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Telefonverteiler älterer Ausführung; gewachsene Verschaltung, Bild: Uwe Schwöbel https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Telefonverteiler_gewachsen.jpg https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/03/Telefonverteiler_gewachsen.jpg Uweschwoebel, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons
Installationstechnik | Hausanschluss und Zählerplatz

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage

Erdung bei Kommunikationsfeldern

15.03.2022

Dürfen in sogenannte "Media-Verteiler" nur schutzisolierte Geräte montiert werden?

Frage:
Seit einiger Zeit werden von verschiedenen Herstellern sogenannte Media-Verteiler angeboten. Auf der Montageplatte des Verteilers ist vermerkt, dass nur schutzisolierte Geräte in den Verteiler montiert werden dürfen. Heißt das, ich darf auf die Montageplatte keine geerdeten Bauteile montieren, z. B. Koax-Verteiler, RJ45-Module? Aus meiner Sicht würde das die Verteiler sinnlos machen, ich wüsste nicht, für welche Einsatzzwecke ich die Verteiler dann verwenden sollte. Antwort:
Vorweg.
Die vom Anfragenden angeführten „Media-Verteiler“ entsprechen, laut Hersteller, der Norm DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [1], in der sie als „Kommunikationsfeld“ bezeichnet werden. Fakt ist, dass die Vermutung des Anfragenden richtig ist, dass nach Normentext auf der Montageplatte keine „geerdeten“ (mit Schutzleiter oder Funktionserdungsleiter verbunden) Teile/Betriebsmittel direkt befestigt werden dürfen. Im Abschnitt 9.1.6 von DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [1] ist hierzu folgendes festgelegt: „Ein Kommunikationsfeld ist eine Funktionsfläche nach 9.1, die der Aufnahme von Kommunikationsgeräten und vergleichbaren Geräten sowie deren Kabel- bzw. Leitungsführung und deren Bündelung dient. Das Kommunikationsfeld muss den Anforderungen der Schutzklasse II entsprechen. Das Kommunikationsfeld dient der Aufnahme von Geräten mit Schraubbefestigung oder zur Befestigung mit anderen einfachen Hilfsmitteln, z. B.:

  • anwendungsneutrale Netzwerkverkabelung nach DIN EN 50173-1 bis DIN EN 50173-4 (z. B. Netzwerkdosen, Ethernet-Switch);
  • die erste Anschlussstelle des Kommunikationsnetzbetreibers (z. B.: erste TAE-Dose);
  • Stromversorgung für handelsübliche Geräte mit Konturenstecker oder Eurostecker (Ausführung Schutzklasse II). Der Anschluss dieser Versorgung ist durch einfach isolierte Litzen nicht zulässig.
Geräte der Schutzklasse I müssen isoliert aufgebaut werden. Sie müssen eine sichere Trennung zu metallischen Teilen haben. Wenn ein Betriebsmittel (z. B. Klemme, RJ45-Verteiler) aus EMV Gründen eine Anbindung zur Funktionserdung erfordert, muss dieses isoliert aufgebaut werden. Diese Anbindung der Funktionserde ändert in keinem Fall die Schutzmaßnahme gegen elektrischen Schlag, da die führende Schutzmaßnahme „verstärkte oder doppelte Isolierung“ erhalten bleibt. Um die Robustheit des Funktionserdungsleiters sicherzustellen, ist dieser nach Abschnitt 9.1.6 von DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [1] mit einem Querschnitt von mindestens 1,5 mm2 (siehe auch DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1) [2], Abschnitt A.4) auszuführen. Anmerkung.Das Vorhandensein einer Berührungsschutzabdeckung ist keine Voraussetzung, da die Schutzklasse II auch ohne diese erreicht werden kann.“ Aus meiner Sicht sind die zitierten Anforderungen aus DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [1] unverständlich und im Widerspruch zu DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [3]. Deswegen möchte ich noch eine kurze Zusammenfassung zu diesem Thema, mit Hinweisen aus meiner Sicht, anfügen:
  • In Betriebsmitteln (z. B. Verteilern oder wie hier im Kommunikationsfeld) der Schutzklasse II dürfen an leitfähigen Konstruktionsteilen bzw. an den Montageplatten Schutzleiter nicht angeschlossen werden. Dies ist im Einklang mit Abschnitt 412.2.2.4 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [3].
  • Betriebsmittel der Schutzklasse I dürfen eingebaut werden, müssen aber gegenüber den leitfähigen Konstruktionsteilen (z. B. gegenüber den leitfähigen Montageplatten) isoliert sein.
Hier ist ein gewisser Widerspruch zu Abschnitt 412.2.2.4 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [3], wo es eine solche Forderung, dass Betriebsmittel der Schutzklasse I gegen leitfähige Konstruktionsteile isoliert einzubauen sind, nicht gibt. Es stellt sich auch die Frage, ob dann an diese Betriebsmittel der Schutzklasse I innerhalb des Kommunikationsfeldes ein Schutzleiter angeschlossen werden darf bzw. muss. Wenn ein Schutzleiter nicht angeschlossen werden darf, stellt sich die Frage, warum solche Betriebsmittel mit sicherer Trennung (doppelte oder verstärkte Isolierung) gegen metallische Teile (Konstruktionsteile)/Montageplatte eingebaut werden müssen. Autor: W. Hörmann Literatur:
[1] DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):2017-06 Zählerplätze – Teil 1: Allgemeine Anforderungen. [2] DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1):2019-02 Kabelnetze für Fernsehsignale, Tonsignale und interaktive Dienste – Teil 11: Sicherheitsanforderungen. [3] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag. [4] DIN EN 61140 (VDE 0140-1):2016-11 Schutz gegen elektrischen Schlag – Gemeinsame Anforderungen für Anlagen und Betriebsmittel. Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.