Ausbau des Glasfasernetzes
Breitband für alle oder Lobbyinteressen
Die Forderung ist nicht neu: In Deutschland muss dringend der flächendeckende Ausbau der digitalen Infrastruktur mit Glasfaserleitungen erfolgen. Durch die voranschreitende Digitalisierung ist die Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen unerlässlich.
Bislang entschied sich von den zwei Millionen möglichen Kunden nur rund ein Drittel für eine extraschnelle Leitung. Der Knackpunkt liegt in der sogenannten letzte Meile. Solange dort das herkömmliche Kupferkabel liegt, bringt eine rasante Breitbandanbindung vorm Haus dem Nutzer gar nichts. Mit dem Ausbau des Glasfasernetzes ist man in den letzten Jahren gut vorangekommen. Aber dreistellige Download-Bandbreiten nützen nichts, wenn die Daten am Ende durch störanfällige Kupferkabel müssen und die Vermittlungsstelle zu weit entfernt ist. Würde die Kupferleitung auf der letzten Meile wegfallen und durch Glasfasern ersetzt, wären Bandbreiten bis 1 Gigabit pro Sekunde möglich.
Die Telekom versucht mit Vectoring und Super-Vectoring dieses Manko auszugleichen. Dabei werden die durch den Datenverkehr entstehenden elektromagnetischen Störungen ausgeglichen, bevor sie das Signal abschwächen.
Lobbyarbeit funktioniert
Die Forderung nach ultraschnellem Internet kommt von der Unternehmensseite. Die Kunden-Lobby ist gering. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat schon genug damit zu tun, die vertraglich vereinbarte Mindest-Datenrate bei den Anbietern einzufordern. Ernst Ahlers von Heise Online unterstellt, dass den meisten Privatkunden die gelieferte Geschwindigkeit bereits genügt.
Ahlers beruft sich auf die US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC). Laut FCC stellt der Nutzer beim Aufbau komplexer Webseiten jenseits von 20 Megabit pro Sekunde keinen Geschwindigkeitszuwachs mehr fest. Für einen Full-HD-Videostream in 2K-Auflösung reichen 10 bis 15 Megabit pro Sekunde aus. Selbst ein 4K-Video erfordert nicht ganz das Doppelte. Ernst Ahlers folgert daraus, dass die schon heute in einigen Haushalten verfügbaren 100-Megabit-Leitungen einer vierköpfigen Familie längere Zeit genügen dürften. Die geforderten 1-Gigabit-pro-Sekunde-Verbindungen wären für Privathaushalte überdimensioniert.
Er bemängelt an der Diskussion um den Glasfaserausbau, dass der private Häuslebauer sein schnelles Internet selber finanziert und zur Kosteneinsparung den Spaten selbst in die Hand nimmt. Um diese Kosten zu vermeiden, schicken Unternehmen gern Verbände vor, damit die öffentliche Hand sich um den Ausbau kümmert. Das Teure ist nicht das Kabel selbst, sondern das Verlegen. Dafür sind auf dem Land 100 Euro pro Meter nötig. In der Stadt würden die Kosten fünf bis zehn Mal so hoch sein.
Anbieter lockt Gemeinde
Da der Ausbau in einigen Regionen stockt, ergreifen die Anbieter nun selbst die Initiative.
In Pfaffen-Schwabenheim bot das Unternehmen Deutsche Glasfaser den Einwohner an, Glasfaserverbindungen in jedes Haus zu legen. Dabei soll sogar die letzte Meile aus Glasfaser bestehen. Deutsche Glasfaser ist bislang in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern aktiv.
Möglich wäre eine Datenübertragung bis 300 Megabit pro Sekunde, da in der Nähe parallel zur Autobahn A 61 eine dicke Glasfaserleitung läuft. Der Anbieter würde sogar die Investitionskosten von ca. 2,5 Millionen Euro alleine tragen. Der Ausbau soll maximal sechs Monate dauern und ohne große Aufbrucharbeiten vonstattengehen.
Es gibt nur eine Bedingung: 40 Prozent der Pfaffen-Schwabenheimer müssten das Internet über Deutsche Glasfaser beziehen. Sie würden keine Anschluss- und Bereitstellungskosten tragen. Für marktübliche 44,90 Euro bekäme jeder Anschluss eine Leitung mit 100 Megabit/Sekunde – Festnetztelefonie inklusive.
In der nächsten Gemeinderatssitzung Ende November wird über den Plan entschieden. Bürgermeister Haas optimistisch: „Ich hoffe, dass wir ohne Zusatzkosten eine Top-Breitbandanbindung bekommen können.“

