Weiterbildung

Handwerk für Abiturienten immer attraktiver

31.07.2015

Abi und dann ab in die Hochschule? Das muss nicht sein. Immer mehr Abiturienten setzen auf eine Karriere mit Lehre und entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk. Auch im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz ist der Anteil der Azubis mit Abitur gestiegen. Er lag bei den neuen Lehrlingen im Jahr 2014 bei über 10 Prozent – und damit fast doppelt so hoch wie fünf Jahre zuvor.

Das liegt nicht allein daran, dass bei weniger Schulabgängern insgesamt die Zahl der Abiturienten gewachsen ist. Denn während hier der Anstieg nur moderat ausfiel, konnte das Handwerk sehr deutliche Zugewinne verzeichnen.

"Wir freuen uns über diese Entwicklung, denn sie zeigt, dass das Handwerk für Abiturienten eine echte Alternative ist", sagt Sabine Schimmel, Leiterin des Fachbereichs für Bildung und Ausbildungsberatung der Handwerkskammer Konstanz. 

Dass sich das Spektrum von Abiturienten bei der Berufswahl erweitert und der Weg nicht zwangsläufig vom Gymnasium an die Universitäten führen muss, könnte viele Betriebe hoffen lassen. Denn sie müssen sich nicht nur im härter werdenden Wettbewerb um Nachwuchskräfte behaupten, sondern bei der Fachkräftesicherung auch der Weiterentwicklung von Berufsbildern und Arbeitsabläufen Rechnung tragen. 

Längst ist im Handwerk nicht mehr nur Anpacken gefragt. Mit der zunehmenden Komplexität vieler Ausbildungsberufe steigen die Anforderungen an künftige Azubis. Geschick, vielfältiges Spezialwissen, Phantasie, logisches Denken, Kreativität und Spaß am Umgang mit Menschen: Das sind nur einige der Talente, die Abiturienten bei einer Lehre im Handwerk voll entfalten können. 

Ein weiterer Pluspunkt ist die Eigenständigkeit: Auszubildende sind von Anfang an gefordert, übernehmen Verantwortung und können eigene Ideen umsetzen. Das könnte gerade diejenigen locken, die nach zwölf oder mehr Jahren Auf-der-Schulbank-Sitzen und Zuhören nicht sofort in den Hörsaal wechseln wollen – zumal gerade die Bachelor-Studiengänge mittlerweile selbst reichlich verschult sind und Uni-Einsteigern nicht eben viel Raum zum Ausprobieren geben. Die flachen betrieblichen Hierarchien im Handwerk bieten dazu genau den richtigen Rahmen und die notwendige Flexibilität. Das kann kleine Handwerksbetriebe auch im Vergleich zu großen Industrieunternehmen interessant für Individualisten machen.

Dazu gibt es viele Ausbildungsextras – vom Auslandsaufenthalt in einem Austauschprogramm über fachspezifische Qualifizierungen oder zusätzliche Abschlüsse bis zu einer Kombination aus Lehre und Studium. "Es gibt viele und sehr individuelle Möglichkeiten, mit einer Lehre in die Karriere zu starten", so Sabine Schimmel. Und diese Karriere kann im Handwerk richtig steil verlaufen. Schließlich führt kein anderer Wirtschaftsbereich so konsequent zur Selbständigkeit.  

Wer nicht den klassischen Weg über den Meistertitel gehen möchte, dem bieten duale Studiengänge mit integrierter Lehre oder Praxisphasen im Handwerk eine gute Alternative. Für Auszubildende mit Abitur wird in vielen Handwerksberufen parallel zum Berufsschulunterricht auch die Zusatzqualifikation "Management im Handwerk" mit Fremdsprachen, EDV und Betriebswirtschaft angeboten.

Schließlich lässt sich mit einer guten Ausbildung und Berufserfahrung im Gepäck auch im Auswahlverfahren für zulassungsbeschränkte Studienfächer punkten und insgesamt erfolgreicher studieren. Wer aus der Praxis kommt, kann nämlich besser einschätzen, was ihn im späteren Berufsleben erwartet und was er dafür braucht.

www.handwerk.de, www.handwerks-power.de und unter www.hwk-konstanz.de