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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Umgebungseinflüsse für Schaltanlagen im Freien

Welche Normen und Vorschriften gelten für das Aufstellen von Schaltschränken im Außenbereich? Wie werden Schaltschränke bezüglich einer möglichen Taupunktunterschreitung geplant?

(Bild: Petair/stock.adobe.com)

Frage:
Beim Aufstellen von Schaltschränken im Außenbereich treten mehrere Fragen auf. 1.) Nach welchen Auslegungskriterien können Schaltschränke bezüglich einer möglichen Taupunktunterschreitung geplant werden? Können die in DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) beschriebenen Temperatur- und Feuchteklassen verwendet werden? Wir sollen bei Außenaufstellungen von einem Temperaturbereich von –20 °C bis +42 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit im Bereich von 10 bis 100 % ausgehen. Nach welchen Kriterien berechnet man die mögliche Taupunktunterschreitung, die wiederum eine Begleitheizung erfordern würde? Der normale Betriebszustand mit seiner Verlustleistung ist eine Berechnungsgröße, die beim Berechnen des Schaltschrankklimas benutzt wird. Aber Anlagen können bei Störfällen längere Zeit stillstehen, d. h., es tritt keine Verlustleistung auf, die normalerweise die Schranktemperatur über dem Taupunkt halten würde. Es geht in diesem Fall wie meistens um Errichtungs- und spätere Betreiberkosten.

2.) Immer wieder wird an offenen im Freien aufgestellten ungeschützten Schaltanlagen auch bei Regen oder Schnee gearbeitet. Wie macht man den Betreibern und Errichtern solcher Anlagen nachhaltig klar, dass Arbeiten an solchen Anlagen bei Regen/Schnee nicht erlaubt sind?

Antwort:
Vorweg.
Für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen ist nicht DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) [1] maßgebend, sondern es sind die Normen der Reihe DIN EN 61439 (VDE 0660-600) für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen. DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) [1] ist aber für die Auswahl von elektrischen Betriebsmitteln, die in einer elektrischen Anlage zum Einsatz kommen, zu berücksichtigen.

Unter Abschnitt 7.1, Übliche Betriebsbedingungen, von DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) [2] sind folgende Werte festgelegt:

7.1.1.1, Umgebungstemperatur für Innenraumaufstellung: „Die Umgebungstemperatur ist nicht höher als +40 °C und ihr Mittelwert ist über eine Dauer von 24 h nicht höher als +35 °C. Die untere Grenze der Umgebungstemperatur ist –5 °C.“

7.1.1.2, Umgebungstemperatur für Freiluftaufstellung: „Die Umgebungstemperatur ist nicht höher als +40 °C und ihr Mittelwert ist über eine Dauer von 24 h nicht höher als +35 °C. Die untere Grenze der Umgebungstemperatur ist –25 °C.“

7.1.2.1, Bedingungen hinsichtlich Luftfeuchte für Innenraumaufstellung: „Die relative Luftfeuchte der Umgebungsluft überschreitet nicht 50 % bei einer höchsten Temperatur von +40 °C. Bei niedrigeren Temperaturen dürfen höhere Luftfeuchtewerte zugelassen werden, z. B. 90 % bei +20 °C. Gelegentlich auftretende mäßige Kondenswasserbildung infolge von Temperaturschwankungen sollte berücksichtigt werden.

7.1.2.2, Bedingungen hinsichtlich Luftfeuchte für Freiluftaufstellung: „Die relative Luftfeuchte der Umgebungsluft darf vorübergehend bis 100 % bei einer höchsten Temperatur von +25 °C sein.“

Für abweichende Werte müssen gesonderte Vereinbarungen getroffen werden. Werte die der Anfragende anführt, nämlich einen Temperaturbereich von –20 °C bis +42 °C und relative Luftfeuchtigkeiten von 10 bis 100 % müssten daher vereinbart werden.

Darüber hinaus ist im Abschnitt 8.2.2 von DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1) [2] noch folgendes festgelegt: „Geschlossene Schaltgerätekombinationen für Freiluftaufstellung und für Innenraumaufstellung, die an Orten mit hoher Luftfeuchte und in weiten Grenzen schwankenden Temperaturen verwendet werden, müssen gegen schädliche Kondensation innerhalb der Schaltgerätekombination mit geeigneten Mitteln (Belüftung und/oder innere Heizung, Klimastutzen usw.) ausgestattet werden. Die festgelegte Schutzart muss dabei jedoch erhalten bleiben.“

Autor: W. Hörmann

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510):2014-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Allgemeine Bestimmungen.

[2] DIN EN 61439-1 (VDE 0660-600-1):2012-06 Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – 
Teil 1: Allgemeine Festlegungen.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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