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Licht- und Beleuchtungstechnik | Gebäudetechnik

Osram verkauft Lichtsparte

Ex Oriente Lux

26.07.2016

Der Traditionskonzern Osram verkauft seine Lichtsparte an ein chinesisches Konsortium. Für 9.000 Arbeitnehmer gibt es eine böse Überraschung.

Ex Oriente Lux – Aus dem Osten kommt das Licht. Diesen Satz können die 9.000 Mitarbeiter von Ledvance wörtlich nehmen.  Unter dem Namen Ledvance hatte Osram die komplette Lampenproduktion und -vermarktung aus dem Konzern ausgegliedert. Nun folgt der letzte Schritt. Der Mutterkonzern verkauft seine Lichtsparte nach China.  Ein chinesisches Konsortium aus dem Unternehmen MLS und den Finanzinvestoren IDG Capital Partners und Yiwu State-Owned Assets Operation Center erwirbt Ledvance für ca. 400 Millionen Euro. Dies bestätigte Osram in einer Mitteilung vom 26. Juli 2016.  Das Portfolio von Ledvance umfasst diese Produktgruppen:Für professionelle Kunden (B2B) LED-Lampen
Lampen (Hochdruck-Entladungslampen, Halogen-Lampen, Leuchtstoff- und Kompaktleuchtstofflampen)
Over-the-Counter-/Standardleuchten der Marke Ledvance
Vertrieb von Lichtmanagementsystemen, LED-Modulen sowie Treibern für Osram Für private Kunden (B2C) LED-Lampen
Lampen (Hochdruck-Entladungslampen, Halogen-Lampen, Leuchtstoff- und Kompaktleuchtstofflampen)
Smart-Home-Produkte
LED-Leuchten Bei Osram bleiben diese Produktgruppen:Specialty Lighting
Automotive Lighting (B2B, B2C)
Projektionslampen (B2B, B2C)
Eventbeleuchtung Opto Semiconductors
LED-Komponenten (auch Infrarot) und Laserdioden für alle Anwendungsbereiche Lighting Solutions and Systems
Professionelle Lichtlösungen
Leuchten, Lichtsteuerung, Software, Serviceleistungen
Digital Systems (Light Engines, Lichtmanagementsysteme, LED-Treiber)
Lightify IoT und Lightify Professional Der Konzern ist über Lizenzzahlungen an den Einnahmen des chinesischen Konsortiums beteiligt. Die Lizenzen sind auf die Nutzung der Namensrechte beschränkt. Die Lichtsparte generierte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von ca. 2 Milliarden Euro, blieb aber operativ (Ebita) in der Verlustzone. Nach dem Verkauf von Ledvance beschränkt sich der Osram-Konzern auf die Produktion und Vermarktung von LED-Halbleitern und Spezialbeleuchtung. Für die 9.000 Mitarbeiter von Ledvance brechen unruhige Zeiten an. Die IG Metall begnügte sich in den Verhandlungen auf einen kurzfristigen Bestand der Betriebsvereinbarungen und Sozialpläne bis Ende 2018. Für Altersteilzeitverträge besteht ein Insolvenzschutz bis 2025. Ausdrücklich ausgeschlossen hat die IG Metall eine Arbeitsplatzgarantie für die Ledvance-Mitarbeiter. Sie könnten das Schicksal der Schlecker-Frauen teilen. Osram-Aufsichtsratsmitglied und IG-Metall-Sprecher Michael Knuth ist trotzdem zufrieden: "Die Transaktion ist eine gute Nachricht für die Mitarbeiter von Ledvance". Menetekel Hoechst? Es gibt Zweifel, ob die Verkleinerung des Konzerns zu einer Gesundung von Osram führt. Im Negativfall könnte Osram dem Schicksal der Hoechst AG folgen. Der einstige Weltkonzern wurde unter der Leitung des Vorstandvorsitzenden Jürgen Dormann zwischen 1994 und 1999 vollständig zerschlagen. Die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie stimmte jedem Teilverkauf zu, so lange, bis der Konzern zu schwach zum Überleben war. 1999 fusionierten die restlichen Unternehmenssparten der Hoechst AG mit dem französischen Konkurrenten Rhône-Poulenc. Der neue Konzern nannte sich Aventis. Nach 136 Jahren verschwand der Name Hoechst aus der Öffentlichkeit.  Die dramatischen Ereignisse werden im Artikel "Verfall einer Legende" von Andreas Molitor eindrucksvoll beschrieben. Hoechst könnte ein Menetekel für Osram sein.  In Verbindung stehende Artikel
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Autor
Name: Jürgen Winkler