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Der Ausbau mit Glasfaserkabeln ist in Deutschland ein teures Problem (Bild: GIBLEHO/stock.adobe.com)
Inf.- und Kommunikationstechnik | Internet/Multimedia

Ausbau des Glasfasernetzes

Breitband für alle oder Lobbyinteressen

10.11.2017

Die Forderung ist nicht neu: In Deutschland muss dringend der flächendeckende Ausbau der digitalen Infrastruktur mit Glasfaserleitungen erfolgen. Durch die voranschreitende Digitalisierung ist die Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen unerlässlich.

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Niederländer schnappen zu

Die Konkurrenz der Deutschen Glasfaser schläft nicht. Gemeinsam wollen der niederländische Bouwfond, der chinesische Netzwerkausrüster ZTE und die Breitbandversorgung (BBV) Rhein-Neckar ein regionales Glasfasernetz in Deutschland aufbauen. Die von ZTE Deutschland ausgestatteten Netze werden von der BBV vermarktet und betrieben. Die Deutsche Glasfaser bekommt damit einen lokalen Konkurrenten.

Die Kooperation mit einem Glasfasernetz startet in Bretten in der Nähe von Karlsruhe. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, hatten es die großen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Unitymedia abgelehnt, in dem Ort Fiber To The Home (FTTH) zu verlegen. Der Ausbau für die 29.000 Einwohner lohne sich nicht. Es sollen 8.700 Haushalte in mehreren Stadtteilen angeschlossen werden.

Bouwfonds wird die Infrastruktur nach der Fertigstellung kaufen, die BBV wird das Netzwerk anmieten und betreiben. Die Partner haben bereits weitere potenzielle Ausbauregionen im Raum Nordbaden und in der Metropolregion Rhein-Neckar im Visier.

Der Bouwfonds wird zwischen 500 und 600 Millionen Euro in „passive Telekommunikationsinfrastruktur“ wie Glasfasernetze, Sendemasten und Datenzentren investieren.

Angst vor ausländischer Übernahme

Der Bouwfond kommt auch deshalb in Deutschland zum Zug, weil sich die Politik uneins über die Finanzierung des Ausbaus der Breitbandnetze ist. Eine Idee war der Verkauf von Aktien der Deutschen Telekom, die von der Bundesrepublik Deutschland noch immer gehalten werden. Die CDU ist dagegen und möchte lieber Anteile der Deutschen Post abstoßen. Der Post wird weniger Bedeutung bei Themen der inneren Sicherheit zugeschrieben.

Mit dem Verkauf der Telekom-Aktien besteht die Gefahr einer Übernahme des Konzerns durch ausländische Investoren. Man würde die Kontrolle über das Netz verlieren. Gegen den Verkauf sprechen auch die Umsätze der Telekom. Sie beschert der Bundesrepublik regelmäßig hohe Einnahmen, auf die man ungern verzichten will.

Noch immer befinden sich 31,9 Prozent der Deutschen Telekom in Staatsbesitz. Mit dem Verkauf an private Investoren könnte der Ausbau – zumindest teilweise – finanziert werden.

Asien zeigt, wie es geht

Um ein belastbares Glasfasernetz in Deutschland aufzubauen wären rund 80 bis 100 Milliarden Euro nötig. Kein Telekommunikationsanbieter verfügt über dieses Investitionsvolumen. Die öffentliche Hand kann diese Summen erst recht nicht aufbringen. 

Während in Deutschland nur zwei Prozent aller Verbindungen über Glasfaser laufen, sind es in Südkorea bereits 75 Prozent. Dort hat man schon frühzeitig begonnen die Daten-Infrastruktur auf Glasfaser umzustellen. Seit zehn Jahren werden Neubauten nur noch genehmigt, wenn die entsprechenden Leitungen verlegt werden. Glasfaser gehört damit zur Standard-Ausrüstung.

Die südkoreanische Regierung hat die schnelle Internet-Anbindung als Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung erkannt. Dabei geht es nicht nur um aktuelle Nutzungsgewohnheiten. Dort ist man sich bewusst, dass neue Angebote nur entstehen werden, wenn eine kritische Zahl von Nutzern über deutlich leistungsfähigere Anschlüsse verfügt. Der Standard-Anschluss hat schon heute 100 Megabit pro Sekunde. Bis 2020 sollen alle Bürger Südkoreas mit einem symmetrischen 1-Gigabit-Anschluss versorgt werden. Die Südkoreaner können damit Daten genauso schnell herauf- und herunterladen. Der Anschluss kostet private Nutzer nur rund 20 Euro im Monat.


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Autor
Name: Lana Geißler